Es gibt Dinge, die in unserer Gesellschaft so sind, weil… Naja, sie sind eben so. Und leider werden viele von ihnen nur sehr selten hinterfragt. Zum Beispiel beim Thema Pille. Statt darüber nachzudenken, welche negativen Folgen hormonelle Verhütung für uns Frauen möglicherweise haben kann, wird seit den 1960er Jahren fleißig jedem Mädchen die Antibabypille als Allheilmittel und absolute Notwendigkeit verschrieben…

Liebe zukünftige Tochter,

auch du wirst mit Sicherheit irgendwann an dem Punkt stehen, an dem dir schon in der Grundschule erklärt wird, wie Kinder eigentlich gemacht werden – nur um dir dann ein paar Jahre später zu erzählen, wie man sie denn NICHT macht. Vielleicht stehen deine Lehrer dann auch mit ihrem Verhütungsköfferchen vor dir, streifen peinlich berührt ein Kondom über den Holzpenis und geben dir irgendwie das klinische Gefühl, dass diese Tüten aus Kautschuk rein gar nichts mit Romantik zu tun haben können.

Gleichzeitig steht vielleicht eine besorgte Lehrerin dabei und zerstört in deinem Kopf auch noch das letzte Stück Lust auf Sex, das (wenn überhaupt) jemals vorhanden war. Schauergeschichten kommen ja bekanntlich immer gut. Auf Kondome allein ist schließlich kein Verlass und ausreichend Verhütungsschutz gibt es absolut nur durch die Kombination aus Gummi und Pille. Darauf muss man natürlich besonders als Mädchen achten, schließlich seid ihr es, die im Zweifelsfall schwanger und mit einer ruinierten Zukunft weiterleben müsst…

In der Schule wird dir damit quasi eine idiotensichere Lösung als unanfechtbare Überzeugung geboten und auch die Pharmaindustrie trägt fleißig dazu bei. Bis zum 20. Lebensjahr werden alle verschreibungspflichtigen Verhütungsmittel von der Krankenkasse übernommen – selbstverständlich sind die aber alle hormonell und die Kupferspirale als so ziemlich einzige Ausnahme wird jungen Frauen in der Regel nicht eingesetzt.

Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird ein Großteil deiner Freundinnen die Pille nehmen. Viele von ihnen werden noch gar keinen Freund haben. Und vielleicht auch noch nie von selbst an Sex gedacht haben. Aber die Pille lindert ja Menstruationsschmerzen, hilft gegen Pickel, fördert einen gleichmäßigen Zyklus und irgendwie ist es auch ganz cool, sagen zu können, dass man schon die Pille nimmt – also was soll’s, einfach mal rein damit!

Letztendlich ist es deine Entscheidung. Aber ich als deine Mutter würde dir sagen: Denk noch einmal darüber nach und lauf nicht blind der Gruppe hinterher. Im Beipackzettel der Antibabypille gibt es nicht ohne Grund eine endlos lange Liste an Nebenwirkungen. Und auch darüber hinaus weißt du nicht genau, welche Folgen eine Langzeit-Hormonbehandlung für dich und deinen Körper auf Dauer haben kann.

Meine persönliche Pillen-Lovestory

…die natürlich absolut keine Lovestory ist. Obwohl, eigentlich lässt sie sich ganz gut in die drei klassischen Beziehungs-Akte „Rosarote Brille“, „Große Liebe“ und „Böser Rosenkrieg“ unterteilen. Eigentlich hätte es mir schon zu denken geben sollen, als ich mit 15 Jahren anfing, die Pille zu nehmen. Das langersehnte Erste Mal wurde dadurch nämlich nicht etwa möglich gemacht, sondern erstmal weit, weit nach hinten geschoben.

Nachdem der erste Tag meiner Periode gekommen war, konnte ich voller Stolz die erste Tablette einwerfen und war ab sofort vor den bösen Spermien geschützt, die ja bekanntlich versuchen würden, mein Leben zu zerstören. Die Hormone haben auch direkt ihre volle Wirkung entfaltet: Es hat fast einen Monat lang nicht aufgehört zu bluten.

