Der Wahnsinn auf dem Jakobsweg nimmt kein Ende. Hätte ich vorher gewusst, dass der Camino ab Sarria so ätzend werden würde, hätte ich mir vielleicht doch einen anderen Pilgerweg ausgesucht. Oder zumindest den Endspurt etwas umgeplant. Denn die letzten hundert Kilometer machen mich so fertig, dass ich fast schon vergesse, wie schön der Camino Francés bisher war. In dem Irrenhaus mit lauter Bekloppten, viel Kommerz, einem Schilderwald der Herbergen und Um-die-Wette-laufen bin ich froh, dass ich Snaedis und Antonio an meiner Seite habe, die mich mitziehen und mir meine schlechte Laune nicht übelnehmen.

In der Nacht hat es viel geregnet, am nächsten Morgen haben wir allerdings Glück. Wir konnten in der gemütlichen Herberge gut schlafen und suchen nach einem Frühstück. Da wir nicht wissen, wann die nächste Ortschaft kommt, entscheiden wir uns, von unserer Unterkunft aus erst zurück in den Ortskern von Palas de Rei zu gehen, um uns für die Tagesetappe zu stärken. Wie wir später feststellen: War eigentlich sinnlos, denn fast unmittelbar nach dem Ortsausgang wäre auch direkt eine Bar gekommen.

Wir wandern vorbei an grünen Wiesen und durch kleine Dörfer. Ganz Galicien scheint nur noch aus massenweise Matsche zu bestehen, denn es hat in den letzten Tagen verdammt viel geregnet. Beim Gehen blubbert der Schlamm lustig zwischen meinen Zehen hin und her und ich mache mir einen Spaß aus dem Versuch, möglichst dicke Blubberblasen entstehen zu lassen.

Camino Francés: Party auf dem Jakobsweg

Auch die Schülertruppe, die offenbar auf Klassenfahrt ist, latscht wieder durch die Landschaft. Einige von ihnen sind voll motiviert, bei anderen kommt nur eine semi-starke Begeisterung fürs Pilgern auf – eine Truppe älterer Jungs hat sogar tatsächlich Lautsprecher dabei, die den Jakobsweg mit Reggaeton-Beats beschallen. Eigentlich meine Lieblingsmusik. Hier aber irgendwie fehl am Platze, also sorgen wir dafür, dass der Trupp uns schnell überholt.

Da sich alle, die nur die letzten hundert Kilometer des Jakobswegs gehen, täglich nicht nur einen, sondern mindestens zwei Stempel für ihren Pilgerpass besorgen müssen, ist der Weg gepflastert mit provisorisch aufgebauten Stempelpunkten. Diese werden genauso überrannt wie der ganze Camino seit Sarria auch. Oft bilden sich richtig lange Schlangen und wir sind froh, dass wir uns da nicht anstellen müssen – bei vielen ist es aber, glaube ich, auch nur die Sammelleidenschaft, denn viele Kurzzeitpilger lassen sich keine einzige Stempelmöglichkeit entgehen.

Fast geschafft: Melancholie auf dem Jakobsweg

Einerseits bin ich allmählich ziemlich melancholisch, da mir klar wird, dass das Ganze hier bald vorbei ist. Letztendlich ist es wie bei jeder Reise: Man freut sich lange darauf, bereitet vor, plant, hat gewisse Vorstellungen im Kopf. Und zack, geht es los – und fast genauso schnell ist alles wieder vorbei. Daran werde ich mich vermutlich niemals gewöhnen. Auch Snaedis wirkt so langsam recht niedergeschlagen, als sie realisiert, dass das Ende unserer Reise immer näherrückt.

Es geht sehr vielen so, die schon seit Wochen auf dem Weg unterwegs sind: Irgendwie hat man sich an dieses entbehrungsreiche Leben mit täglich neuen Aufgaben gewöhnt. Und unsere kleine Pilgergemeinschaft hat von uns schon den Familienstatus bekommen – laut Snaedis fühlt es sich nämlich bereits so an, als wäre Antonio ihr Sohn und ich als Küken das Enkelkind. Andererseits muss ich sagen… So schön es mit den beiden ist: Ich will diesem Irrenhaus nur noch entkommen und Santiago endlich erreichen.

