Schiras ist eine der größten Städte des Irans und in erster Linie als Stadt der Dichter bekannt. Die berühmtesten Dichter des Landes, Hafis und Saadi, haben in Schiras gelebt und sind dort auch in prunkvollen Mausoleen begraben worden. Die habe ich mir zwar aus Zeitmangel (man muss halt Prioritäten setzen und die größten Touristenattraktionen gehören nicht immer zwangsläufig dazu) nicht angeschaut – aber ich verrate dir hier mal meine Highlights, denen ich in und um Schiras über den Weg gelaufen bin.

Dass die beiden größten Poeten Persiens beide aus Schiras kamen, halte ich übrigens für keinen Zufall. Wusstest du schon, dass der Iran mehr Anbaufläche für Wein hat als Italien? Seit der islamischen Revolution 1979 werden auf den Feldern zwar (offiziell) nur noch Tafeltrauben und Rosinen angebaut, aber zur Zeit von Hafis und Saadi sah das noch gaaanz anders aus. Und ich wette, ohne die ein oder andere Flasche Wein wäre ihnen das Dichten nur halb so leicht gefallen. Tut aber auch nix zur Sache. Eigentlich wollte ich dir ja erzählen, was wir in der Gegend so gemacht haben und was du bei deiner Reise nach Schiras auf keinen Fall verpassen solltest.

Platz 1 – Ghalat – Ein Abstecher in die Berge

Wie das irgendwie immer so ist: Die spannendsten Abenteuer warten da, wo man gar nicht nach ihnen gesucht hat. So war das auch mit Ghalat, einem kleinen Dorf, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Schiras. Wir hatten auf der Suche nach einer Couchsurfing-Unterkunft in Schiras einen Schlafplatz in den Bergen gefunden (Kontakt zu unserem Host auf Anfrage) und machten also für zwei Nächte einen kleinen Ausflug ins „Historical Village“. Natürlich hätten wir einfach ein Taxi nehmen können – wir hatten allmählich aber keine Lust mehr, uns immer überall hinkutschieren zu lassen, und entschieden uns für die lokalen Busse.

Mit den Linien 20 und 196 (jeweils ca. 10 Cent, Infos zum Busfahren im Iran findest du hier) fuhren wir an den nördlichen Stadtrand von Schiras und stiegen dort in die Linie 50, die uns bis ins neue Zentrum von Ghalat brachte. Von der Endhaltestelle aus gingen wir links in die Hafez Street – von da aus ist der Weg zur Historical Village und zu den Wasserfällen easy. Oder auch nicht: Man folgt zwar einfach nur dem Straßenverlauf, muss aber natürlich den Berg hoch.

Wir hatten Glück und wurden erst von Wildfremden zum Picknicken eingeladen, danach mit dem Auto und lauter Partymusik zu unserer Unterkunft gefahren. Ghalat ist einfach der perfekte Ort, um zu entspannen und den „echten“ Iran kennenzulernen. Zwischen Bergen und ruinenartigen Häusern findet man Restaurants in wunderschönen Innenhöfen, Eisstände und vieles mehr und die meisten Touristen verschwinden am späten Nachmittag wieder. Ein Traum!

Platz 2 – Antike Stätte: Persepolis & Nekropolis

Höhö, soviel zum Thema „keine großen Touristenattraktionen“. Ganz ehrlich? Persepolis ist ein echtes Highlight und das darfst du dir auf keinen Fall entgehen lassen, wenn du schon in Schiras bist. Die Residenzstadt des alten Persiens befindet sich etwa 60 Kilometer nordöstlich von Schiras und gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn du einen Ausflug nach Persepolis planst, kann ich dir für weitere Informationen den Reiseführer vom Trescher Verlag sehr empfehlen – dort findest du viele historische Details und Erklärungen sowie übersichtliche Lagepläne.

