Liebe Schweiz. Wir müssen reden. Du hast uns bei unserem ersten Besuch mit einem ständigen Grau in Grau, den gewaltigsten Wolkenbrüchen seit langer Zeit und absurd teuren Essenspreisen begrüßt und offenbar mit aller Kraft alles dafür getan, dass wir dich nicht mögen. Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen: Auch wenn es uns scheinbar nicht wirklich gegönnt war, haben wir das Beste aus unserem Wochenende in Basel gemacht und uns die Laune trotz Regen nicht vermiesen lassen. Fiel uns sogar gar nicht sooo schwer – unser Alternativ-Programm konnte sich durchaus sehen lassen, Rübli-Kuchen schmeckt auch bei Schmuddelwetter und ein gemütliches Hotelbett tut sein Übriges.

„Willkommen in der Schweiz“, nuschelt uns der Grenzbeamte zu, als wir von der französischen Autobahn auf die schweizerische Seite fahren wollen. Von Colmar aus hatten wir komplett auf unseren Straßenatlas* verzichtet und uns einfach wieder am Rhein orientiert – bis wir nach einem landschaftlich wenig reizvollen Stück Weg plötzlich unerwartet vor einem Atomkraftwerk standen und uns dafür entschieden, doch lieber die Autobahn Richtung Basel zu nehmen. Bei unserer Roadtrip-Planung hatten wir allerdings einen kardinalen Fehler begangen und das Thema „Maut“ mit einem „Müssen wir ja eh zahlen, also kümmern wir uns einfach an der Grenze drum“ abgetan.

Während ich wusste, dass man in Österreich eine 10-Tage-Vignette für ein bisschen Kleingeld bekommt, ließen wir uns bei der Schweiz einfach überraschen. Die Strafe folgte sofort und wir fielen aus allen Wolken, als die Rede von 40 Euro war (oder 40 Franken, der Umrechnungskurs entspricht übrigens wirklich fast 1:1) – 40 Euro für eine Vignette bis einschließlich Januar, Varianten für kürzere Zeiträume gibt es einfach nicht. Dumm gelaufen, denn zwingend notwendig war die Vignette letztendlich nur für unsere zwei Tage am Bodensee. In dem Moment, als die 40 Euro den Besitzer wechselten, hätte uns eigentlich schon klar sein müssen, dass die Schweiz uns nahezu das letzte Hemd kosten würde.

Unsere Ankunft in der Innenstadt erinnerte mich etwas an unseren Roadtrip-Start in Koblenz: Wir fuhren etwa dreimal an unserem Hotel vorbei. Das lag daran, dass unser Kartenmaterial keine Detailübersicht von Basel beinhaltete und ich auf meinem gekritzelten Zettelchen nur meine handschriftliche Notiz „Richtung Bahnhof, einfach der Straße folgen, rechte Seite“ wiederfand. Und ich muss dir sicher nicht sagen, wie unterschiedlich man eine eigentlich einfache Wegbeschreibung wahrnimmt, wenn man sich dann plötzlich mitten im totalen Verkehrschaos befindet…

Sightseeing in Basel – vom Auto aus

Zuerst fuhren wir zum falschen Bahnhof – wir mussten nach Basel SBB, standen aber vor Basels Badischem Bahnhof. Nachdem wir viel im Kreis gefahren waren, kannten wir quasi schon die ganze Stadt und fanden auch endlich den richtigen Bahnhof und unser Hotel. Dummerweise bestand die Nachbarschaft neben unzähligen Autos gefühlt nur aus „Einfahrt verboten“, „Einbahnstraße“, „Wenden verboten“ und ähnlichen Schildern, weswegen wir noch ein paar Mal hin- und herfuhren. Aber irgendwann hatten wir es dann doch noch geschafft.

Das Hotel ibis Styles Basel City wurde erst dieses Jahr eröffnet und hat uns freundlicherweise zu zwei Übernachtungen mit Frühstück und Parkplatz eingeladen. Wir wurden sehr nett begrüßt, mit Stadtplänen und Tipps für Basel ausgestattet und direkt an der Rezeption gab es noch eine Überraschung: In Basel ist es so üblich, dass Hotelgäste gleichzeitig für die Dauer ihres Aufenthalts auch noch kostenlos einen Fahrschein für die Öffis bekommen.