Ab da war eigentlich auf den ersten Blick alles super und ich schluckte brav jeden Abend vor dem Schlafengehen meine tägliche Dosis Hormone. Das zehnfache Wechseln des Präparates (wie ich es von vielen Freundinnen mitbekommen hatte) blieb mir erspart, da ich immer der Meinung war, alles würde schon irgendwie seine Ordnung haben.

Eigentlich konnte ich mich über sechs Jahre lang nicht beklagen, den schleichenden Prozess bekam ich selbst gar nicht mit und das einzige Drama waren die Zeiten, in denen die Wirkung wegen anderer Medikamente zwischenzeitig nicht mehr gewährleistet war. Ich habe mir nichts dabei gedacht, als Simon mich in einer dieser Phasen darauf ansprach, dass ich irgendwie ganz anders drauf war… Sollte heißen: Nicht so launisch und antriebslos, wie ich es sonst oft war.

Wenn eine kleine rosa Pille den Charakter ändert

Die Pille habe ich nicht aus Überzeugung abgesetzt. Wahrscheinlich wäre es mir selbst auch nie aufgefallen, wie sehr mir die Hormone geschadet haben. Vielmehr waren Simon und ich allmählich an dem Punkt, an dem wir ernsthaft über Kinder nachdachten. Es war im August 2014, als ich mit der Pille aufhörte. Vor mir stand ein vierwöchiger Sprachkurs in Málaga, Simon wollte im Anschluss noch für einen Roadtrip durch Spanien nachkommen – und eigentlich waren wir der festen Überzeugung, es dann demnächst mal mit der Mission Familiengründung aufzunehmen und ich die Pille daher sowieso in absehbarer Zeit absetzen würde.

Und irgendwie schwante Simon schon länger, dass da was nicht so ganz richtig lief. Das Problem: In den folgenden vier Wochen hatte ich mich so krass verändert, dass sämtliche Pläne danach auf dem Kopf standen.

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Die verrückten Pläne, die mir im Laufe der Jahre abhanden gekommen waren, kamen auf einmal alle wieder zurück. Hatte ich mir mein Leben so denn wirklich vorgestellt? Ich hatte zwar meinen Traumprinzen gefunden, wir waren verlobt, wollten bald heiraten und… Ja, und? Wollte ich mich wirklich schon auf ein Kind festlegen? Konnte ich wirklich dauerhaft damit leben, dass wir durch Simons Unternehmen für immer an Bielefeld gebunden sein würden? Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit war ich in der Lage, auf mein Herz zu hören und nicht nur den vernünftigsten Weg mit dem geringsten Widerstand zu wählen.

Ich wollte doch eigentlich mehr vom Leben!

Nach den vier Wochen in Málaga wurde Simon quasi von einer fremden Frau am Flughafen abgeholt und war dementsprechend geplättet. Auf einmal war alles anders. Alle Pläne, die wir gemacht hatten: Vorerst in Luft aufgelöst. Caro: Ein aufgescheuchtes Huhn, das zudem auch noch in übertriebenem Maße Selbstvertrauen und ihre Libido wiedergefunden hatte.

Unser Roadtrip wurde zwar trotzdem noch richtig cool, aber es ging nicht, ohne jeden Abend stundenlang über unser Leben zu philosophieren und nicht gerade wenige Tränen zu vergießen. Am Ende des Urlaubs stand dann die Überzeugung: Wir schaffen das zusammen und wir heiraten trotzdem – oder gerade deswegen!

Wir haben in den folgenden Monaten beide viel verändert. Noch vor unserer Hochzeit schickte ich meine Bewerbungsunterlagen an den Pädagogischen Austauschdienst, um meinen Traum vom Im-Ausland-leben doch noch wahr zu machen. Während unserer Fernbeziehung Paris-Bielefeld kam Simon mich oft besuchen, wir trafen uns in meinen Ferien außerdem in Marseille und Rom. Simon musste sich mir dabei so gut es ging anpassen und ich war mir nicht immer sicher, ob unser optimistisches „Wie schaffen das zusammen“ auf Dauer gut gehen würde.

