Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Huch, es ist schon wieder soweit: Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, Glühwein und Co. stehen an den Tresen bereit und die Städte beginnen zu funkeln. Dieses Jahr habe ich mir diese ganz besondere Zeit (ehrlich, ich mag den Dezember!) zum Anlass genommen, mal ein bisschen in der Welt herumzufragen. Was mich interessiert: Wie wird in anderen Kulturen eigentlich Weihnachten gefeiert?

Ich wünsche dir und deinen Lieben eine schöne, besinnliche (und was immer du sonst noch gern hättest) Adventszeit und trage dazu mit einer meiner Meinung nach wirklich spannenden Artikelreihe bei. An jedem Adventssonntag verrate ich dir hier auf dem Blog etwas über das Weihnachtsfest in anderen Ländern. Den Start machen heute Chile, Polen, Australien und Luxemburg.

Weihnachten in Chile

Leben à la carte: Weihnachten in Chile

(übersetzt aus dem Spanischen)

“Leben, um zu essen” ist der Satz, der den Weihnachtsgeist in Chile am besten zusammenfasst. Es ist die Zeit, Geschenke zu kaufen, sich darauf vorzubereiten, die Familie zu sehen, neue Kleidung zum ersten Mal anzuziehen… aber vor allem ist es die Zeit, massenhaft Festessen für das Dinner an Heiligabend zu kochen.

Abends am 24. ist es Tradition, dass die Familien um das Essen herum feiern. Truthahn, Hähnchen oder Fleischspeisen sind die Hauptdarsteller des Weihnachtsessens und werden immer begleitet von Kartoffeln in irgendeiner Variante: Herzoginnen-Art (gebackene Kartoffelkugeln), gebraten oder in Form von Salat mit Mayonnaise. Der dem zukommende Aufwand unterscheidet sich von Familie zu Familie, aber die goldene Regel ist immer gleich: Essen im Überfluss. Damit auch viel für den nächsten Tag übrig bleibt.

Das traditionelle Getränk zu dieser Zeit ist “cola de mono” (übersetzt Affenschwanz), auf der Basis von Kaffee und einem typischen Traubenschnaps aus Chile. Man serviert es sehr kalt, denn auf diesem Teil des Planeten feiert man Weihnachten im Sommer und macht mit dem Trinken bis Neujahr weiter. Der Nachtisch variiert, aber recht typisch sind Pfirsiche mit Sahne. Und natürlich isst man auch das traditionelle süße Brot mit Früchten, das es auf der ganzen Welt gibt und hier als “pan de pascua” (übersetzt Osterbrot) bekannt ist.

Im Gegensatz zu anderen Ländern werden in Chile die Geschenke noch in derselben Nacht geöffnet, sobald Mitternacht ist. Es ist üblich, den Kindern dabei zuzusehen, wie sie im Morgengrauen Fahrräder oder Rollschuhe einweihen – mit dem Lächeln von jemandem, der einen besonderen Traum erfüllt bekommen hat. Es ist eine der besten Sommernächte des Jahres!

Über die Autorin:

luisa_chile_lebenalacarte

Luisa ist eine chilenische Journalistin und süchtig nach gutem Essen und Stränden. Sie reist als digitale Nomadin dem Sommer hinterher und liebt das Schreiben und Poesie. Auf ihrem Blog Gozando Estoy schreibt sie auf Spanisch und Englisch über ihr Leben und ihre Reisen.

Weihnachten in Polen

Leben à la carte: Weihnachten in Polen

Wir Polen lieben unsere Traditionen. Heiligabend steht bei den meisten neben dem Osterfest ganz oben auf der Liste. Wir starten den Tag gemeinsam. An diesem Tag ist Ruhe und Besinnlichkeit gewünscht, was jedoch bei einer lauten und temperamentvollen Familie wie meiner schwer ist. Nach dem Frühstück beginnen die Kinder (das sind meine zwei Schwestern und ich) damit, den Weihnachtsbaum zu schmücken, nachdem Papa diesen am Abend zuvor aufgestellt hat.