Seit wir Galicien erreicht haben, befindet sich eine Sache auf der To-Do-Liste von Antonio und Snaedis: Die beiden wollen Pulpo essen, denn für Tintenfisch ist die Comunidad Galicien, die sich im Westen Spaniens befindet und direkt an den stürmischen Atlantik grenzt, berühmt. In Melide, so haben wir herausgefunden, soll es mehrere sehr gute pulperías geben, in denen man traditionell zubereitete Gerichte bekommt. Wir setzen uns in die Pulpería A Garnacha, wo die Tentakeln für alle sichtbar am Fenster zerhackt und auf runden Holzbrettern serviert werden.

Essen in Galicien: Tintenfisch auf dem Jakobsweg

Auch wenn ich hier auf dem Jakobsweg zwischendurch mal auf Fisch zurückgreife: Während fast alle diese Delikatesse feiern, wird mir beim Anblick von Hackebeil in Kombination mit den Saugnäpfen flau im Magen. Aber gar kein Problem, denn neben den Standards Pimientos de Padrón, Patatas und Co. gibt es für Vegetarier einen warmen Caldo Gallego: einen galicischen Eintopf, der (zumindest in diesem Restaurant) vegetarisch zubereitet wird und mich mit Kohl und weiteren Zutaten in Brühe von innen aufwärmt und richtig lecker schmeckt.

Wie sich nach einigen Minuten rausstellt, haben wir viel zu viel bestellt, lehnen uns mit dicken Bäuchen auf unseren Stühlen zurück, prusten und sondieren die Lage: Geht vielleicht noch eine letzte Kartoffel? Noch eine Paprika? Nee, rien ne va plus. Die Atmosphäre in dem riesigen Restaurant ist ziemlich cool, denn viele Pilger bleiben hier für eine Pause und lassen sich an den rustikalen Tischen nieder. Wir lassen das gute Essen noch etwas sacken, nutzen das WLAN und die Toiletten und machen uns wieder auf den Weg. Im Fresskoma geht es weiter und wir ärgern uns etwas, dass wir uns so überfressen haben, denn so lässt sich der Camino deutlich schwerer bewältigen.

Camino Francés: Eukalyptus in Spanien auf dem Jakobsweg

Melide stellt sich als hübsches Städtchen heraus. Schade, dass wir hier nicht über Nacht bleiben. Aber das kommt nicht in Frage, denn wir haben erst ca. 15 Kilometer geschafft und Snaedis hat uns am Vorabend noch eine Herberge in Rivadiso reserviert. Mit vollen Mägen haben wir also nochmal fast genauso viel Strecke vor uns. Hinter Melide riecht es nach Eukalyptus und ein Blick nach oben verrät auch direkt, wieso das so ist: Hier gibt es zwar keine Koalas, dafür aber tatsächlich unzählige Eukalyptusbäume. In Spanien? Tatsache, in Galicien gibt es wirklich Eukalyptuswälder. Wieder was dazugelernt.

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Ausgerechnet heute geht der Weg ständig auf und ab und ich bin froh, dass ich den Tintenfisch nicht gegessen habe. So begeistert Snaedis und Antonio anfangs noch von dem hervorragenden Gericht waren… Mittlerweile liegt er ihnen ganz schön quer im Magen. Der Camino ist nicht nur hart, sondern mit insgesamt 28 Kilometern heute sowieso nicht ganz ohne. Zwischendurch regnet es immer mal wieder leicht, aber während alle direkt bei den ersten Tropfen ihre Regenjacken und den Rucksackschutz rauskramen, lasse ich mich halt etwas zuregnen. Was nass wird, wird auch wieder trocken – und der Pulli hält vorerst einiges an Wasser ab.

Irgendwo im Wald müssen wir alle dringend mal pinkeln, haben aber wenig Lust, erst ans andere Ende des Waldes zu latschen. Ich bin mittlerweile recht schmerzfrei. Auch egal, dass hier die ganzen anderen Pilger vorbeikommen. Ich muss pinkeln. Punkt. Also einfach an den Wegesrand und los. Inzwischen brauche ich nur noch etwa zehn Sekunden und bewältige die Aufgabe neuerdings sogar mit dem Rucksack auf dem Rücken. Wie Antonio grinsend und bewundernd anmerkt, habe ich das Expertenlevel erreicht, haha.

Camino Francés: Deutsches Essen auf dem Jakobsweg

Als wir den Wald verlassen haben, stellen wir zufrieden fest, dass unser Fresskoma überwunden ist. Also? Klaaar, wir brauchen dringend eine Kaffeepause. Auf diese Idee kommen wir hauptsächlich, weil wir die Cafetería El Alemán passieren und Snaedis und Antonio sich einig sind, dass wir ein paar deutsche Spezialitäten probieren müssen.

