Als ich 2011 zum ersten Mal von Couchsurfing gehört habe, war ich gerade „vom Lande“ in die Großstadt gezogen und dachte nur so „Ja man, das ist es! Bäääm!“ – zack, angemeldet. Seitdem habe ich Couchsurfing zu einer meiner Lieblingssportarten erkoren und kann dir nur empfehlen, es auch einmal auszuprobieren.

Sicherheitsbedenken als alleinreisende Frau?

Das ist meist das Hauptargument (zumindest von weiblicher Seite), das gegen Couchsurfing spricht. Aber ganz ehrlich: Ich würde behaupten, in 99% der Fälle kann man sich auf das Bewertungssystem der Seite verlassen. Zumindest was die Sicherheit angeht, denn natürlich nimmt Sauberkeit etc. jeder anders wahr.

Klar, man kann immer mal auf die Schnauze fallen, but no risk no fun. Bisher habe ich nur ein schlechtes Erlebnis gehabt – ich bin ja ehrlich und habe nicht vor, dir das vorzuenthalten. Das war an der Gold Coast in Australien, wo ein unglaublich netter und sympathischer (Achtung, Ironie) Mittfünfziger sich trotz über 100 positiven Bewertungen als Obergigolo rausgestellt hat und sich die Bewertungen der anderen jungen Damen offenbar mit seiner Villa, gratis Cabrio- und Jetskifahrten und teurem Champagner gekauft hatte.

Aber gut, meine anschließende Recherche brachte eine Internetseite zum Vorschein, auf der besagter Herr fleißig Werbung für seine Ratgeber machte, frei nach dem Motto „Wie kriege ich als alter Mann möglichst viele junge Frauen ins Bett“. Scheint ein lohnenswerter Markt zu sein, wenn ich mich so an die Villa und den scheißeteuren Champagner zurückerinnere. Der entsprechende Link hat Couchsurfing dann aber offenbar gereicht, um sein Profil zu sperren.

Keine Angst vor Negativpropaganda!

Wahrscheinlich denkst du jetzt: „AHA, und genau deswegen gehe ich nicht couchsurfen!“ Jetzt mal Butter bei die Fische: Vermutlich ist das kein Einzelfall, nein. Aber Pech kann man überall im Leben haben, solche Idioten laufen dir ja nicht nur bei Couchsurfing über den Weg. Generell ist das Internet voll von Negativpropaganda. Schlechte Restaurants, schlechte Hotels, schlechte Fluggesellschaften. Online schreiben nun mal meist die Meckerer und nicht die zufriedenen Kunden, wieso sollte das also in diesem Fall anders sein?

Dementsprechend: Genug über die Schattenseiten lamentiert, hier kommen 5 Gründe, warum Couchsurfing dein Leben (im positiven Sinne) verändert

1. Du lernst unglaublich spannende Menschen kennen

Couchsurfing erweitert zwangsläufig deinen Horizont, denn du triffst auf Menschen, die, wie du auch, ein Reise-Gen besitzen. Sei es bei Treffen der Couchsurfing-Community, beim Hosten oder beim Surfen: Überall sind Leute, die jede Menge zu erzählen haben und teilweise ganze Bücher füllen könnten.

Sie schwärmen von Backpacking durch Südostasien oder präsentieren stolz beeindruckende Fotos aus Kanada im Schnee. Sie erzählen von ihrem Auslandssemester in Skandinavien oder schwelgen in Erinnerungen an Work-and-Travel in Australien. Egal, welche Geschichte es auch ist und egal, ob du eigentlich andere Reisepräferenzen hast – eins haben alle Erzählungen gemeinsam: Sie rufen unglaubliches Fernweh bei dir hervor und füllen deine Bucket List so sehr, dass du am liebsten direkt aufbrechen würdest!

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2. Du wirst anpassungsfähig as hell

Ob du willst oder nicht! Vielleicht juckt dich das alles sowieso kein bisschen. Vielleicht bist du aber auch einen gewissen Komfort, eine auf Hochglanz polierte Wohnung, deine absolute Ruhe oder sonst irgendwas gewohnt und dir noch gar nicht im Klaren darüber, dass das nicht überall der praktizierte Lifestyle ist. Und dass das auch gut so ist!

