Warum in die Ferne schweifen? Diese Frage stellt Jessica von Yummy Travel in ihrer aktuellen Blogparade. Ich habe mir mal ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht und bin zu dem Ergebnis gekommen: Mein Kopf lässt mir gar keine andere Wahl, Neugier und Entdeckungsdrang führen mich immer wieder zu neuen Orten und Abenteuern!

Selbst wenn ich mir sage: „Hey, du, bleib mal locker. Du bist gerade seit zwei Tagen wieder zu Hause und hast in den letzten paar Jahren schon so viel gesehen und gemacht, wie einige andere Menschen in ihrem ganzen Leben nicht.“ – Nein, es funktioniert einfach nicht. Fernweh und die Lust am Reisen sind nichts, was man rational aus seinem Kopf streichen kann. Ich höre dann immer wieder Sprüche wie „Dein Leben hätte ich auch gern“ oder „Kannst du nicht mal zu Hause bleiben und zufrieden sein?“. Nein, kann ich nicht. Ganz einfach. Schon seit Jahren plane ich eine neue Reise, wann auch immer es Terminkalender und Geldbeutel (die Kombination ist in der Tat ganz schön tricky) irgendwie hergeben. Und ich habe auch nicht vor, damit in Zukunft wieder aufzuhören.

Ich verrate dir auch, warum das so ist

Jeder Mensch hat im Leben etwas, das ihn voll und ganz erfüllt – wenn das nicht so ist, sollte meiner Meinung nach schleunigst überlegt werden, woran das liegen könnte. „Erfüllung“ ist immer so ein großes Wort, aber im Prinzip fängt es schon im ganz Kleinen an: Was macht dich glücklich? Bei was wirst du nicht müde, es zu tun? Wann bekommst du Herzklopfen?

Für mich selbst kann ich diese Fragen ganz klar beantworten: Wenn ich mit meinem Backpack auf dem Rücken zu meiner nächsten Etappe aufbreche. Wenn ich ein neues Wort in einer anderen Sprache lerne. Wenn ich von Einheimischen zum Essen eingeladen werde. Wenn ich aufs Meer schaue und an die unendliche Weite der Welt denke. Ja, DANN bekomme ich Herzklopfen!

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Wir vergessen zwischen Alltag, Karriere und ständig vorhandenem Stress leider oft, dass wir schon ein ziemlich geiles Geschenk mit auf den Weg bekommen haben: Wir leben, sind gesund und haben das Glück, in einem sicheren Land mit Wohlstand und Bildung geboren worden zu sein. Das ist jetzt sicher nichts, wofür wir ab sofort jeden Tag dankbar auf die Knie fallen sollten, aber es kostet nichts, diese Tatsache im Hinterkopf zu behalten und in einem geeigneten Moment Nächstenliebe und Humanität walten zu lassen – vor allem gegenüber Menschen, die dieses Glück vielleicht nicht haben.

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Eine Reise (und damit meine ich keinen All-Inclusive-Pauschalurlaub, bei dem man das Resort nicht verlässt), verändert so viel in unseren Köpfen. Du wirst zum ersten Mal sehen, was es für einen Menschen bedeutet, wirklich Hunger zu haben. Du wirst Menschen kennenlernen, die eine Operation für Familienmitglieder nicht bezahlen können, weil es nicht überall so ein für uns selbstverständliches Gesundheitssystem gibt wie in Deutschland. Aber selbst, wenn es dich in ähnlich wohlhabende Länder zieht, wirst du schnell merken, dass eine Landesgrenze nicht nur einen politischen Zweck erfüllt, sondern auch kulturell betrachtet viel Unbekanntes mit sich bringt.

Reisen verändert und gibt immer wieder neue Denkanstöße

…und dabei ist es vollkommen egal, wie du reist. Selbst wenn du nicht zu denen gehörst, die gerne den Kontakt zu Einheimischen suchen und dafür vielleicht sogar ihre Lebensweise vor Ort umstellen. Selbst wenn du dich im Urlaub nicht einschränken möchtest und gerne mit mehr als nur Handgepäck reist. Selbst wenn du keinen Bock auf Yoga, Meditation, Seelensuche und so weiter hast. Ist schließlich dein gutes Recht und jeder sollte so reisen dürfen, wie er möchte! Entscheidend ist: Es wird irgendetwas in deinem Kopf hängen bleiben – auch wenn es noch so winzig ist. Und in den meisten Fällen wirst du diesen Lernprozess nicht einmal wahrnehmen, ihn aber zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Ort bemerken.

Wie oft stand ich zu Hause schon am Bahnsteig und habe mich gefragt, ob die Macher von Big Bang Theory das eigentlich ernst meinen, wenn Sheldon mal wieder den Vergleich „pünktlich wie ein Zug in Deutschland“ bringt. Und dann erinnere ich mich jedes Mal daran, wie ich in Marokko 42 Stunden lang mein persönliches Bus-Martyrium überstanden habe, muss grinsen und sehe die 30 Minuten Verspätung gleich viel lockerer.

Wie oft gehe ich in riesige deutsche Supermärkte und mein einziges Problem besteht darin, mich nicht entscheiden zu können, ob ich nun das Brot von Marke A oder Marke B, helle oder dunkle Schokolade, braune oder weiße Champignons kaufen soll. Und spätestens, wenn ich dann beim nächsten Mal am Cape Tribulation stehe und der einzige Tante-Emma-Laden weit und breit genau eine Sorte Toastbrot verkauft und frisches Gemüse dort in der Abgeschiedenheit sowieso Mangelware ist… japs, in solchen Momenten wird mir dann wieder bewusst, wie sehr mich die Konsumgesellschaft schon verwöhnt hat. Und diese Liste mit Beispielen könnte ich noch ewig so weiterführen…

Reisen als Lebenseinstellung

Reisen bedeutet für mich daher nicht die Flucht aus dem Alltag, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung, die grenzenlose Neugier und Lebensfreude ausdrückt. Viele Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte und die genauso gern und oft (und aus ähnlichen Beweggründen) reisen wie ich, haben ein paar gemeinsame Charaktereigenschaften: Sie sind im Durchschnitt neugieriger, (welt)offener, toleranter und urteilen über nichts, das sie nicht kennen. Ich meine, okay, das gilt natürlich nicht für alle – aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.

Was oft vergessen wird: Eine Reise muss gar nicht immer zwangsläufig in die geographische Ferne führen. Auch im unmittelbaren Umfeld gibt es immer so viel Neues zu entdecken, was wir aber häufig weniger intensiv wahrnehmen, da der komplette Cut zwischen Nähe (= Arbeit, Alltag) und Ferne (= Urlaub, Reisen) im Allgemeinen natürlich deutlich spürbarer ist. Trotzdem geht es doch einfach nur darum, sein gewohntes Umfeld auch mal zu verlassen und seinen Horizont Stück für Stück zu erweitern. In dem Sinne: Stay curious, ganz egal, wo du gerade bist!

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Und du? Warum schweifst du in die Ferne?

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