Die Eltern kochen. Ruhe leidet, wenn wir Mariah Careys Weihnachts-CD aufdrehen und alle mitsingen. Ich decke anschließend den Tisch auf dem auch immer eine Kerze, ein Kreuz und ein Teller mit Brot und Salz stehen. Immer einen Teller mehr eindecken für jemanden, der eventuell klingelt und Hunger hat. Und dann ist es schon Abend. Das Licht wird ausgeschaltet und lediglich Kerzen erhellen den Raum. Wir teilen zunächst gesegnete Oblaten und wünschen uns gegenseitig etwas für das neue Jahr.

Dann spricht Mama das Gebet und Żur (traditionelle Sauermehlsuppe an Weihnachten mit getrockneten Pilzen und Kartoffeln) wird verteilt. Der Hauptgang ist Karpfen (früher zuvor noch selbst geschlachtet) mit Kartoffeln und Sauerkraut. Als Nachtisch gibt es Makówki (eine Mohnsüßspeise). Das Schlussgebet spricht Mama erneut und es geht zur Bescherung. Diese fällt immer üppig aus, weil wir alle so gerne verschenken. Einer sucht ein Geschenk aus, gibt es weiter und alle schauen staunend unter Begleitung von Ohhhs und Ahhhs beim Auspacken zu. Besuch kommt auch sehr oft noch vorbei. Weihnachten ist für mich ein Fest der Familie und ich hoffe, dass unsere Familientraditionen immer weitergegeben werden.

Über die Autorin:

Leben à la carte: Alex von Meine Umwege

Alex ist Mitte 30 und vor wenigen Tagen auf Weltreise aufgebrochen. Erster Stop: Bangkok! Du kannst sie auf ihrem Blog Meine Umwege auf der Reise begleiten. Dieses Jahr wird Alex Weihnachten zum ersten Mal in ihrem Leben ohne ihre Familie feiern.

Weihnachten in Australien

Leben à la carte: Weihnachten in Australien

(übersetzt aus dem Englischen)

Weihnachten beginnt für viele Australier mit Champagner und dem Öffnen der Geschenke, gefolgt von einer kleinen Mahlzeit wie „White Christmas“ (Riegel aus Frühstücksflocken und getrockneten Früchten), Rumkugeln, Shortbread, Kokosnusseis und dem ein oder anderen Drink bis zum Mittag- oder Abendessen – je nachdem, welches die Hauptmahlzeit des Tages ist. Es gibt Truthahn, Schwein, Schinken, Rind oder Lamm und der Tisch ist mit allen möglichen Beilagen ausgestattet, dazu eine Menge Bier und Wein. Meeresfrüchte sind ebenfalls ein großer Teil unseres Weihnachtsessens, vor allem Garnelen und Austern.

Süßigkeiten sind immer zu finden und wir alle lieben es, Papierkronen zu tragen und uns schlechte Witze zu erzählen. Das Dessert ist Australiens eigene Erfindung: „trifle“, eine Schichtung aus Biskuitkuchen, Götterspeise, Früchten, Sahne und Pudding. Außerdem tritt Plumpudding mit Brandy-Sauce recht oft in Erscheinung. Da Australien die größte Insel der Welt ist, ist der Strand nie zu weit entfernt und Schwimmen an Weihnachten ist eine tolle Möglichkeit, um gegen die Sommerhitze anzukämpfen – und die perfekte Gelegenheit für die Kinder, ihre neuen Spielsachen auszuprobieren!