Couchsurfing an sich (das kann auch einfach nur im Nachbarort sein) ist ein riesiges Abenteuer, denn du weißt nie so genau, was dich erwartet. Ein (selbst für mich) viel zu kleines Sofa, eine ganz eklige kleine und sabbernde Töle (sorry, liebe Hundefreunde), frostige Nächte ohne Heizung und ein hygienisch betrachtet kaum nutzbares Badezimmer haben unter anderem dazu geführt, dass ich nach über drei Jahren intensiver Reiseerfahrung für jede Situation mental perfekt gerüstet bin.

3. Du stellst fest: Man kann auch ohne Geld reisen

Wer behauptet, Reisen sei zu teuer, der lügt. Oder er weiß es einfach nicht besser. Oder er ist schrecklich unflexibel und lässt nur ein 5-Sterne-Resort im Süden als „Reise“ durchgehen. Mit Couchsurfing kannst du deine Übernachtungskosten quasi auf Null runterschrauben. Wieso „quasi“? Weil es meiner Meinung nach dazu gehört, sich zumindest mit einem Getränk am Abend, einem gemeinsamen Essen oder einem kleinen Gastgeschenk zu revanchieren. Das kann aber natürlich auch jeder handhaben, wie er möchte – die meisten Gastgeber haben da keinerlei Erwartungen. Trotzdem freut sich natürlich jeder über eine Anerkennung, in welcher Form auch immer.

Auf jeden Fall verändert diese Tatsache viel in deinem Kopf: Festzustellen, dass es Menschen gibt, die dir ohne Gegenleistung und völlig uneigennützig so gut sie können einen tollen Aufenthalt ermöglichen, ist eine super Sache!

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4. Du wirst mutiger und kontaktfreudiger

Oh ja, und wie! Hochgradig schüchtern im Umgang mit anderen Menschen war ich noch nie – dafür aber oft wenig selbstbewusst und innerlich extremst aufgeregt vor unbekannten Situationen. Das hat sich mit meinen ersten Couchsurfing-Erfahrungen aber grundlegend geändert.

Nach wie vor ist es immer noch jedes Mal spannend, vor einem fremden Haus zu stehen und die richtige Klingel zu suchen. Die Phase „Ach du Scheiße, was mache ich hier eigentlich?“ war aber nach den ersten zwei oder drei Aufenthalten endgültig überwunden. Gespräche mit vorher noch Fremden werden von Mal zu Mal einfacher und meist habe ich das Gefühl, bei alten Freunden zu Besuch zu sein – ganz gleich, auf welcher Sprache wir miteinander kommunizieren.

5. Du tauchst vor Ort direkt ins „echte Leben“ ein

Authentische Momente kannst du auf keine andere Art und Weise besser finden als über Couchsurfing. Du musst nicht erst allein durch die Stadt laufen und hoffen, Einheimische kennenzulernen. Deine entsprechende Anlaufstelle suchst du dir ja schon vorher über das Internet.

Meine Hosts haben mich bisher immer wie eine Tochter bzw. Schwester oder Freundin auf Zeit in ihr Leben integriert. Als wäre ich ein ganz normaler Teil der Familie. So siehst du die schönsten Ecken der Stadt, kriegst die besten Insider-Tipps schlechthin und wirst bestenfalls noch mit regionalen Köstlichkeiten aus der eigenen Küche verwöhnt.

Meine Highlights bisher: Eine schwindelerregende Offroad-Tour um die australischen Blue Mountains. Mit sechs Personen einen vom papua-neuguineischen Papa selbstgeangelten Riesenfisch von einem einzigen Backblech in der Mitte des Tisches gabeln. Eine Fahrradtour durch den Park Juan Carlos I. in Madrid. Durch Connections einen etwa 70% Discount auf den letzten Platz für einen Whitsundays-Segeltörn bekommen – Abfahrtszeit: Sofort!

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Solche Momente sind es, die dich in den totalen Glückszustand versetzen. Und wenn du da ähnlich tickst wie ich, sage ich dir voraus: Im Anschluss weißt du ein teures Hotel zwar noch zu würdigen, behältst aber auch immer im Hinterkopf, dass „die Welt entdecken“ weniger von deinem Hotelzimmer aus stattfindet als direkt bei Einheimischen zu Hause.

Kannst du dir vorstellen, Couchsurfing zu nutzen? Welche Erfahrungen hast du schon gemacht?

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