„Wir müssen uns unbedingt noch Deutschlands Süden angucken, bevor wir auf Weltreise gehen“ – die Idee war klar. Klar war aber auch, dass wir uns natürlich wieder mal nicht wirklich entscheiden konnten. Und wenn man mir sagt, dass wir am Rhein entlang nach Süden fahren, begibt man sich auf ganz schön dünnes Eis: Wie soll ich schließlich an der deutsch-französischen Grenze entlang quer durchs Elsass fahren, ohne einen Halt in Frankreich zu machen? Unmöglich. Musste auch Simon schnell einsehen.

„Aber Caro, wir wollten doch nach Süddeutschland. Und vielleicht noch nach Österreich und in die Schweiz. Wieso denn jetzt schon wieder Frankreich?“ – meine bessere Hälfte war von meinen Plänen nicht sonderlich angetan. Auch er mag unser französisches Nachbarland und hat dort als Kind regelmäßig die Ferien mit seiner Familie verbracht. Aber ja, er hatte ja recht. Eeeigentlich war der Plan dieses Mal ein anderer. Und trotzdem machte sich ein „Aber, aber, aber“ in meinem Kopf breit und wir einigten uns darauf, dass ich eine Woche planen durfte, er die andere. Also ging es nach unseren Ausflügen nach Koblenz und Speyer erst einmal ins Elsass.

Von Norden kommend, ließen wir den Rhein im wahrsten Sinne des Wortes links liegen: Die Weinstraße, die so grob zwischen Strasbourg und Mulhouse verläuft, wollten wir uns nicht entgehen lassen und fuhren bei strahlendem Sonnenschein durch endlose Weinberge hindurch.

Kurz vor Colmar wurde unserer Freude allerdings ein jähes Ende gesetzt, denn es fing an zu regnen und sah auch nicht so aus, als würde es in absehbarer Zeit wieder damit aufhören. Als wir an der Freiheitsstatue von Colmar vorbeikamen (Tatsache, eine echte Freiheitsstatue in Miniaturform, die mitten auf einem Kreisel steht), war die Laune allmählich echt auf dem Tiefpunkt – Regen im Urlaub ist eben nie so das Highlight.

Colmar: Willkommen im… Industriegebiet

Das Hotel unserer Wahl war das Comfort Hotel Expo Colmar, da es dort kostenlose Parkplätze und einen ebenfalls kostenlosen Fahrradverleih gab. Wie wir später herausfinden sollten, war das mit den Fahrrädern so eine Sache… Aber fürs Erste waren wir sowieso einfach nur froh, dass wir uns bei dem Mistwetter in unser hübsches Zimmer verziehen und dem Regen vom Bett aus zuschauen konnten…

Unser Hotel können wir übrigens sehr empfehlen: Trotz der unschönen Lage im Industriegebiet und der damit auch verbundenen Fahrtzeit in die Altstadt von Colmar, haben wir uns sehr wohlgefühlt. Bequemes Bett, hübsches Design, sehr freundliches Personal – und das alles zu einem wirklich günstigen Preis (wir haben über Booking.com gebucht und trotz Hauptsaison nur etwa 60 € pro Nacht gezahlt).

Colmar: Savoir-vivre inmitten von elsässischem Ambiente

Nachdem sich der Regen wieder verzogen hatte, machten wir uns mit unseren geliehenen Fahrrädern auf den Weg ins Zentrum von Colmar – und sahen aus wie der Affe auf dem Schleifstein, denn die Dinger waren so klein, dass wir uns fragten, ob das Hotel diese Räder wohl wirklich als Erwachsenenfahrräder gekauft oder irgendwo nach einem Verkehrssicherheitstraining einer Grundschule günstig erstanden hatte.

Fluchend kamen wir nach einigen Kilometern an, schlossen unsere Räder am Rande der Altstadt an und verwarfen unsere Fahrradtour-Pläne. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag entlang der Weinstraße fahren, aber naja. Auch egal. Die Wettervorhersage schien eh nicht sonderlich vielversprechend.

