Nachdem ich meine persönliche Pillen-Lovestory zu Papier gebracht hatte, sind zwei Dinge passiert. Erstens: Der Artikel hatte so viele Leser, dass er direkt auf Platz 1 in meinem „Best of“ stand. Zweitens: Mich haben unzählige Kommentare, Nachrichten und Fragen erreicht. Meistens ging es darum, dass ich gefragt wurde, ob natürliche Verhütung denn wirklich sicher ist. Einige wollten auch genauer wissen, wie NFP denn überhaupt funktioniert. Wenn du dich also näher mit dem Thema beschäftigen und zum Beispiel auch wissen möchtest, warum die Methode für mich insbesondere auf Reisen einfach unschlagbar ist: Hier bekommst du meine Antworten auf die meistgestellten Fragen!

Ich habe mich nach dem Absetzen der Pille stark verändert und bin nach sieben Jahren quasi zu meinem „normalen“ Wesen zurückgekehrt, was wohl der Hauptgrund dafür ist, dass ich mich mittlerweile zu den Pillengegnern zähle. Die Wirkstoffe sind nachweislich im Grundwasser vorhanden, die Pille wird schon jungen Mädchen als Allheilmittel verschrieben – ohne wirklich über mögliche Gefahren aufzuklären. Ein Großteil der Frauen im gebärfähigen Alter nimmt also dauerhaft Hormone und selbst wenn vielleicht nur ein geringer Anteil aus diesem Grund nicht wirklich Herrin ihrer Selbst ist, gibt es mir irgendwie zu denken.

Bevor ich meine Antworten zusammenfasse, möchte ich noch eine kurze Anmerkung machen: Es handelt sich hier ausschließlich um meine ganz eigenen Erfahrungen! Ich bin weder Gynäkologin noch sonst in irgendeiner Art und Weise versiert auf medizinischen Fachgebieten. Wenn du dich also entschließen solltest, der ganzen Sache mal eine Chance zu geben, sprich am besten erst mit deinem Frauenarzt.

Was ist NFP eigentlich?

NFP ist die Abkürzung für „Natürliche Familienplanung“. Ich weiß, der Name ist irgendwie nicht so genial gewählt – zumindest habe ich anfangs auch eher gedacht, das Ganze sei dafür da, um Kinder zu BEKOMMEN. Dem ist aber nicht (nur) so: Mit NFP kann einerseits verhütet, andererseits quasi der perfekte Zeitpunkt für die Befruchtung herausgefunden werden. Kurz gesagt: Du kannst eben planen, ob du jetzt ein Kind möchtest oder nicht.

Die Idee basiert auf der Tatsache, dass eine Frau pro Zyklus nur maximal 18 Stunden lang ein befruchtungsfähiges Ei in sich spazieren trägt und auch Spermien nicht länger als ein paar Tage überleben können. Das heißt im Umkehrschluss: Außerhalb dieser Zeitspanne von grob gesagt etwa sechs Tagen ist es unmöglich, schwanger zu werden – selbst ohne jegliche Verhütung. Ziel von NFP und dem Kennenlernen seines eigenes Körpers ist es, diese Zeitspanne möglichst exakt zu bestimmen. Je länger und routinierter man dabei ist, desto näher kommt man an das absolute Minimum von sechs Tagen, an denen zusätzlich verhüten werden muss, heran.

Bei NFP beobachtest du die Zeichen deines Körpers und kannst zuverlässig feststellen, ob du gerade fruchtbar bist oder nicht. Dafür misst du jeden Morgen noch vom Bett aus deine Körpertemperatur und notierst sie. Außerdem nimmst du deinen Zervixschleim unter die Lupe. Die Kombination aus Temperatur und Zervixschleim zeigt dir dann an, ab wann du unfruchtbar bist. Statt Zervixschleim kannst du auch deinen Muttermund beobachten – dazu kann ich allerdings nichts sagen, da ich mich für die schleimige Variante entschieden habe, haha.

Warum ist NFP „besser“ als herkömmliche Verhütungsmittel?

Ob es wirklich besser ist, musst du für dich allein entscheiden. Für mich kann ich aber ganz klar sagen, dass ich nie wieder etwas anderes ausprobieren würde und ich sicherlich auch schon viel früher auf NFP umgestiegen wäre, hätte ich vorher gewusst, wie genial es ist. Beziehungsweise: Hätte ich vorher überhaupt gewusst, dass eine solche Methode existiert und sicher ist.

Das Beste an natürlichen Verhütungsmethoden ist selbstverständlich, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind – wovon sollten die denn auch kommen? Du nimmst ja weder Tabletten, noch musst du dich irgendeinem Eingriff unterziehen. Außerdem entfällt das erhöhte Thrombose-Risiko, das die Pille ja bekanntlich mit sich bringen kann. Für mich persönlich der größte Vorteil: Ich habe meinen eigenen Körper viel besser kennengelernt, kann mich auf die einzelnen Zyklusphasen einstellen und die Kontrolle über mich selbst liegt ganz allein bei mir. Noch dazu kostet es (fast) nichts!