Aber da mein Mann ja immer für eine Überraschung gut ist, hat er nicht etwa den Kopf in den Sand gesteckt, sondern fing in Paris an, ernsthaft über meine Reise-Leidenschaft nachzudenken – so schlecht war es dort schließlich nicht und irgendwie hatte es was, im Ausland zu leben. Und so wurde aus einem „Wieso, Bielefeld ist doch auch schön“ ein „Komm, wir schauen uns zusammen die Welt an“…

Das Schönste, was Simon neulich zu meiner Mama gesagt hat, als die ihn fragte, was er denn eigentlich zu meinen ganzen Plänen sagt: „Weißt du… Ich glaube, mein Leben wäre ohne deine Tochter ziemlich langweilig und ich bin froh, dass sie mich immer wieder dazu bringt, etwas Neues zu erleben!“ – einen besseren Liebesbeweis kann es doch gar nicht geben, oder?

NFP – eine Alternative zur Pille

Nun stellt sich ja noch die Frage, wie wir denn jetzt eigentlich verhüten. Zwar ist meine zeitweise Allergie gegen schreiende Kleinkinder (und auch die ein oder andere geistige Umnachtung) Gott sei Dank wieder abgeflacht und das Ganze ist auch wieder ein Thema für die nächsten Jahre, aber wir würden unsere Weltreise nach Möglichkeit doch gern erstmal ohne Baby starten.

Es kommt für mich nicht in Frage, jemals wieder Hormone zur Verhütung zu schlucken – letztes Jahr musste ich wegen einer Zyste erneut für mehrere Tage ein Hormonpräparat schlucken und ich wurde direkt wieder mit Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Lustlosigkeit konfrontiert. Muss also nicht sein.

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Seit zwei Jahren machen wir mittlerweile NFP: Natürliche Familienplanung. Was sich für viele unserer Freunde anhört wie ein total unsicheres Hexenwerk, können wir aber absolut empfehlen. Ich habe gelernt, auf die Zeichen meines Körpers zu achten und spüre meist (Krankheitsphasen mal ausgenommen) schon sehr genau, wann ich meinen Eisprung habe, ab wann ich unfruchtbar bin und wann meine Periode beginnt.

Um das dann auch offiziell festzustellen, muss bei dieser natürlichen Methode jeden Morgen die Körpertemperatur bis auf zwei Nachkommastellen gemessen und im Laufe des Tages der Zervixschleim beobachtet werden. Was zuerst kompliziert klingt, hatte ich nach einigen Monaten aber schon automatisch drin und ich weiß zuverlässig, wann ich unfruchtbar bin und wann wir zusätzlich mit Kondom verhüten müssen.

Der einzige große Nachteil (neben Gewichtszunahme, die ich hoffentlich noch in den Griff kriege), der aber eigentlich auch nur natürlich ist: Ich habe jetzt wieder einen richtigen Zyklus. Das heißt, dass ich wie damals die volle Wucht an Menstruationsbeschwerden bekomme und am ersten Tag manchmal ohne 2 x 600 mg Paracetamol kaum aufrecht stehen kann.

Das heißt auch, dass meine natürlichen Hormone innerhalb meines Zyklus gerne mal Achterbahn fahren und mein armer Mann es kurz vor der Erdbeerwoche nicht gerade leicht mit mir hat. Aber das nehmen wir beide in Kauf dafür, dass ich wieder ich selbst und viel entspannter und abenteuerlustiger bin.

Unsere Empfehlung

Zum Einlesen: Natürlich & sicher – Das Praxisbuch: Familienplanung mit Sensiplan
Und eine super App, um den Überblick zu behalten: myNFP (1,99 €/Monat)

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Das war meine ganz persönliche Geschichte. Das heißt: Ich sage natürlich nicht, dass es dir auch so gehen muss. Ich sage auch nicht „Hör sofort auf mit den Hormonen“. Aber ich weiß, dass ich nicht die einzige Frau mit einer solchen Geschichte bin. Und ich weiß auch, dass es viele Frauen gibt, die sich darüber gar keine Gedanken machen. Und genau die würde ich gern erreichen!

Wie sind deine Erfahrungen mit der Pille?

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