Kommt es mir eigentlich nur so vor oder ist das Nordseebad Dangast diesen Sommer zum Trend-Ziel für Kurzreisen geworden? Vielleicht ist es mir auch sonst einfach nie aufgefallen, aber 2016 war es echt extrem: Facebook präsentierte mir in schönen regelmäßigen Abständen Fotos meiner Freunde, Bekannten, Kollegen in… Dangast. Wird der kleine Ort an der Nordsee jetzt etwa zum neuen Sylt? Für mich wird er auf jeden Fall immer eins bleiben: ein Stück Kindheit.

Es war Anfang Juli, als ich in der Uni saß und darüber nachdachte, dass ich in den kommenden letzten beiden Semesterwochen noch ziemlich viel Prüfungsstress vor mir hatte. Eigentlich konnte ich es mir absolut nicht erlauben, Zeit zu verschwenden. Meine Bachelorarbeit musste in fünf Tagen abgegeben werden und ich hatte zwar einen Berg Notizen, aber nicht einen einzigen fertigen Satz auf dem Papier. Aber wäre es denn jetzt Zeitverschwendung, was Schönes zu unternehmen? Ich schrieb Simon eine Nachricht:

Konversation bei WhatsApp: Screenshot

 

Auf dem Weg ans Meer

Doppel-Check, es konnte also losgehen. Um kurz nach halb fünf saßen wir also mit unserer Selfmade-Minibar in Form eines Picknickkorbs im Auto, steuerten die Autobahn Richtung Norden an und öffneten die erste eiskalte Fritz-Limo. Ach ja: Wo wollten wir denn überhaupt hin? Die Ostsee fiel aufgrund der Entfernung sowieso raus. Mein erster Gedanke: Dangast.

Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, philosophierten über unser Leben – wie wir es bei langen Autofahrten immer tun. Über 200 Kilometer und zwei Stunden später näherten wir uns dem Ziel. Handy aus dem Autofenster gehalten, schnell ein Foto geknipst und in unsere Familien-WhatsApp-Gruppe gepostet.

Dangast ist in meiner Familie wohl so etwas wie Mekka für andere: Dauerstellplätze und Wohnwagen-Ferien – das Nordseebad war jahrzehntelang DAS Pilgerziel der gesamten mütterlichen Verwandtschaft. Inklusive aller Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Ich gehöre quasi der vierten Dangast-Generation an.

Verkehrsschild mit der Aufschrift: Dangast 6 km

Kindheitserinnerungen – was hat sich verändert?

Es war klar, wohin uns unser Weg zuerst führen würde: an den Hafen. Die Straße vom Ortskern zum Hafen führt vom einzigen Supermarkt des kleinen Kurortes bis zur Anlegestelle der Etta von Dangast. Das alte rot-weiße Boot nimmt nach wie vor Interessierte mit auf eine Rundfahrt durch den Jadebusen.

Der Minigolf-Platz auf dem Weg zur Etta hat definitiv schon bessere Tage erlebt und erinnert mittlerweile eher an Tarzans Dschungel. Meine Hoffnung auf das gute alte Softeis, das es dort immer gab, wurde auch jäh zerstört. Weg. Einfach weg. Schon irgendwie traurig. Ich meine, klar, es war auch nur doofes Softeis, aber irgendwie werde ich immer etwas sentimental, wenn Kindheitserinnerungen nicht mehr mit der aktuellen Realität übereinstimmen.

Geschlossene Fischbude am Hafen

Während ich nach dem damaligen Pulen und Verspeisen ganzer Krabben-Kolonien irgendwie keine Meerestiere mehr mag, hat sich eine Vorliebe nicht geändert: Fischbrötchen. Und die besten gibt es am Fischturm im Hafen – für den wir natürlich aber auch zu spät waren. Wir standen also vor der verschlossenen Leuchtturm-Miniatur, warfen noch schnell einen Blick auf Good Old Etta und schlenderten zurück Richtung Strand.

Der verhältnismäßig neue Imbiss „Satt am Watt“ konnte das Hafen-Feeling zwar nicht ersetzen, geschmacklich waren wir trotzdem überzeugt. Simon bestellte eine ganze Fischplatte, ich blieb bei meinem Frischfrikadellen-Brötchen. Wie bei jedem Dangast-Besuch seit gut zwanzig Jahren.

Fischfrikadelle mit viel Remoulade in Brötchen

Was kann man in Dangast denn eigentlich machen?

Naja, Adrenalin gibt es hier eher nicht. Die Landschaft in der Region um Varel bietet sich super für lange Spaziergänge oder Radtouren an – ansonsten hört es aber auch auf. Wer Action sucht, ist in Dangast sicher ganz, ganz falsch. Das Kurhaus, die beiden direkt am Strand gelegenen Campingplätze, Wattwanderungen, das Schwimmbad und viiiel Stille ziehen eher ältere Urlauber und Familien mit kleinen Kindern an.

Trotzdem passt sich der kleine Ort den aktuellen Trends an. Die Beach Bar „Sonnendeck“ bleibt beim vertrauten „Moin“ – kombiniert mit all den Hipster-Eigenschaften, die so eine moderne Strandbar eben braucht: leicht windschief gezimmerte Holzmöbel, Werbetafeln von Fritz Kola, Lounge-Musik und ein paar abgefahrene Getränke-Kreationen zu ganz schön saftigen Preisen. Wir wurden also nahezu magisch von dem einzigen Fleck angezogen, der nach 19 Uhr zumindest noch minimal belebt ist und offenbar auch bei den Einheimischen zum Szene-Treff geworden ist.

Strandbar mit Palmen in Dangast an der Nordseeküste

Warten auf den Sonnenuntergang

Das Wattenmeer bei Ebbe ist sicher nicht mein All-Time-Favourite, wenn es um die perfekte Aussicht geht. Trotzdem hat es was, mit einem Cocktail in der Hand – eingekuschelt in einen dicken Pullover und in Simons Arme – auf einer Holzbank auf den Sonnenuntergang zu warten.

Während meine Füße im kalten Sand steckten, dachte ich darüber nach, dass es eigentlich ziemlich bescheuert war, für etwa zwei Stunden bis hoch an die Nordsee zu fahren. Ja, vielleicht war es das. Vielleicht war aber auch genau jetzt die Zeit dafür, einfach nur den Moment zu genießen. Nur wir, unsere Cocktails und der Sonnenuntergang.

Zwei bunte Cocktails, im Hintergrund der Strand von Dangast und das Wattenmeer

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