Die Musik dröhnt aus dem Oberbayern. Rote Pferde, Cowboys und Indianer… sie alle sind versammelt und buhlen um Platz 1 der grausamsten Ballermann-Hits. Zwischen Rosenverkäufern, Junggesellenabschieden und Polizisten bahnen wir uns den Weg durch die Düsseldorfer Partymeile und nehmen uns fest vor: Den Alkoholpegel, den der ein oder andere hier schon vor 20 Uhr erreicht hat, schaffen wir auch noch. Gesagt, getan. Ein Logbuch.

Der Abend beginnt mit fettigen Pommes als Magengrundlage. Unser Vorsatz nämlich: Wir ziehen von Bar zu Bar und bestellen überall exakt dasselbe: einen Mojito. Quasi so als großer Bar-Vergleich, ist schließlich unser Lieblingscocktail. Und bei 300 Kneipen, Discos und Restaurants in der Düsseldorfer Alstadt schreit es förmlich nach einer fettigen Grundlage.

Es ist Tanz in den Mai und Simon stellt die alles entscheidende Quizfrage: Wie vielen Junggesellenabschiede werden wir an dem Abend wohl begegnen? Er tippt auf 10, ich schätze 13. Also alle wichtigen Fragen beim Erreichen der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee geklärt, kann losgehen.

Wir starten unseren großen Mojito-Test im Schweinske. Cocktail Happy Hour für 3,50 €. Wir sind der festen Überzeugung, dass Cocktails in einem Schnitzel-Laden vermutlich katastrophal schmecken und machen uns auf das Schlimmste gefasst. Das Schlimmste ereilt uns aber schon lange bevor wir das von uns anvisierte Getränk auf Herz und Nieren prüfen können: Es gibt eine ausgiebige Cocktail-Karte mit allem möglichen Scheiß – nur einen stinknormalen Mojito finden wir irgendwie nicht.

Na, das fängt ja gut an, haha. Die nächste Überraschung folgt kurz darauf: Unsere Ersatzcocktails sehen nicht nur richtig gut aus, sondern schmecken absolut geil. Nie wieder Vorurteile gegen Cocktails in Schnitzel-Restaurants!

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Mit dem Gedanken an spanische Chupiterías geht es weiter

Es ist kurz vor 21 Uhr. Wenn Deutschland selbst zum Ersten Mai nicht mit etwas besseren Temperaturen aufwarten kann, holen wir uns Spanien einfach gedanklich zu uns. Das Oberbayern mit Ballermann-Klängen unterstützt uns dabei sowieso schon ein wenig, wir ziehen aber lieber weiter ins Shooter Stars, wo man für 2 € einen von 300 verschiedenen Schnäpsen bekommt.

Was wo drin ist, wird auf der Getränketafel nicht verraten, ich fühle mich direkt wie in Salamanca, wo ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal in einer Chupitería stand und wir uns innerhalb von vier Wochen begeistert durch so ziemlich die gesamte Karte getrunken haben. Hier in Düsseldorf bestellen wir unter anderem Schnäpse mit kunstvollen Namen wie Titty Twister, Clochard oder Frigide Uschi. Die Stimmung ist noch nicht wirklich da – der Laden ist fast leer und die Barkeeper sitzen selbst an der Theke und warten auf ihren Schichtbeginn.

Problem: Wir hatten immer noch keinen Mojito.

Wir schauen nochmal am Anfang der Bolkerstraße vorbei. Irgendwo ist gerade immer Happy Hour. Alle Cocktails 6,90 €? Nee, nicht mit uns, das ist hier ja Wucher, haha! Wir landen in einer Bar mit dem Namen 24 – Twenty Four, wie unsere absolute Lieblingsfernsehserie*. Das schreit förmlich nach Qualität, denken wir uns, und werden nicht enttäuscht.

