Ein Spaziergang entlang der Seine, Picknick am Fuße des Eiffelturms, Vorglühen mit Blick auf den Tour Montparnasse, die ersten Sonnenstrahlen des Jahres auf den Treppen vor der Sacré-Cœur genießen… Das halbe Jahr, das ich in Paris verbringen durfte, gehört definitiv zu den besten Dingen, die ich in meinem Leben bisher gemacht habe! Höchste Zeit also, um einige meiner absoluten Lieblingsorte festzuhalten. Dabei geht es gar nicht unbedingt um die „Must Sees“, sondern vielmehr um die Orte, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind und einfach Magie ausstrahlen!

„I will never forget you,

You’ll always be my side

From the day that I met you,

I knew that I will love you till the day I die“

(Zara Larsson)

So oder so ähnlich lässt sich mein Verhältnis zu Paris wohl am besten zusammenfassen. 2013 war ich zum ersten Mal in der französischen Hauptstadt und sofort angefixt. 2014 ging es über Silvester erneut Richtung Île-de-France – kurz nachdem ich meine Bewerbung für die Assistenzzeit in Frankreich eingereicht hatte. Da wusste ich also noch längst nicht, dass ich einige Monate später wirklich meine Koffer packen und nach Paris ziehen würde.

In den sechs Monaten sind mir die Franzosen, das bunte Treiben in den Straßen, die unfassbar romantische Architektur, das gute internationale Essen und vor allem das unbeschreibliche Lebensgefühl so sehr ans Herz gewachsen, dass ich Paris fast schon als Heimat ansehe. Als ich nach meinem Deutschlandbesuch über Weihnachten und Neujahr am frühen Morgen wieder bei Porte Maillot aus dem Bus gestiegen bin, war der erste Gedanke: Zu Hause weggefahren, zu Hause angekommen!

La Dame de Fer: Die schönste Skyline ever!

Jaaa, was soll ich sagen. Ich weiß, das ist jetzt ziemlich klischeehaft. Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Es ist nahezu unmöglich, sich nicht in die Skyline von Paris zu verlieben. Vermutlich ist in Frankreich nichts symbolträchtiger als der Eiffelturm, denn er ist nicht einfach nur irgendein Bauwerk, das da halt so rumsteht. Er ist DAS Postkartenmotiv, das nicht nur für Paris, sondern für ganz Frankreich steht und mit dem (absolut gerechtfertigt!) meist viel mehr verbunden wird: Romantik, Liebe, Haute Cuisine, Lebensfreude – Paris eben, Frankreichs Zentrum.

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Schwer zu sagen, wie mir die Dame de Fer (Eiserne Lady) besser gefällt: Von weitem, wenn sie sich fast schon unauffällig in das Stadtbild einfügt? Von unten, wenn einem erstmals bewusst wird, wie viel 10.000 Tonnen Eisen in der Praxis sind? Eigentlich ist es auch egal. Für mich kann ich nur sagen, dass ich bei meinem ersten Parisbesuch wie ein kleines Kind in die Hände geklatscht und mich gefreut habe, eeendlich da zu sein. Und… Nun ja. Seien wir mal ehrlich…

Nach sechs Monaten mit Madame Eiffel bin ich immer noch genauso aus dem Häuschen, sobald auch nur irgendwo die Spitze herauslugt. Meine Favoriten, um kostenlos einen Blick von weitem zu erhaschen: Die Dachterrasse der Galeries Lafayette (unbedingt besuchen, ein architektonisches Meisterwerk, auch wenn du eventuell deine Kreditkarte zum Weinen bringen könntest) und, ganz klassisch, die Jardins du Trocadéro.

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Endlose Spaziergänge an der Seine

Erst der Eiffelturm, dann die Seine. Solltest du hier auf 100% Insider-Tipps gehofft haben, die noch nie, nie, nie irgendjemand verfasst hat, muss ich dich leider enttäuschen. Es kommen zwar noch welche, aber meiner Meinung nach sind viele Highlights einfach die, die schon allgemein bekannt sind. Und das nicht ohne Grund, haha.

Die Seine verläuft quer durch Paris und wenn du genug Zeit hast, solltest du auf jeden Fall einen ausgiebigen Spaziergang von der Île Saint-Louis bis zum Eiffelturm machen – das sind etwa sechs Kilometer und unterwegs gibt es neben traumhafter Architektur noch einiges zu sehen. Nachdem ich die Stadt zu allen Jahres- und Tageszeiten unter die Lupe genommen habe, muss ich übrigens sagen, dass mein Favorit ganz klar ein frischer Herbstabend ist, wenn die Straßenlaternen die sowieso schon unglaublichen Häuserfassaden in ein schummriges Licht hüllen und das rotbraune Laub für ein spektakuläres und unbeschreiblich romantisches Flair sorgt.