Das ist natürlich super, denn wir nutzen bei unseren Städtetrips gerne und oft Bus und Bahn und ein Tagesticket in Basel hätte ansonsten noch einmal 10 Franken pro Person gekostet. Zum Hotel erzähle ich dir später noch mehr – in unserem Zimmer haben wir letztendlich nämlich viel mehr Zeit verbracht, als uns eigentlich lieb war…

Sehenswürdigkeiten in Basel: Entdeckungen trotz Regen

Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes. Regen, Regen, Regen. Das kannten wir ja schon von unserem Halt in Colmar. Der Himmel war entsprechend grau und wir hielten es für sinnvoll, nur schnell unsere Rucksäcke im Hotelzimmer zu verstauen, das Auto in die Tiefgarage zu fahren und uns schleunigst auf den Weg in die Stadt zu machen, um nach Möglichkeit noch ein bisschen Sightseeing im Trockenen zu erleben.

Auch wenn man in Basel an vielen Stellen mit Euro bezahlen kann und wir ja für den Notfall auch unsere Kreditkarten dabei hatten, wollten wir uns erstmal mit Bargeld aka Schweizer Franken eindecken und steuerten den Bahnhof an, mit dem wir ja nun von außen bereits bestens vertraut waren. Obwohl wir auf unserem Retro-Roadtrip die gesamte Reisekasse in bar bei uns trugen (jetzt, wo sie uns keiner mehr klauen kann, darf man das ja so öffentlich sagen, haha), entschieden wir uns fürs Abheben mit der Kreditkarte – die Kommision fürs Wechseln fiel unserer Meinung nach nämlich in die Kategorie „Wucher“. Genauso wie quasi das gesamte Preisniveau in der Schweiz. Das tut echt richtig, richtig weh.

Wir schlenderten vom Bahnhof aus etwas durch die Innenstadt und schafften es doch tatsächlich, noch ein paar hübsche Gebäude unter grauem Himmel anzuschauen, BEVOR der Wolkenbruch alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Das rote Rathaus, das Münster und den total coolen Fasnachts-Brunnen (nach seinem Künstler auch oft Tinguely-Brunnen genannt) hatten wir wohl etwas zu lange bewundert – denn so befanden wir uns natürlich gerade auf einer der Brücken über den Rhein und staunten über eine temporäre Bühne AUF dem Fluss, als es von oben verdammt nass wurde.

An sich mag ich Regen. In Thailand und beim letzten Reisebloggertreffen in Essen bin ich gerne durch den Regen gehüpft. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Als wir in Basel waren, lagen die Temperaturen zwischenzeitig allerdings bei 10-15 Grad. Und das im August.

„Was tun bei Regen in Basel?“

…das war die große Frage, die sich uns fortan stellte, denn wirklich besser wollte es der Wettergott mit uns offenbar nicht meinen. Wir fanden heraus, dass sich jenseits der Grenze ein Einkaufszentrum befindet. Also schwangen wir uns ins Auto und fuhren nach Weil am Rhein – das hätten wir theoretisch mit unseren Nahverkehr-Karten und einem günstigen Anschlussticket auch entspannter haben können (die Tram-Linie 8 fährt direkt bis zum Rheincenter), allerdings war es so am Schütten, dass selbst der kurze Gang vom Hotel zur nächsten Tram-Station eine heikle Angelegenheit gewesen wäre.

Das Rheincenter ist zwar durchaus schon etwas in die Jahre gekommen, erfreut sich im Dreiländereck aber großer Beliebtheit bei Deutsch, Franzosen – und ganz besonders bei den Schweizern, die regelrecht ins Einkaufszentrum pilgern und sich die deutsche Mehrwertsteuer mit bestimmten Formularen direkt vor Ort zurückholen können und damit alles verstopfen. Wie auch das Parkhaus, das fast am Überlaufen war. Wir parkten (juchu) auf dem obersten Parkdeck. Ohne Überdachung natürlich.

Weil am Rhein: Ein Nachmittag im Einkaufszentrum

Aber was soll’s, Regen waren wir ja mittlerweile gewohnt. Also verbrachten wir den Nachmittag damit, im Kino endlich Ich – Einfach unverbesserlich 3* zu gucken (ja, er war so gut wie erhofft – ich liiiebe die Filme einfach), uns in einer richtig schönen Tierhandlung Fische, Kaninchen und Co. anzuschauen und anschließend im Food Court essen zu gehen. Mit dem Essen ist das in der Schweiz nämlich so eine Sache…

Günstig essen in Basel – (un)möglich?

Kurz nach unserer Ankunft war schon klar, dass der Vignetten-Schock nicht der einzige bleiben würde. Ja, natürlich wussten wir, dass die Schweiz sehr teuer ist und insbesondere die Lebenshaltungskosten die deutschen Supermarkt- und Restaurantpreise stark überholen. Aber SO teuer? Bei den ersten Preisen, die wir sahen, hätten wir wohl ganz gut ein Sauerstoffzelt gebrauchen können.