Ist NFP wirklich sicher? Das ist doch wie Russisches Roulette, oder?

Ja, es ist total sicher und nein, das hat mit Russischem Roulette rein gar nichts zu tun. Genauso wenig wie mit Hexenwerk oder Lebensmüdigkeit. NFP hat etwa den gleichen Pearl Index wie die Pille und gilt damit wissenschaftlich bewiesen als sicher – also nicht nur, weil ich das sage. Wir verhüten seit August 2014 mit dieser Methode und was soll ich sagen? Nein, immer noch kein Baby in Sicht.

Ich muss gestehen: Bis ich mich in NFP eingelesen habe, hatte ich eigentlich fast gar keine Ahnung davon, wie der weibliche Körper überhaupt funktioniert. Einmal pro Zyklus haben wir Frauen einen Eisprung und das Ei ist danach nur maximal 18 Stunden lang befruchtungsfähig. Mit der Kombination aus Körpertemperatur- und Zervixschleimbeobachtung lässt sich zuverlässig sagen, ob der Eisprung bereits gewesen ist.

Jetzt wirst du vielleicht fragen: „Ja, aber können Spermien nicht ziemlich lange überleben?“ – Ja, können sie, nämlich etwa bis zu fünf Tage. Genau aus diesem Grund giltst du ab dem sechsten Tag des neuen Zyklus auch vorsorglich schon als „fruchtbar“ und musst in dieser Zeit zusätzlich mit Kondomen verhüten. Da der Zyklus insbesondere nach dem Absetzen der Pille oder anderen hormonellen Verhütungsmitteln stark schwanken kann, musst du dich die ersten 12 Monate nach dem Absetzen schon ab dem ersten Tag des neuen Zyklus als potenziell „fruchtbar“ betrachten.

Was brauche ich, um sicher natürlich zu verhüten?

Wenn du dich einlesen möchtest, empfehle ich dir folgendes Buch: Natürlich & sicher – Das Praxisbuch: Familienplanung mit Sensiplan*. Das haben wir selbst auch benutzt und fanden super, dass alles bis ins kleinste Detail erklärt ist und viele Fallbeispiele aufgeführt sind. Im Internet gibt es zwar auch allerhand Material, ich persönlich bevorzuge bei solch wichtigen Fragen aber ein Nachschlagewerk für zu Hause – fühlt sich meiner Meinung nach „offizieller“ und wissenschaftlicher an. Ergo: Es gibt mir irgendwie das größere Gefühl von Sicherheit.

Ansonsten brauchst du ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen* und Kondome für deine fruchtbaren Tage. Die Messergebnisse kannst du entweder per Hand auf einem Zyklusblatt dokumentieren oder in eine passende App eintragen. Ich benutze dafür myNFP für 1,99 € / Monat. Dort kannst du übrigens auch alle „Regeln“ nachlesen, falls dir ein Buch weniger wichtig ist.

Wann kann ich mit NFP beginnen?

Du kannst mit jedem neuen Zyklus mit NFP beginnen. Dein Zyklus startet an dem Tag, an dem du deine Periode bekommst. In den ersten 12 Monaten nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmethoden gilt allerdings eine Sonderregel, die du unbedingt beachten solltest, da dein „neuer“ Zyklus (während du die Pille nimmst, hast du nämlich keinen!) eventuell recht unregelmäßig sein kann. Bei mir hatte sich das relativ schnell eingependelt, sodass ich mir schon nach etwa einem halben Jahr sicher war, diese Sonderregel außer Kraft setzen zu können.

Ist NFP für jede Frau geeignet?

Mir ist schon oft das Argument „dazu bin ich nicht diszipliniert genug“ begegnet. Aber jetzt mal ehrlich? Minimale Disziplin brauchst du ja auch, um die Pille jeden Tag zur gewohnten Zeit zu nehmen. Pack dir das Thermometer einfach direkt auf den Nachttisch oder neben das Kopfkissen, dann kannst du es nicht vergessen. Und trust me: Nach ein paar Wochen geht der erste Griff morgens ganz automatisch Richtung Thermometer.

Auch zur Beobachtung des Zervixschleims erfordert es keine besondere Disziplin, denn ich gehe mal stark davon aus, dass du sowieso mehrmals am Tag auf dem Klo sitzt und sicher auch kurz ein paar Sekunden Zeit hast, um dir das Toilettenpapier genauer anzuschauen oder schnell mal mit den Fingern zu testen.

Achso, sorry! Liebe Männer, falls ihr mitlest: Ich habe bewusst auf einen Sicherheitshinweis à la „Only for ladies, ihr könntet den Spaß hier unter Umständen als eklig empfinden“ zu Beginn dieses Artikels verzichtet. Liegt daran, dass ihr doch auch ruhig wissen könnt, was bei uns da unten eigentlich so vorgeht. Vor allem bin ich mir sicher, dass es gar keine so große Neuigkeit für euch ist, dass wir so etwas wie Zervixschleim besitzen, oder?

Was kostet es, mit NFP zu verhüten?

Prinzipiell nichts, denn laufende Kosten gibt es nicht. Du musst dir nur einmalig für ein paar Euro ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen* anschaffen. Und alle paar Monate mal eine neue Batterie. Im Internet kannst du alle Regeln nachlesen (zum Beispiel auf myNFP) und dir auch kostenlos ein Zyklusblatt downloaden. Ein passendes Buch zum Einlesen* sowie die App von myNFP sind kein Muss – die relativ geringe Investition aber sicher wert.

Fiel es dir am Anfang schwer, dich auf NFP zu verlassen?

Ja, das gebe ich zu. Vor ein paar Jahren hätte ich auch noch zu denen gehören können, die das Ganze als Hexenwerk verteufeln. Ein bisschen Fiebermessen und so? Das kann ja gar nicht funktionieren. Nachdem ich aber das gesamte NFP-Buch pedantisch genau einstudiert hatte, sah die Welt schon anders aus, denn die wissenschaftlichen Erklärungen hatten mich schnell überzeugt.

Trotzdem war es anfangs nicht so leicht, da ich mir oft unsicher war, ob ich wohl auch wirklich richtig gemessen oder vielleicht irgendetwas Wichtiges übersehen hatte. Simon war mir dabei eine große Hilfe und hatte immer Verständnis, wenn ich vorsichtshalber doch lieber erst noch zusätzlich mit Kondomen verhüten wollte – obwohl die Messergebnisse eigentlich eindeutig für „nicht fruchtbar“ plädierten.

Ist es nicht total kompliziert, auf Reisen zuverlässig die Temperatur zu messen?

Ganz im Gegenteil! Wenn ich zum Beispiel im Flugzeug oder im Nachtbus bin, kann ich direkt auf das Messen verzichten, das ich ja genau weiß, dass das Ergebnis sowieso verfälscht wäre. Stattdessen klammere ich den Tag einfach aus und messe am nächsten Tag wieder – überhaupt kein Problem. Im Grunde genommen ist NFP auf Reisen sogar deutlich komfortabler als die Pille, denn ich muss die Zeitverschiebung nicht mehr mit einrechnen. Gemessen wir einfach morgens nach dem Schlafen, ganz gleich, wie spät es gerade in Deutschland ist.

Für mich als leidenschaftliche Backpackerin ist das also optimal, denn das Thermometer passt problemblos in meine Kulturtasche und meine Messergebnisse habe ich immer in der App auf meinem Smartphone dabei. Keine festen Einnahmezeiten mehr. Keine Pillenschachtel, die ich mitnehmen muss. Keine lästigen Frauenarzt-Termine, um ein Rezept für die Pille zu bekommen. Jackpot!

Welche Körperzeichen zeigen dir, ob du gerade fruchtbar bist?

Mittlerweile kann ich die Schleim-Symptome schon deuten ohne sie genau zu überprüfen. Auch das Temperaturmessen ist eigentlich nur noch dafür da, um zu überprüfen, ob ich auch wirklich richtig lag – tat ich in den letzten Monaten aber immer. Das liegt daran, dass ich meinen Körper so gut kennengelernt habe, dass mir auch viele weitere Symptome zeigen, wie es gerade um meine Fruchtbarkeit bestellt ist. Und: Ich merke den Eisprung selbst mittlerweile sogar durch ein Ziehen im Bauch.

Kurz nach dem Eisprung ziehe ich mich eher etwas zurück und bin generell schneller reizbar. Außerdem nimmt meine Libido direkt ab (steigt dann aber sprungartig an, sobald meine Periode anklopft und damit der neue Zyklus beginnt). Simon beharrt sogar darauf, dass ich in der unfruchtbaren Phase anders rieche als während meiner fruchtbaren Tage. Hm, kann sein, davon kriege ich nichts mit, haha. Wie dem auch sei, nach über zwei Jahren NFP kann ich quasi aus dem Stand sagen, ob ich gerade fruchtbar bin oder nicht.

Gibt es auch Nachteile?

Gibt es. Ich habe aber für mich entschieden, dass die Vorteile definitiv überwiegen. Der erste Nachteil ist, dass ich wieder unglaublich schlimme Menstruationsschmerzen habe, die dank der Pille komplett verschwunden waren. Dazu kommen kleinere und größere Stimmungsschwankungen im Verlauf des Zyklus.

Zweiter Nachteil: Meine Libido ist (naja, macht ja auch Sinn) dann am höchsten, wenn ich fruchtbar bin – das heißt, dass zu dieser Zeit immer zusätzlich mit Kondomen verhütet werden muss. Und auch wenn Dr. Sommer und Co. mich dafür jetzt vermutlich hassen werden: Nein, mit Gummi ist es eben nicht das Gleiche! Aber gut, muss man eben kreativ werden oder zumindest auf besonders hochwertige und gefühlsechte Kondome* zurückgreifen.

 

Falls noch Fragen offengeblieben sein sollten: Ab damit in die Kommentare!

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