Ein ausgelassenes Fest bei brütender Hitze im Sommer? Eine weiße Schneelandschaft? Ganz egal, wo auf der Welt man nach dem Weihnachtsfest fragt – eine Sache ist immer die gleiche: Weihnachten wird mit der Familie und ganz vielen Köstlichkeiten gefeiert!

Es kommt mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich den 1. Advent in Köln verbracht habe. Aber ganz offensichtlich ist das schon wieder eine Woche her und ich kann dir bereits einen schönen 2. Advent wünschen. Meine Weihnachtsfrage führt heute wieder in vier Länder, in denen ich Antworten finden konnte: Venezuela, die Ukraine, Finnland und die USA.

Weihnachten in Venezuela

Leben à la carte: Weihnachten in Venezuela

Feliz Navidad mi querida! …schallt es mir von vielen Ecken zu! Die Stimmung ist herzlich, ausgelassen, es wird viel gefeiert, getanzt und die Gemeinschaft genossen. Weihnachten in Venezuela ist eine Zeit der Begegnung. Bei angenehmen Temperaturen bis 35°C auch gerne im glasklaren Pool. Wenn die Familien zusammenkommen, wird das Essen zelebriert. Es gibt Süßigkeiten aus Papaya, Schinkenbrot (Pan de Jámon) – doch die wichtigste Rolle nehmen die Hallacas ein. Das sind Teigtaschen aus Maismehl, unterschiedlich gefüllt mit Fleisch und Gemüse, fest eingewickelt in Bananenblätter. Die Vorbereitungen beziehen die gesamte Familie mit ein und die Herstellung dauert Tage. Es gehört zur Tradition, Hallacas zwischen den Familien zu tauschen.

Das Weihnachtsfieber hatte meine Gastfamilie gepackt und es wurde stolz dekoriert. Auf einmal leuchteten mich aus allen Ecken Weihnachtsfiguren an: von Duschvorhängen, Kissenbezügen, Besteck, Tellern, Lampenschirmen, doch im Fokus stand der Weihnachtsbaum. Funkelnd und strahlend mit quietschbunten Schmetterlingen, haufenweise Glitzer und Girlanden geschmückt, bildete er den Mittelpunkt des Hauses. Dort tanzten wir am 24.Dezember ausgelassen zu Salsa-ähnlicher Musik, der Gaita, die Nacht hindurch, bis in die frühen Morgenstunden. Am nächsten Morgen gingen wir gemeinsam in die Kirche zur Messe und erst am 25.Dezember gab es die Geschenke.

Weihnachten in Venezuela ist für mich herzlich, warm und offen in Erinnerung geblieben, mit all den frohen und lieben Menschen und ich bin dankbar, diesen Einblick in ihre Version des Weihnachtsfestes erlebt haben zu dürfen!

Über die Autorin:

Leben à la carte: Madeleine

Madeleine ist eine alte Schulfreundin von mir und arbeitet inzwischen als Krankenschwester. Ihr längster Auslandsaufenthalt war bereits 2010, als sie für ein Jahr in Venezuela war und dort auch ihre Reiseliebe entdeckt hat. Seit dem bereist sie neben ihrer Arbeit die Welt und nimmt Einblicke in ferne Kulturen.

Weihnachten in der Ukraine

Leben à la carte: Weihnachten in der Ukraine

(übersetzt aus dem Englischen)

In der Ukraine feiern wir Weihnachten orthodox am 7. Januar. Meistens ist das ein Familienfeiertag, an dem die meisten Menschen versuchen, ihre Eltern und Großeltern zu besuchen, was dann auf ein gemeinsames Essen am Abend des 6. Januar hinausläuft. Das Essen an sich muss beginnen, sobald der erste Stern am Himmel erscheint. Es ist Tradition, zwölf verschiedene fleischlose Gerichte auf dem Tisch zu haben – das ist sehr wichtig.

Das Hauptgericht ist sogenanntes “kutya”, ein speziell gekochtes Gericht aus Weizen, das meistens mit Mohn und Honig serviert wird. Kutya muss zuerst probiert werden, danach gibt es alle anderen Gerichte in beliebiger Reihenfolge. Das Hauptgetränk ist meistens “uzvar”, welches aus gekochten Trockenfrüchten hergestellt wird. Hauptelement auf dem Tisch ist das sogenannte “didikh” – ein Heubündel, das während der letzten Tage der Erntezeit gesammelt wurde.

Nach dem Abendessen gehen alle Kinder (meistens allerdings nur kleine Jungen) durch die Nachbarschaft und singen Weihnachtslieder. Die Menschen glauben, dass diese Lieder Glück bringen. Im westlichen Teil des Landes werden all diese Aktivitäten von traditionellen ukrainischen Kleidern und Musik begleitet, was sehr oft in großen Festen endet – insbesondere auf dem Land.

Über den Autor:

Leben à la carte: Sergey aus der Ukraine

Sergey ist ein Internet Marketer aus Kiew. Er wurde im Westen der Ukraine geboren, hat aber auch im Osten und im Zentrum des Landes gelebt, wodurch er das Weihnachtsfest bereits in vielen verschiedenen Regionen der Ukraine gefeiert hat.