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Auf der Île de la Cité erwartet dich die Kathedrale Notre-Dame und obwohl ich Kirchenbesichtigungen eigentlich ähnlich spannend finde wie Kunstmuseen (nämlich gar nicht!), schaue ich immer wieder gern in dem gotischen Meisterwerk vorbei. Und das liegt an… naja, reden wir nicht lange drumherum: Disney! Ich liebe den Glöckner von Notre-Dame und laaange bevor ich Victor Hugo kannte, saß ich regelmäßig vor dem Fernseher und habe mir die Geschichte von Quasimodo und Esmeralda wieder und wieder angeschaut. Und es gibt nichts Zuverlässigeres als einen Besuch in der Notre-Dame, um sich unmittelbar in den Film zu befördern: Ein paar Schritte durch das Kirchenschiff, ein Blick auf die atemberaubenden Fenster und vor meinem inneren Auge schreitet Esmeralda anmutig durch die leeren Gänge und singt mit Gänsehaut-Stimme zu Gott.

Mein nächstes Highlight entlang der Seine ist die Pont Alexandre III – so ziemlich die schönste Brücke, die ich bisher zu Gesicht bekommen habe. Unterhalb der Brücke befindet sich übrigens eine sehr empfehlenswerte Bar (so, jetzt bekommst du deinen ersten Insidertipp, hehe). Das Rosa Bonheur sur Seine ist ein Hausboot, auf dem täglich wechselnde Musik gespielt und auch getanzt wird. Der Eintritt ist frei, das Ambiente ungezwungen (es gibt keinen wirklichen Dresscode und man kann so ziemlich alles tragen, was einem gefällt) und on top gibt es einen Blick auf den Eiffelturm, der abends im Dunkeln zu jeder vollen Stunde glitzert.

Wenn du jetzt nach dem Haken suchst: Es gibt keinen. Die Garderobe kostet nur 1 € (es sagt aber auch niemand etwas, wenn du deine Jacke einfach irgendwo diskret und auf eigenes Risiko ablegst), einfache Getränke wie Softdrinks, Bier und Wein gibt es ab 3,50 €, was im Herzen von Paris wirklich ein Schnäppchen ist. Außerdem sind die Snacks sehr zu empfehlen: Du kaufst dir für ein paar Euro einen Dip oder Käse oder was auch immer und bekommst gratis dazu frisches Baguette (wenn es nicht reicht, einfach nochmal zur Bar gehen und freundlich um Nachschub bitten).

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Marokko? China? Indien? Paris!

Ich liebe es ja total, wenn eine Stadt so richtig schön multikulti ist. Da ich die meiste Zeit im Vorort Aubervilliers gewohnt habe, gab es für mich sowieso schon die geballte Ladung Internationalität. Wenn du die Zeit hast, würde ich dir auf jeden Fall empfehlen, mal die Peripherie zu überqueren und ein paar Stunden in der nördlichen Banlieue zu verbringen. Der Unterschied zum Pariser Zentrum ist unbeschreiblich, ich war oft die einzige Blondine weit und breit und habe mich insbesondere auf dem Wochenmarkt so gefühlt, als hätte ich mal wieder einen Abstecher nach Marokko gemacht – genial!

Auch direkt in Paris gibt es einige Stadtteile, in denen du fündig wirst, wenn du eine kleine Weltreise machen willst. Chinatown im 13. Arrondissement (Métro Tolbiac) bietet eine Vielzahl spannender Supermärkte, in denen ich bei gefühlt 99% der Produkte absolut keine Ahnung hatte, worum es sich eigentlich handelt. Die Rue de Belleville (Métro Belleville) hat ebenfalls viele chinesische Märkte und Restaurants im Angebot.

Mein Favorit: Das wenig hübsche Restaurant Wen Zhou Mei Shi Lin, in dem es richtig leckeres und sehr günstiges Essen gibt. Ich war zwar noch nicht in China, aber ich würde behaupten, dass es zudem auch ziemlich authentisch ist, denn die meisten Gäste sind Chinesen und es hat exakt so geschmeckt wie bei der chinesischen Familie, bei der ich einen Monat lang gewohnt habe. Übrigens ist es das einzige Restaurant in Paris, bei dem ich ganz klar empfehlen würde, à la carte zu essen: Das Menü ist erstaunlicherweise im Vergleich zu den einzelnen Gerichten, die mehr als nur erschwinglich sind, ziemlich klein.