13 Franken für ein paar chinesische Nudeln in einem Restaurant neben dem Bahnhof? Die gibt es bei uns in Bielefeld für 3 Euro! Ein paar Preise zu Vergleichszwecken: In Deutschland kostet ein Teller Pasta im Vapiano knapp 10 Euro, die Dr. Oetker TK-Baguettes gibt es im Supermarkt für etwa 1 Euro. In der Schweiz sieht das dann so aus:

Glücklicherweise gab es in unserem Hotel ja ein (etwas einfaches, aber ausreichendes) Frühstück und wir waren heilfroh, davon Gebrauch machen zu können. Es ist ja nicht so, dass wir uns das Essen nicht hätten leisten können – aber irgendwie rufen solche Mondpreise bei einem Schweiz-Urlauber mit deutschem Einkommen Schnappatmung hervor und wir stuften es für uns selbst als Zeichen des Protests ein, ausnahmsweise mal nicht in ein Restaurant zu gehen.

Außerdem war es auch ganz nett, sich im Migros-Supermarkt an der Theke mit Rübli-Kuchen einzudecken und draußen auf einer Straßenbank die einzigen Sonnenstrahlen des Tages einzufangen. Ach ja: Wer sich bei dem Foto von mir erschrocken hat… Keine Sorge, ich war nicht krank – ich durfte nach dem Augenlasern nur noch keine Wimperntusche benutzen, haha.

Bar Rouge Basel: Cocktails und Latino-Hits über den Dächern der Stadt

Wenn man an einem Wochenende in einer Großstadt ist, kann man es sich natürlich nicht entgehen lassen, zumindest an einem Abend eine Party zu feiern. Wir zumindest nicht. Auch wenn wir die Kosten scheuten, stand schnell fest: Das gönnen wir uns. Und so fanden wir die Bar Rouge, die sich auf 105 Metern Höhe befindet und von wo aus man einen Blick über die ganze Stadt hat. Cocktailpreise von durchschnittlich 16 Euro?

Das hatten wir fast schon schlimmer erwartet, zumal die Drinks echt verdammt exquisit waren, das Ambiente in der Bar unglaublich und der Getränkepreis gleichzeitig quasi Eintritt in einen Club ist – abends legt dort nämlich ein DJ auf und lässt heiße Latino-Rhythmen über den Dancefloor bummern. Nicht nur beim Feiern hat man einen unschlagbaren Blick über Basel – selbst der Toilettengang wird dank gläserner Außenwände zum Highlight.

Basel ist bei Sonnenschein sicher eine wunderschöne Stadt – schon allein die Lage am Rhein ist traumhaft. Dummerweise haben wir davon aber nicht allzu viel gesehen, denn die Sonne hat sich bis zuletzt nicht sonderlich oft blicken lassen. Genau genommen eigentlich gar nicht. Da wir mittlerweile ja schon eine Woche unterwegs waren, entschieden wir uns also einfach dazu, etwas zu faulenzen. Das fiel bei unserem schönen Hotelzimmer auch nicht schwer, denn während uns das ibis Styles in Speyer ja nur begrenzt begeistern konnte, hat das ibis Styles Basel City echt richtig was hergemacht.

Durch die kürzliche Eröffnung ist alles topmodern und neuwertig, das Design im ganzen Hotel ist bis in alle Ecken durchdacht und während wir uns vom saubequemen Bett aus im Flatscreen eine Dokumentation über Indien anschauten, blödelten wir schon etwas rum: Noch eine klitzekleine Küchenzeile und unser Doppelzimmer würde sich sogar als längerfristige Wohnmöglichkeit eignen.

Und das Ganze gibt es sogar (vor allem für die Schweiz!) erstaunlich günstig, denn während Lebensmittel und Restaurantbesuche echt verdammt teuer sind, unterscheiden sich die Hotelpreise fast gar nicht von denen in Deutschland: Ein DZ mit Frühstück gibt es im ibis Styles Basel City* je nach Termin schon ab gut 80 Euro pro Nacht und wir waren wirklich begeistert. Außerdem konnten wir uns so vom Zimmer aus noch etwas die Stadt angucken die Wand ziert nämlich die komplette Skyline von Basel!

Gespannt, wie es weitergeht? Hier findest du die fünfte Roadtrip-Etappe.

Hast du Tipps für Basel? Was haben wir verpasst?

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