Weihnachten in Finnland

Leben à la carte: Weihnachten in Finnland

Wie in in vielen Ländern, ist Weihnachten in Finnland das größte Fest des Jahres. Mitten in der dunkelsten Jahreszeit schmückt man das Haus und den Hof mit vielen Lichtern und Kerzen. In der Region, wo ich groß geworden bin, gibt es ca. 4 Stunden Tageslicht und in Lappland keinen Sonnenaufgang für ca. 6 Wochen. Auf eine weiße Weihnacht kann man hoffen, aber selbst in Finnland ist es heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Der Heilige Abend ist der wichtigste Tag – oder der Tag, an dem die Geschenke verteilt werden. Die Elemente, die bei den meisten Familien zum Ablauf des 24.12. gehören, sind Sauna, eine feierliche Mahlzeit und die Geschenke. In meiner Kindheit wurde der Weihnachtsbaum in der Früh am Heiligen Abend ins Wohnzimmer gebracht und während die Kinderprogramme in Fernseher liefen, haben wir Geschwister den Baum geschmückt. Am frühen Nachmittag gingen wir in die Sauna. Nach der Sauna kamen alle Weihnachtsleckereien auf dem Tisch: Schinken, verschiedene Gemüseaufläufe und Salate, Lachs und Hering.

Nach dem Essen, wenn es schon dunkel war, kamen irgendwann komische Geräusche von draußen. Der Weihnachtsmann suchte den Eingang. Er kam auch rein – durch die Tür. Wir Kinder haben ihm ein paar Lieder gesungen und er hat die Geschenke verteilt. Als es irgendwann keine Kinder mehr im Haus gab, sind die Geschenke bereits während des Tages unter dem Weihnachtsbaum erschienen. Der Kirch- und Friedhofsbesuch ist auch eine feste Weihnachtstradition. Jedoch erst am frühen Morgen am ersten Weihnachtstag. In meiner Gemeinde gibt es heute zwei Weihnachtsgottesdienste um 6 und um 8 Uhr morgens. Beide Male ist die Kirche voll und alle Plätze besetzt.

Über die Autorin:

Leben à la carte: Johanna aus Finnland

Johanna lebt seit 2010 mit ihrem Mann und ihren (bald) zwei Kindern als Selfmade-Expat im Ausland. Während ihrer Zeit in Deutschland haben wir uns angefreundet, mittlerweile ist die kleine Familie weiter nach Spanien gezogen. Johanna hat in Finnland Übersetzung und interkulturelle Kommunikation studiert und plant gerade einen Blog über ihr Familienleben im Ausland.

Weihnachten in den USA

Leben à la carte: Weihnachten in den USA

(übersetzt aus dem Englischen)

Wir sind gebürtig aus den USA, leben aber jetzt in Mexiko. Wir hatten Spaß daran, unsere Familientraditionen um Weihnachten herum wieder neu zu erstellen. Einige Herzstücke sind allerdings erhalten geblieben. Zum Beispiel fällen wir ganz klassisch einen echten Tannenbaum und platzieren ihn um den 1. Dezember herum in unserem Haus (normalerweise schon früher, um den 20. November herum). Wir packen Geschenke für die Kinder ein und legen sie unter den Baum. An Heiligabend öffnen wir manchmal schon ein Geschenk oder auch einen Strumpf.

Die Geschenke werden am Weihnachtstag geöffnet und wir essen besondere Gerichte – es gibt Snacks statt eines einzigen großen Festmahls. Das heißt, wir essen viele kleine Mahlzeiten, die wir normalerweise nicht haben, wie zum Beispiel Zimtschnecken, besonderes Brot oder Fondue. Außerdem schauen wir Filme oder machen Familienaktivitäten zusammen, puzzlen oder spielen Brettspiele. In den USA haben wir immer ein Iglu, einen Schneemann oder etwas Ähnliches gebaut, wenn es Schnee gab.

Über den Autor:

Leben à la carte: Die Kortman-Familie aus den USA

Paul arbeitet als Digitaler Nomade ortsunabhängig, hat 2014 mit seiner Frau den gesamten Besitz in den USA verkauft und ist mit ihr und den vier gemeinsamen Kindern erst einmal nach Mexiko gezogen. Die beiden unterrichten ihre Kinder zu Hause selbst und haben das Ziel, ihnen eine offene Weltanschauung beizubringen. Die Kortman-Familie bloggt auf Englisch auf Home Along The Way über ihre Reisen und hat mit Nomad Together eine Plattform für ortsunabhängige Eltern ins Leben gerufen.

Hast du schon mal Weihnachten im Ausland gefeiert?

Wenn ja, wo?

Hier findest du die anderen Artikel:

Wie feiert man eigentlich Weihnachten in…?

Chile, Polen, Australien, Luxemburg (Teil 1)

Italien, Honduras, Norwegen, Spanien (Teil 3)

Frankreich, Nepal, Neuseeland, Kroatien (Teil 4)

Dir hat der Artikel gefallen? Dann sei doch so nett und teile ihn 🙂

Merken

Merken

Merken

Merken

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen