Wooow, das kam schneller als gedacht. Wie jedes Jahr in der Adventszeit: Auf einmal brennt schon die vierte Kerze und man fragt sich, wo die Zeit eigentlich hin ist. Dieses Jahr kommt mir das zwar etwas komisch vor (ich meine, hey, 4. Advent und trotzdem dauert es noch eine knappe Woche, bis das Christkind an die Tür klopft?!), aber es ist tatsächlich so.

Ein bisschen komisch ist es auch, weil Simon und ich seit ein paar Tagen konfessionslos sind und ich Weihnachten damit offiziell zum ersten Mal als Atheistin feiern werde. Da ich aber beim Unterschreiben der Kirchenaustrittserklärung nicht wie erwartet von einem Blitz getroffen wurde, freue ich mich jetzt also einfach schon mal auf Pute und Co. bei der lieben Verwandtschaft. Ich wünsche dir einen schönen (letzten) Adventssonntag! Heute geht es nach Frankreich, Nepal, Neuseeland und Kroatien.

Weihnachten in Frankreich

(übersetzt aus dem Englischen)

Wir leben im Elsass, im Osten von Frankreich, wodurch wir wohl deutsch-französische Traditionen teilen. Wir haben drei Feiertage, von Heiligabend bis zum Mittagessen am 26. Dezember – das nennen wir dann „Food Marathon“. Für uns ist es besonders wichtig, während dieser Tage Zeit mit unseren Familien zu verbringen, weshalb wir so lange wie möglich beieinander bleiben. Ab Mitte November, wenn in jeder Stadt und jedem Dorf die Weihnachtsmärkte aus dem Boden schießen, sind wir in Weihnachtsstimmung. Die Weihnachtsmärkte in Städten wie Straßburg und Colmar sind so berühmt geworden, dass Touristen aus der ganzen Welt zu Besuch kommen.

Wir glauben nicht, dass es so etwas wie ein typisches Weihnachtsessen noch gibt – vielleicht Truthahn. Jede Familie kocht das, was sie mag. Meistens ist es für die Familien auch eine gute Gelegenheit, zusammen zu kochen und gemeinsame Zeit zu verbringen. Aber wir würden sagen, dass die Bûche de Noël“ ein sehr beliebtes Dessert in ganz Frankreich ist und einige Leute machen sie sogar selbst. Von daher ist das Essen natürlich unglaublich wichtig in der Weihnachtszeit!

Die einzige Tradition, die wir pflegen, ist, dass wir uns an Heiligabend Geschenke schenken – zwischen dem Hauptgericht und dem Dessert. Manche Familien gehen vor Mitternacht in die Kirche, andere schauen sich die Mitternachtsmesse im Fernsehen an. Für die meisten Familien heutzutage ist es aber einfach nur wichtig, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen.

Über die Autoren:

Meryll und Solenne kommen aus dem Elsass und lieben das Reisen – vor allem das Entdecken von unberührten Landschaften, fremden Kulturen und einheimischen Köstlichkeiten. Die beiden befinden sich aktuell auf Weltreise, auf dem Plan stehen Asien und Ozeanien. Ihre Abenteuer kannst du (auf Französisch und Englisch) auf ihrem Blog Evasy verfolgen.

Weihnachten in Nepal

(übersetzt aus dem Englischen)

Nepal ist ein weltliches und landschaftlich reizvolles Land mit einer bemerkenswerten Toleranz gegenüber verschiedenen Religionen. Nach der Volkszählung 2011 sind 81,3% der Bevölkerung Hindus, 9% Buddhisten, 4,4% Muslime, 3% Kirats und 1,4% Christen. Da die Nepalesen an den Austausch von Kulturen glauben, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Menschen auch Feste feiern, die nicht zu ihrer Religion gehören. Weihnachten ist eins von diesen Festen. Zusammen mit den Christen feiern viele andere Menschen das Weihnachtsfest – unabhängig von ihrer Religion.

In den meisten Kirchen kommen die Menschen zusammen, beten und erzählen die Geschichte von Jesus. Manche tragen auch spezielle Weihnachtskleidung, schenken Freunden und Verwandten Geschenke und feiern die Geburt Jesu mit Liedern und Tänzen. Darüber hinaus werden mehrere Festivals und musikalische Veranstaltungen ausgetragen. Die Leute kochen kein spezielles Weihnachtsessen – allerdings bereiten sie besondere Gerichte wie Pizza und verschiedene Kuchen vor und essen Süßigkeiten.

Weihnachten ist in den städtischen Gegenden allmählich bekannt geworden. Manche Menschen feiern die Geburt und die Auferstehung Christi, andere feiern nur aus Solidarität zu ihren Freunden. Was auch immer der Grund sein mag: Weihnachten ist ein Fest, das Menschen zusammenbringt und der Gemeinschaft eine Möglichkeit bietet, in Toleranz und Einheit zu feiern.

Über die Autorin:

Sunita war dieses Jahr eine der Teilnehmerinnen beim ijgd-Workcamp, in dem ich als Deutschlehrerin gearbeitet habe. Sie wohnt in Kathmandu, arbeitet als Medien-Expertin für Radio und Fernsehen und interessiert sich besonders für den Erhalt von Kulturen und deren Austausch. Darüber hinaus war sie an der Erforschung der Newar, einer nepalesischen Ethnie, beteiligt.