Über den Autor:

Leben à la carte: Dan aus Australien

Dan ist Architekt und lebt mit seiner Frau Mel und den zwei Kindern an der Sunshine Coast in Australien. Das Paar liebt es, um die Welt zu reisen und hat Weihnachten schon zwei Mal im Ausland gefeiert: 2008 in Vietnam und 2011 im Flugzeug von England nach Australien – Festessen inklusive! Ich hatte das Glück, 2012 bei den beiden als Couchsurferin zu Gast sein zu dürfen und hoffe, die kleine Familie bald wiederzusehen (und endlich die Kids kennenzulernen).

Weihnachten in Luxemburg

Leben à la carte: Weihnachten in Luxemburg

Bei meiner Familie in Luxemburg ist es normalerweise immer ganz wichtig, dass die ganze Familie zusammen ist, besonders am 24. und 25. Was Weihnachtsgeschenke angeht, fangen wir bei uns in der Familie schon im September an, die ersten Geschenke zu kaufen. Unser Weihnachtsbaum ist immer riesig, so dass er manchmal sogar etwas gekürzt werden muss. Außerdem haben wir auch immer eine Krippe aus Holz daneben stehen. Am 24. stehen alle so früh wie möglich auf, damit man sich um alles kümmern kann und eventuell noch schnell die letzten Einkäufe erledigen kann – falls man von der meterlangen Einkaufsliste am Tag davor was vergessen hat. Dann, wenn alles soweit vorbereitet ist, machen sich alle fertig, gehen duschen, ziehen sich schön an.

So gegen acht Uhr abends werden die ganzen Geschenke unter dem Baum verteilt, Kerzen angezündet und Weihnachtsmusik aufgelegt. Dann verlassen nochmal alle das Wohnzimmer und wir betreten alle gemeinsam den kerzenbeleuchteten Raum. Anschließend stoßen alle mit einem Glas Sekt an, wünschen sich fröhliche Weihnachten und dann singen wir ein paar Weihnachtslieder. Jedes Jahr nehmen wir uns vor, die Texte ganz zu lernen aber irgendwann geht es immer dazu über, dass nur noch meine Mutter singt und meine Schwestern und ich nur die Lippen bewegen und ab und zu ein Wort einwerfen.

Dann geht es ans Geschenkeauspacken. Das Zimmer sieht danach immer aus, als wäre eine Geschenkpapier-Bombe explodiert. Unsere Hunde bekommen auch immer alle einen Weihnachtsknochen und unsere Pferde ein extra vorbereitetes Weihnachtsessen. Dann beginnen wir mit dem Essen – meistens super spät, so um zehn Uhr abends. Es gibt entweder Fondue oder Raclette, das ist Tradition bei uns. Am 24. Raclette und am 25. Fondue – oder umgekehrt. Als Nachtisch gibt es immer eine ganze Menge: Tiramisu, eine „bûche de noël“ (ein typischer Weihnachtskuchen in Luxemburg) und dann noch Plätzchen – falls noch welche übrig sind.

So gegen Mitternacht rollen sich alle ins Bett. Am nächsten Vormittag gibt es dann einen riesigen Brunch, an dem alle im Schlafanzug teilnehmen. Typischerweise essen die Luxemburger am 25. ein großes Mittagessen mit der ganzen Familie, aber bei uns wird dann erst am Abend wieder gemeinsam gegessen.

Über die Autorin:

kris_luxemburg_lebenalacarte

Kris ist 28 Jahre alt und arbeitet als Holistic Health Coach. Ihr Mann kommt aus Kap Verde, die beiden leben momentan gemeinsam in Lissabon. Sie liebt den Wechsel der Jahreszeiten, hat mit dem Reiten etwa zur gleichen Zeit wie mit dem Laufen begonnen und kocht gerne vegan.

Wo würdest du gerne einmal Weihnachten feiern?

Hier findest du die anderen Artikel:

Wie feiert man eigentlich Weihnachten in…?

Venezuela, Ukraine, Finnland, USA (Teil 2)

Italien, Honduras, Norwegen, Spanien (Teil 3)

Frankreich, Nepal, Neuseeland, Kroatien (Teil 4)

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