Mittlerweile ist es weit nach 22 Uhr, wir bezahlen 4,50 € pro Drink und sind überglücklich, dass diese grandiose Bar absolut alles richtig gemacht hat. Nach vielen Jahren Cocktail-Erfahrung wissen wir nämlich, wie viel man bei einem Mojito falsch machen kann. Und später am Abend werden wir auch noch feststellen müssen, dass manche Bars es scheinbar schaffen, all diese Todsünden auf einmal zu begehen…

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Angeheitert geht es auf Nahrungssuche, die geteilten Pommes gehen absolut nicht als Abendessen durch. Simon stellt noch vor 23 Uhr bereits schockiert fest, dass er kurz davor ist, unsere Wette zu verlieren. Neben uns hüpft gerade mal wieder ein Schwein mit Bauchladen vorbei, während ein paar Meter weiter eine Horde Mädels mit pinken Cowboy-Hüten lallend auf die künftige Braut anstößt.

Damit haben wir nun auch Junggesellenabschied Nummer 10 und 11 gefunden, nur noch einer… und ich hätte die Wette definitiv gewonnen! Im Noosou teilen wir uns extrem geile Udon-Nudeln mit Rindfleisch. Ja, wir teilen. Muss ja noch Platz sein, denn… wir brauchen jetzt erstmal ’ne Wurscht!

Sausalitos oder: Wie man einen Mojito NICHT macht!

Im Sausalitos beginnt um 23 Uhr die nächste Happy Hour – alle Jumbo Cocktails zum Preis eines normalen. Offenbar haben wir im Sausalitos noch nie einen Mojito getrunken, denn er ist echt schrecklich. Ein Jammer, wenn man bedenkt, dass wir uns schon so oft durch die eigentlich geilen Cocktail-Kreationen des Ladens getrunken haben.

Fehler #1: Seit wann macht man einen Mojito bitte mit Bacardi? Da gehört ein ordentlicher Havana Club rein! Der Rest des Cocktails kann den penetranten Geschmack leider auch nicht wieder wettmachen, denn Fehler #2 finde ich fast noch schrecklicher: Es. Gibt. Keinen. Rohrzucker. Wer hat sich denn sowas ausgedacht? Ich rühre mit unserem Strohhalm auf dem Glasboden rum, suche und suche… aber nein, nichts. Kein einziges Krümelchen Zucker.

Frustration.

Japs, wir sind wirklich etwas frustriert. Es ist fast Mitternacht und unsere große Mojito-Tour stellt sich als ziemlicher Flop raus. Glücklicherweise hat der letzte Drink so reingehauen, dass es uns egal ist, denn Spaß haben wir trotzdem. Simon schleppt mich in den Kuhstall, eine der vielen Discotheken in der Düsseldorfer Altstadt. Mit meinem neuen Hipster-Turnbeutel bin ich die coolste Kuh von allen (auch wenn ein Köln-Aufdruck in Düsseldorf natürlich eigentlich Todsünde ist) und wir werden direkt mal mit grüner Holi-Farbe beschmiert und unter dem Hashtag #kissenschlacht2016 mit so vielen Federn beworfen, dass ich Tage später noch Reste davon in sämtlichen Klamotten finde.

Alle feiern ausgelassen und es sieht nicht so aus, als würde es irgendjemand in naher Zukunft in Erwägung ziehen, mit dem Schlürfen von alkoholhaltigen Getränken per Riesenstrohhalm aus einem Maßkrug aufzuhören. Der DJ hat es voll drauf und obwohl es schrecklich voll und warm ist, tanzen wir noch eine ganze Weile wie die… Kühe.

Geil, hast du die Pizza gesehen?

Als wir uns um etwa halb 3 eigentlich schon auf den Heimweg machen wollen, kommt an uns ein Typ mit Pizza auf einem Pappteller vorbei. Simon und ich müssen uns nur angucken und schon ist klar: Die Quelle müssen wir ausfindig machen! Wir finden Sie in einer kleinen Manufaktur von Minipizzen: Colopic, nur zwei Straßen weiter.