Dummerweise stellt sich mit einem Blick auf die Speisekarte heraus, dass das Essen dort leider absolut gar nichts mit Deutschland zu tun hat: Es gibt die gleichen Sachen wie überall und nichts erinnert an deutsche Kuchen-Kultur. Sooo lange bin ich ja dann auch noch nicht weg aus Deutschland. Ich bezweifle zumindest stark, dass Tarta de Santiago und Tellergerichte mit glitschigen Würstchen, Spiegeleiern, Patatas und Eisbergsalat neuerdings zu den deutschen Spezialitäten zählen.

Die letzten Kilometer bringen wir recht stoisch hinter uns und haben Glück: Es fängt erst an zu schütten, als wir uns kurz vor der Herberge befinden. Wie auf Knopfdruck öffnet sich die Wolkendecke und der Regen ist so gewaltig, dass die dicken Tropfen tosend auf den Boden knallen. Gott sei Dank, haben wir schon den Ortsausgang von Rivadiso bereits erreicht – dort liegt nämlich die Albergue Milpés*, die nicht in den Ortskern gebaut wurde.

So ist das bei fast allen Herbergen, die groß irgendwo hochgezogen wurden, überall Werbung machen und explizit gerne Reservierungen annehmen. Das haben sie nämlich auch nötig, denn die Herbergen, die sich direkt am Weg oder sogar am Ortseingang befinden, haben durch die Laufkundschaft meist gar keinen Bedarf an Werbung.

Rivadiso: Nur noch etwa 40 Kilometer bis Santiago

Dafür sind solche marketingstarken Herbergen meist auch wirklich schön und modern – so auch die Albergue Milpés, in der es sehr gute Sanitäranlagen und bequeme Betten gibt. Lediglich das Pilgermenü am Abend stellt sich mal wieder als klassischer Einheitsbrei heraus und das Abendessen besteht, oh Wunder, aus Spiegeleiern, extrem versalzenen Pimientos, Patatas und trockenem Eisbergsalat.

Es sind nur noch gut 40 Kilometer bis Santiago, in zwei Tagen werden wir also die langersehnte Kathedrale endlich erreichen – und ich kann es kaum erwarten, mich da so richtig mit leckerem Essen einzudecken. Die letzten zwei Tage werde ich vermutlich sowohl essenstechnisch als auch gesundheitlich überleben.

In unserem Schlafsaal werde ich mal wieder darin bestätigt, dass ich zu den meisten Amis irgendwie keinen richtigen Draht bekomme und mich deren Mentalität meist in den Wahnsinn treibt. Einer von ihnen fragt schon am Abend, ob wir schnarchen. Als wir verneinen, meint er nur stumpf „Oh, das ist natürlich doof für euch, ich schnarche nämlich ganz gewaltig“ – und beweist uns das in der Nacht eindrucksvoll mit einem Mixtape aus tierischen Geräuschen, die an einen ganzen Zoo aus Schweinen und Löwen erinnern.

Rivadiso nach O Pedrouzo: Kein Schlaf auf dem Jakobsweg

Sein Kumpel stellt derweil seinen dämlichen Wecker mit Countrymusik auf halb sechs, woraufhin uns in aller Frühe ein „On the road again… I can’t wait to be… on the road again“ aus den Federn reißt. Während wir drei nicht mehr einschlafen können, obwohl unser eigener Wecker eigentlich erst auf sieben Uhr stand, dreht sich die amerikanische Wandergruppe einfach wieder um und hatte ganz offensichtlich überhaupt nicht vor, so früh aufzustehen. Na danke.

Snaedis ist daraufhin so schlecht auf unsere Mitbewohner zu sprechen, dass es in ihr brodelt. Eigentlich habe ich sie als die Ruhe in Person kennengelernt und war mir sicher, dass es sehr, sehr viel brauchen würde, um sie zu verärgern. Nach der fehlenden Nachtruhe hat sie die Amerikaner aber tatsächlich noch mehr gefressen als ich – und da keiner von uns Bock hat, denen beim Frühstück nochmal zu begegnen, entscheiden wir uns dafür, erst ein paar Kilometer zu gehen und dann später in Arzúa zu frühstücken. Kommt mir auch ganz gelegen, denn das Abendessen fand ich so schrecklich, dass ich auf das Desayuno gut verzichten kann.