Ein bisschen recken und strecken, knacks – unsere Knochen, die nach unserer kurzen Fahrt mit dem Fahrrad ziemlich in Mitleidenschaft gezogen waren, wurden allmählich wieder lebendig und wir schlürten durch die Gassen von Colmar. Hach. Herrlich. Ich wusste sofort wieder, warum ich dieses süße, kleine Städtchen im Elsass unbedingt noch einmal mit Simon besuchen wollte. 2015 war ich für ein paar Stunden in Colmar auf dem Weihnachtsmarkt – und hatte mich direkt in die wunderschöne Architektur und dieses ganze besondere Flair verliebt.

Colmar: Food-Marathon im Elsass

An einem kleinen Straßenstand kauften wir einen Teil-Crêpe (das Präfix „Teil-“ gilt in unserem Leben für alles Essbare, das wir in weiser Voraussicht teilen, damit wir noch ganz viele andere Sachen essen können, haha) und ich war sofort im siebten Himmel: Crêpes sind einfach der perfekte Universal-Snack und es wird mir vermutlich niemals leicht fallen, dazu Nein zu sagen, wenn ich an einer entsprechenden Bude vorbeikomme. Ah doch: Als ich in Paris gewohnt habe, ging das erstaunlicherweise sehr gut.

Ich glaube, ich habe in dem halben Jahr maximal drei Crêpes gegessen – und am ersten Tag nach meiner Heimkehr nach Deutschland schon schlimmen Heißhunger drauf gehabt. Verrückt. Wie dem auch sei… Wir schlenderten weiter und erblickten mit dem Bistro Kamie einen hübschen Ort, an dem wir uns auf der Terrasse niederließen und Cocktails bestellten.

Du erwartest jetzt noch eine lustige Story oder ein paar ultimative Tipps? Leider muss ich dich dieses Mal enttäuschen. So gerne ich jetzt auch noch großartig was erzählen würde: Das Ende des Textes ist leider bereits näher als gedacht, denn unsere Reise nach Colmar ist sprichwörtlich ziemlich ins Wasser gefallen. Nachdem wir schon den ersten Nachmittag im Hotel saßen, haben wir auch am zweiten Tag kaum mehr zu sehen bekommen als ein kleines Einkaufszentrum im Nachbarort.

Colmar: Romantik pur in La Petite Venise

„La Petite Venise“, das kleine Venedig, ist wohl DIE Sehenswürdigkeit in Colmar – und war dementsprechend selbst bei weniger einladendem Wetter DAS Fotomotiv sämtlicher Touristen. Mit Selfie-Sticks und Profi-Kameras bewaffnet. Natürlich. Mit den kleinen Booten und den herrlichen Kanälen kann ich es aber wirklich niemandem übel nehmen, denn auch wenn uns die Sonne etwas im Stich gelassen hat, war die Aussicht von der Brücke schon echt ein Highlight. So romantisch, dass Simon und ich diesen wundervollen Moment ganz besonders auskosten mussten: „Ey Schatz?! Ich hab Hunger. Was essen wir?!“

Ja, so ist das eben. Mit knurrendem Magen geht absolut gar nichts, auch keine Romantik. Entlang dieser romantischen Atmosphäre in bester Lage gibt es – wie sollte es auch anders sein – leider nur teure Restaurants mit gehobener Küche wie das Le Quai 21. Nichts für uns also. Während wir am ersten Abend einen letzten Platz in einem kleinen Bistro ergattern konnten (davon gibt es in der ganzen Altstadt sooo viele) und uns traditionell mit Flammkuchen und Weißwein eingedeckt hatten, zog uns unsere kulinarische Spürnase dieses Mal ins Le Palmyre, wo es syrische und libanesische Spezialitäten gibt.

Generell fanden wir das Preisniveau in Colmar durchaus etwas höherpreisig – was man auch im Palmyre gemerkt hat, schließlich sind wir nach Paris ja verwöhnt, was libanesischen Spezialitäten angeht. Die vegetarische Mezze-Platte für 14 Euro war aber auf jeden Fall jeden einzelnen Cent wert und ich weiß schon ganz sicher, wo wir beim nächsten Mal hingehen werden, wenn wir mal wieder in Colmar sind.

 

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