Weihnachten in Neuseeland

Das Weihnachtsfest in Neuseeland ist vor allem von zwei wesentlichen Punkten geprägt und dadurch ganz anders als in Deutschland – und trotzdem irgendwie genauso! Erster Punkt: Neuseeland ist eine ehemalige englische Kolonie und hat daher praktisch alle englischen Weihnachtstraditionen übernommen. Die größten Feierlichkeiten finden am 25.12. statt und der 24.12. ist ein mehr oder weniger ganz normaler Tag. Es gibt aber einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen England und Neuseeland und damit kommen wir auch zum zweiten Punkt: Dezember bedeutet in Neuseeland Hochsommer. An die Stelle von Glühwein und Weihnachtsmarkt treten Barbecue und Pavlova und natürlich auch ein Bier am See oder Strand.

2014 war ich zu Weihnachten gerade nach Queenstown gezogen und habe das Fest mit meinen neuen neuseeländischen Mitbewohnern und ihren Freunden und Familien gefeiert! Weihnachtsstimmung ist bei mir nicht wirklich aufgekommen, da außer der Weihnachtsmannmütze auf den Köpfen eigentlich nichts an Weihnachten erinnerte: Chillen am Strand bei 30 Grad, Grillen, Jetski, Speedboat und Wakeboarding auf dem Lake Wakatipu. Kein traditionelles Weihnachten, aber am Ende doch wieder ganz wie in Deutschland! Auch ohne Schnee, Glühwein und Weihnachtsmarkt geht es doch am Weihnachtstag vor allem darum, Freunde und Familie zu treffen und sich einen schönen Tag im Kreise seiner Liebsten zu machen!

Über den Autor:

Jan hat nach seinem Abi und einer schulischen Ausbildung in der Hotellerie in Deutschland und Österreich, später dann als Reiseleiter in Spanien und Mexiko gearbeitet. Nach einer Backpacking-Reise durch Südamerika trifft man ihn als digitalen Nomaden hauptsächlich in Lateinamerika und Südostasien an. Auf EasyDeutsch gibt er Tipps zum Lernen der deutschen Sprache.

Weihnachten in Kroatien

Weihnachten ist in der kroatischen Kultur wohl das Fest überhaupt. Da wir ein christliches Völkchen sind, steht während des Dezemberfestes die Familie an erster Stelle. Das zeigt sich darin, dass schon am Heiligabend gemeinsam mit der engsten Familie zum Abendessen der Magen vollgeschlagen wird. Hierbei essen wir meistens kroatische Spezialitäten aus leckerem Brot, überzogen mit Sonnenblumenöl und Vegeta (Vegeta ist das Zeug, das du auf jedem kroatischen Essen findest). Dazu gibt es noch gebackene Kartoffeln und leckeres Bohnenpüree. Am 24. Dezember wird grundsätzlich gefastet und kein Fleisch gegessen.

Mir läuft gerade wieder das Wasser im Mund zusammen. Zum Glück ist nicht mehr lange bis Weihnachten. Nachdem wir uns alle vom Essen erholt haben und das leckere Mahl verdaut ist, werden die Geschenke ausgepackt. Ich weiß, dass man das normalerweise erst am Weihnachtstag macht, aber wir sind alle zu neugierig und ungeduldig, wir können es einfach nicht aushalten. Etwas später geht es zur Christmette (musste das Wort auf Deutsch zuerst googlen), um während der Mitternachtsmesse in das Weihnachtsfest reinzufeiern. Nach der Kirche geht es dann meistens zu anderen Freunden oder Verwandten, wo wieder festlich gegessen wird. Dieses Mal darf auch Fleisch gegessen werden, weil es technisch gesehen schon der erste Weihnachtstag ist.

Am 25. Dezember ist die Hauptspeise Sarma. Das ist eine Art Reis, Kartoffeln und Hackfleisch, eingerollt in Kohlblättern. Dazu gibt es noch weiteres saftiges Fleisch und andere leckere Spezialitäten. Wie du siehst, wird bei uns Kroaten während der Weihnachtszeit richtig viel gegessen. Von der enormen Auswahl an leckeren Kuchen, welcher mit warmer Milch verschlungen wird, habe ich nicht mal was erzählt. Weihnachten ist für uns das Fest der Familie und der Menschen, die in unserem Leben unverzichtbar sind. Ich freue mich darauf, diese wundervolle gemeinsame Zeit noch ganz oft im Leben feiern zu können. Genießt die gemeinsame Zeit – sie ist unbezahlbar. Sretan Božić!

Über den Autor:

Igor ist gebürtiger Kroate, hat aber den Großteil seines Lebens in der Schweiz verbracht. Auf seinem Blog 7 Kontinente schreibt er über das Reisen und den wahren Grund dafür: die Selbstfindung. Für ihn ist das Reisen der schönste Weg, zu sich selbst zu finden und die Welt in ihrer ganzen Schönheit zu entdecken. Gerne teilt er seine Erfahrungen und neue Weltansichten mit seinen Lesern.

Und du?

Wie feierst du dieses Jahr Weihnachten?

Hier findest du die anderen Artikel:

Wie feiert man eigentlich Weihnachten in…?

Chile, Polen, Australien, Luxemburg (Teil 1)

Venezuela, Ukraine, Finnland, USA (Teil 2)

Italien, Honduras, Norwegen, Spanien (Teil 3)

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