Ich liebe Simon dafür, dass wir uns an der Selbstbedienungstheke ohne Diskussion einen riesigen Berg Knoblauch auf unsere Gemeinschaftspizza schütten, die gerade frisch aus dem Ofen gezogen wurde. Ist ja egal, stinken wir eben beide *grins*

Fazit des Abends:

Mit 14 gesichteten Junggesellenabschieden habe ich haushoch gewonnen, yes! Ansonsten sind wir dummerweise ziemlich blank und haben tatsächlich unser gesamtes Geld versoffen – ein Hoch auf die Bildungselite! Auf dem Heimweg Richtung Bahnstation suche ich verzweifelt einen Mülleimer für die Serviette, die ich noch mit mir rumschleppe. Ziemlich dämlich, denke ich mit einem Blick auf den Boden, den man zwischen dem ganzen Müll nur noch erahnen kann. Simon lacht mich schon aus für meinen guten Willen und ich muss mitlachen. Da fällt eine Serviette mehr oder weniger nun wirklich nicht auf.

Man soll ja gehen, wenn es am schönsten ist – daher verpassen wir leider die ganzen lustigen Aktionen, die später sicher noch stattfinden werden. Ich erinnere mich also grinsend an den Typen, den ich bei unserer letzten Party in Düsseldorf freundlich darauf hingewiesen habe, dass er sich zum Verzehr seines Döners zielsicher in einen Haufen Kotze gesetzt hatte. War ihm egal.

Altstadt Düsseldorf tagsüber

Am nächsten Tag

Als wir um Punkt 12 aus unserem Hotel auschecken, zieht es uns direkt wieder in die Altstadt. Müssen wir doch mal schauen, ob die das ganze Chaos schon beseitigt haben. Die Straßen sind kaum wiederzuerkennen: Alles glänzt im strahlenden Sonnenschein, Paare und Familien schlendern gut gelaunt durch die Gassen. Nichts erinnert mehr an die feuchtfröhliche Party, die hier bis vor einigen Stunden noch gefeiert wurde.

Wir gehen etwas Richtung Rhein und landen im Bistro Zicke. Die Altstadt ist perfekt für Nachtschwärmer ausgerichtet: Late-Frühstück bis 16 Uhr ist absolut kein Problem. Mit Rührei, frischem Brot und naturtrüber (love it!) Apfelschorle aus einem Weizenglas stärken wir uns für einen langen Spaziergang am Fluss entlang und quer durch die Stadt.

Bistro Zicke Latte Macchiato

Bistro Zicke Frühstück

Wir sind erstaunt, wie grün Düsseldorf ist. Simon ist ganz aus dem Häuschen, als er als ehemaliger Entenbesitzer frischgeschlüpfte Küken auf den vielen kleinen Gewässern paddeln sieht. Sind aber auch verdammt süß, die kleinen Racker! Wir setzen uns auf eine Bank und beobachten, was die ganzen Federviecher so machen. Ist echt spannender als jeder Hollywood Blockbuster, als eins von drei Küken von der Gruppe getrennt wird und sich von der einen Seite eine böse guckende Gans und von der anderen eine fiese Wasserratte nähert – ist aber alles gut gegangen, halleluja!

Später zieht es uns noch ins SpatzUp, wo es frisch zubereitete Spätzle aus ausschließlich Bio-Produkten gibt. Super lecker und definitiv die bessere Wahl im Vergleich zum Eisbecher, den wir bei den ersten Sonnenstrahlen eigentlich essen wollten. Nun ja. Die Idee hatten nicht nur wir und die Schlange vor dem Eiscafé war etwa so lang wie vor der Arche Noah.

Gesamtfazit: Düsseldorf bockt fett, die Altstadt verwandelt sich nachts wirklich in einen zweiten Ballermann und ist auch tagsüber ein super Ausflugsziel!

SpatzUp Düsseldorf

Düsseldorf Teich Baum

Düsseldorf Teich Baum pink

Düsseldorf Stadtgraben Königsallee

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