Jakobsweg: Wall of Wisdom in Galicien

Später auf dem Weg kommen wir an der Wall of Wisdom vorbei, an der auf Englisch und Spanisch viele Zitate und kleine Geschichten stehen, die zum Nachdenken anregen. Wie so oft bin ich mir nicht sicher, ob mich diese Gedanken aufmuntern sollen oder ich lieber tief frustriert sein soll, weil vieles doch eigentlich so einfach wäre, aber auf dieser Welt alles ganz, ganz anders läuft. Weil ich so viele dieser Sinnlosigkeiten und menschlicher Abartigkeiten nicht verstehe und sie doch so gern verstehen würde, um irgendetwas daran zu ändern.

Aber wer weiß, vielleicht kommt mir ja irgendwann noch die Erleuchtung. Oder die totale Resignation, weil ich mir eingestehen muss, dass man manche Dinge eben nicht ändern kann. Aber daran will ich jetzt noch nicht denken und bleibe lieber weiterhin ein Freigeist, der Antworten sucht und an das Gute im Menschen glaubt.

Der Jakobsweg von Rivadiso nach O Pedrouzo verteilt sich auf etwa 22 Kilometer und hält einige große Straßen in petto, die wir überqueren müssen. An manchen Stellen gibt es sogar extra Warnleuchten, die man selbst einschalten kann, bevor man einen Fuß auf den Asphalt setzt. Zum ersten Mal weiß ich zumindest so in etwa, was in Hapes Buch mit „gefährlichen Straßen“ gemeint war.

So ganz verstehe ich das nämlich nach wie vor nicht, denn zum ersten Mal, seit ich auf dem Camino Francés unterwegs bin, ist es etwas heikel und man muss genau gucken, bevor man losgeht. Immerhin sind hier dadurch aber mal alle beschäftigt genug, um mir keine Löcher bezüglich meiner Füße in den Bauch zu fragen. Mittlerweile antworte ich generell meist nur noch ganz knapp mit einem „I’m fine, thanks“, weil ich absolut gar keine Lust mehr auf Diskussionen bezüglich meines Schuhwerks habe.

Camino Francés: Horoskop lesen auf dem Jakobsweg

Irgendwo auf dem Weg kommen wir noch an einer sogenannten Pizzeria vorbei. „Sogenannt“, weil die Pizza zwar unglaublicherweise selbstgebacken ist, aber staubtrocken und nicht sonderlich lecker. Naja, nach meinen Tiefkühlpizza-Erfahrungen schockiert mich hier essenstechnisch sowieso gar nichts mehr. Während des Essens liest Antonio aus der Zeitung unsere Horoskope vor. Im Gegensatz zu mir scheint er wirklich ein bisschen an diesen Hokuspokus zu glauben – auf jeden Fall nimmt er es aber auch nicht sonderlich genau, denn als ihm seins nicht gefällt, kramt er grinsend nach einer anderen Zeitung und sucht so lange nach einem vielversprechenderen Horoskop, bis ihm eins zusagt.

Ausgerechnet das Horoskop der größten Skeptikerin (nämlich mir) klingt allerdings gruselig aktuell: „Es ist ganz normal, wenn Sie sich mal ein paar Tage erschöpft fühlen. Das geht wieder vorbei“ ist zwar total abgedroschen und passt wahrscheinlich irgendwie auf jeden, aber in meinem Fall trifft es gerade ausnahmsweise echt den Nagel auf den Kopf. Allerdings ist meine Erschöpfung weniger körperlich als seelisch bedingt. Mich nervt gerade alles und ich fühle mich gänzlich ausgelaugt. Dennoch mache ich gute Miene zum bösen Spiel und nehme mir vor, mich zumindest etwas zum Fröhlichsein zu zwingen.

Der Camino ist heute sehr eben und wir kommen ziemlich schnell voran, auch wenn der Schlamm weiterhin zwischen meinen Zehen blubbert. Nach drei Nächten, in denen es durchgeregnet hat, wurde die gesamte Landschaft vom Starkregen extrem durchweicht und man muss aufpassen, wo man hintritt – zumindest mit nackten Füßen! Andererseits habe ich mittlerweile auch echt Freude daran, wie ein kleines Kind mit Gummistiefeln durch die Pfützen und Matschkuhlen zu hüpfen. Wie war das? Fröhlichsein. Genau. Also Caro, zurück zur Bestform und einfach mal ein bisschen verrückt sein.