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Wenn du schon in der Rue de Belleville bist, musst (!) du den Hügel unbedingt weiter hochgehen, denn dort findest du die Fromagerie Beaufils mit ihren extrem leckeren Käsesorten und sehr freundlichen Mitarbeitern, die geduldig alle Fragen beantworten und auch ohne Murren winzige „Ich-bin-alleine-und-wer-soll-das-denn-alles-essen“-Stücke abschneiden. Ach ja. Bring mir bitte was mit, Käse in Deutschland hat gegen eine französische Fromagerie schlicht und einfach nicht die geringste Chance…

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Zu meinen Lieblingen gehören außerdem die Rue du Faubourg Saint-Denis (Métro Strasbourg Saint-Denis oder Château d‘Eau) und das liebevoll Little India genannte Viertel um den Gare du Nord (Métro La Chapelle). Die Rue du Faubourg Saint-Denis ist bunt gemischt mit allen möglichen Nationalitäten und die Atmosphäre ist einmalig. Eins meiner Stammrestaurants war das Tandoori Time, wo man für nur 6 € einen riesigen Teller mit verschiedenen indischen Gerichten (auch vegetarisch und vegan!) als Plat du jour (Tagesgericht) bekommt. Die Auswahl ist zwar beschränkt, es war aber immer alles unglaublich lecker und die Wochenenden, an denen Simon mich besucht hat, wurden automatisch und ohne zu fragen zum Tandoori-Time-Wochenende erklärt.

Picknick à la française im Jardin du Luxembourg

Neben dem Champ de Mars am Eiffelturm sicher die beste Grünanlage für ein französisches pique-nique. Man nehme Baguette, Käse und Wein, vielleicht noch ein paar Trauben und tadaaa, fertig. Klingt klischeehaft? Ja nun, an manchen Klischees ist eben was Wahres dran – dieses gehört auf jeden Fall dazu. Abgesehen von den französischen Köstlichkeiten brauchst du übrigens nur ein Messer, um den Käse zu schneiden: Baguette kann man brechen, Teller und Weingläser sind quasi überflüssiger Luxus. Im Anschluss empfehle ich einen Spaziergang durch das Quartier Latin. Durch die Rue Mouffetard, am Panthéon und der Sorbonne entlang Richtung Saint-Michel, wo es zwar sehr touristisch, aber trotzdem immer wieder spannend ist.

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Ja, so habe ich mir Paris vorgestellt!

Für den Spruch nehme ich ab sofort 5 Euro für das Phrasenschwein, sollte ihn noch jemand auf dem Weg zur Sacré-Cœur bringen. Warum? Weil ihn ungelogen JEDER rausgehauen hat, der mich in Paris besucht hat. Aber ganz ehrlich: Das war auch mein Gedanke, als ich zum ersten Mal die nicht enden wollenden Stufen von Montmartre bestiegen habe und durch die kleinen verwinkelten Gassen und über den Place de Tertre spaziert bin.

Auch wenn der Aufstieg (besonders im Hochsommer) ziemlich hart sein kann: Es lohnt sich! Die Funiculaire (Seilbahn) kostet den Preis eines normalen Métro-Tickets, die Fahrt ist total schnell vorbei und die Aussicht… öhm, es gibt quasi keine. Beim Gang durch den Square Louise Michel allerdings schon – ein Muss für alle Fans von Amélie Poulain! Und wenn du auf den Treppenstufen vor der Kathedrale angekommen bist: Zeit, es den Franzosen gleichzutun und mal wieder den Picknickkorb auszupacken.

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Bergab Richtung Rotlichtviertel

Den Rückweg kannst du dann beispielsweise über die steilen Treppen meistern. Vor allem in warmen Sommernächten sitzen dort häufig Gruppen von jungen talentierten Musikern mit ihren Gitarren und einer Flasche Wein, eingehüllt in den süßen Duft von Marihuana. Am Fuße des Berges, entlang des Boulevard de Clichy (Métro Blanche oder Pigalle) befindet sich außerdem das Pariser Rotlichtviertel mit Stripclubs, Sexshops und vielen blinkenden Lichtern. Wer Amsterdam oder Hamburg kennt, wird vielleicht enttäuscht sein, aber einen Blick auf die berühmte Moulin Rouge zu werfen, kann ja nicht schaden.

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Darüber hinaus gibt es in der Straße auf Höhe der Métro Blanche ein Museum über mehrere Etagen, in dem du dir bis spät in die Nacht Exponate der ganz besonderen Art anschauen kannst: das Musée de l‘érotisme. Für viele Teil einer lustigen Partynacht, für andere, die nicht nur alkoholisiert offen gegenüber… naja, du weißt schon… sind, auch tagsüber einen Besuch wert. Dich erwarten dort unter anderem erstaunliche Gemälde, Statuen aus dem alten China, Sexspielzeug der Maya-Stämme und originale Pornofilme aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. Solltest du noch denken, dass die Menschen früher verklemmt waren, wirst du deine Meinung nach dem Museumsbesuch vermutlich ändern, haha.

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Das waren nur einige meiner Herzensorte in der französischen Hauptstadt. Welche sind deine?

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