Flaschen über Flaschen: Biergarten auf dem Jakobsweg

Gesagt, getan. Wir kommen an einem „Biergarten“ vorbei, der seinem deutschen Namen alle Ehre macht. Der gesamte Garten ist über und über mit unzähligen leeren Flaschen dekoriert. Antonio meint grinsend, dass ich mir ja hier eigentlich auch eine Flasche kaufen müsste – und ist fast schon enttäuscht, als ich ihm erzähle, dass ich zu den wenigen Deutschen gehöre, die gar kein Bier mögen. Stattdessen machen wir ein paar lustige Fotos und ich posiere für ein paar richtig bekloppte Motive. Vielleicht bringt der Zunge-Flasche-Kontakt ja nicht nur Hepatitis, sondern auch Glück?! Ich mache heute mal alles getreu dem Motto „Klug war’s nicht, aber geil“ – und habe meinen Spaß, haha.

Irgendwie muss ich ja meinen Humor beibehalten, denn das fällt mir gerade echt schwer, wo der Camino neuerdings zur Partymeile verkommen ist. Manche Pilger skypen sogar vom Weg aus lautstark mit Freunden und Familie, präsentieren sich stolz mit ihren Wanderstöcken, jammern ein bisschen über ihr schweres Pilgerleben und diskutieren ausführlich den neusten Tratsch und die Gesundheitsprobleme der Tante zweiten Grades aus. Natürlich muss man dafür aber auch immer ganz doll schreien. Wer weiß, ob die das sonst da drüben in Amerika auch wirklich durch das Tablet hören. Kopfhörer? Braucht man auch nicht, kann ja ruhig jeder die Antwort mithören, man hat hier ja keine Geheimnisse.

Camino Francés: Frustration auf dem Jakobsweg

Seit Sarria stehen am Wegesrand immer häufiger Sprüche, die Pilger für die Nachwelt hinterlassen haben. Und die werden mit jedem Kilometer zynischer. Auch wenn ich manch einen resignierten Spruch neben dem Jakobsweg erst noch gemein fand, stimme ich den frustrierten Pilgern, die die Sprüche auf Steine und Mauern geschrieben haben, mittlerweile echt zu. „The camino stopped talking to me in Sarria“ und „You’re not a pilgrim if you started after Navarra“ sind nur einige Beispiele der Camino-Lyrik kurz vor Santiago de Compostela.

Auf den letzten Kilometern vor unserem großen Ziel wird die Dichte an Herbergen immer höher und der Schilderwald ist allmählich ganz schön verwirrend. Hier laufen nun nach und nach alle Jakobswege zusammen und das Pilgeraufkommen wird entsprechend höher. Eine der Herbergen hat sich sogar etwas ganz Tolles einfallen lassen, um auf sich aufmerksam zu machen: Das Marketing-Team hat einfach mal einen gesamten Rastplatz an den Wegesrand gebaut, der mit lauter Musik alle Blicke auf sich zieht und eine Hinweistafel beherbergt, auf der sich nicht nur die Wegbeschreibung befindet. Nein, über der Karte blinkt in Live-Übertragung tatsächlich auch noch die aktuell verfügbare Bettenzahl in einer Leuchtschrift über den Kasten.

O Pedrouzo: Schilderwald vor Santiago de Compostela

Heute bin ich wirklich sehr froh, dass Antonio uns am Vorabend schon eine Herberge reserviert hat, denn bei so viel Auswahl wäre ich wohl ziemlich überfordert. Wir landen also in der Albergue Rem, die nicht nur klein, schnuckelig und modern ist, sondern auch ein richtig tolles Dreibettzimmer für uns auf Lager hat. Viele Zimmer gibt es hier nicht und in dem Gemeinschaftsraum fühlt es sich fast ein bisschen an wie in einer WG.

Mein Bett und ich werden schnell beste Freunde, denn die drohende Periode macht sich so langsam bemerkbar und das prämenstruelle Syndrom schlägt einmal mehr auf meine Laune. Ich verkrieche mich unter meiner Decke, bin dankbar, dass sich meine Mitbewohner um das Abendessen kümmern, und bete inständig, dass mich diese verdammten Menstruationsschmerzen zumindest noch verschonen, bis ich am nächsten Mittag in Santiago angekommen bin.

Gespannt, wie es weitergeht? Hier findest du die allerletzte Etappe!

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