Ich muss jedenfalls sagen, dass ich selten etwas so Beeindruckendes gesehen habe wie die Ruinen von Persepolis. Wer archäologisch interessiert ist, für den werden die Überreste der ehemaligen Stadt sicher das Highlight schlechthin sein – auch für alle anderen ist der Besuch aber ein Muss. Im direkten Vergleich sieht Rom mit dem Forum Romanum und Co. ziemlich alt aus und einige Mitreisende meinten, dass auch Athen nicht mit den iranischen Überbleibseln der Geschichte mithalten kann.

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich darüber hinaus eine alte Nekropolis (Naqsch-e Rostam), in der mehrere Könige begraben wurden, deren Gräber mit aufwendigen Felsreliefs verziert sind. Persepolis und die Nekropolis kosten jeweils 200.000 Rial (ca. 5 €) Eintritt und lassen sich perfekt zu einem Halbtagesausflug kombinieren, von Schiras aus bringt dich jeder Taxifahrer problemlos hin (unbedingt vorher den Preis verhandeln!).

Platz 3 – Die Gärten von Schiras

Schiras ist zurecht für seine tollen Gärten bekannt. Mein Favorit: der Eram-Garten im Norden der Stadt. Dass man dort (wie auch in vielen anderen Gärten) mittlerweile als Ausländer auch schon 200.000 Rial Eintritt zahlen muss, finde ich ehrlich gesagt ziemlich dreist, aber naja. Der Eram-Garten hat etwas von einem riesigen Stadtpark, in dem sich in der Mittagshitze gefühlt die halbe Stadt einfindet, um unter den Bäumen im Schatten zu liegen, es sich im Café gutgehen zu lassen oder einfach ein bisschen zwischen den schönen Blumenbeeten zu spazieren.

Wir haben es also den Iranern gleichgetan und uns nach einem kurzen Spaziergang ein schattiges Plätzchen gesucht und uns einfach auf die Wiese gelegt – genau genommen saßen wir eher, denn während sich die Männer in dem Garten gerne breitbeinig ins Gras fläzen, ist das bei Frauen ganz offenbar nicht gern gesehen.

Platz 4 – Über den Basar schlendern

Duftende Gewürze, farbenfrohe Gewänder, leuchtende Früchte. Seit ich in Marokko zum ersten Mal mit einem richtigen Basar in Kontakt gekommen bin, habe ich quasi ein neues Hobby. Auch wenn ich so gut wie nie etwas kaufe (außer Dinge, die ich direkt essen kann – und davon gibt es schließlich auch genug), zieht es mich immer wieder auf die spektakulären Basare des Orients. Ich liebe Märkte jeder Art aber auch einfach grundsätzlich. Da der Iran noch nicht so touristisch überlaufen ist, lassen sich die Basare sehr entspannt begehen und man kann sich in aller Ruhe umschauen, ohne ständig zum Kauf gedrängt zu werden.

Der Vakil-Basar in Schiras befindet sich direkt neben der berühmten Vakil-Moschee. Gegessen haben wir im Restaurant Sharzeh auf dem Vorplatz: Da die Iraner dort zur Mittagszeit Schlange stehen, man sich mit Namen anmelden und warten muss, bis man aufgerufen wird, stand schnell fest: Yep, da müssen wir hin. Es gibt ein Vorspeisenbuffet, frischgebackenes Brot und diverse Kebabgerichte zu guten Preisen (ab ca. 150.000 Rial pro Gericht) – etwas wirklich Außergewöhnliches findet man hier allerdings nicht.

Sehr empfehlenswert ist aber auch das kleine Café im Innenhof des Basars: Wenn du durch den Eingang gehst, siehst du kurz darauf auf der linken Seite ein Schild, das dich in den Hof führt, wo du etwas trinken oder etwas Süßes essen kannst.

Platz 5 – Durch das Koran-Tor gehen

Eigentlich ist Koran-Tor an sich nicht sonderlich spektakulär – mich fasziniert aber total die Bedeutung dahinter: In das Tor wurde ein Koran eingelassen, der jeden Reisenden, der die Stadt verlässt, segnen soll. Falls das für dich jetzt nicht besonders spannend klingt: Ich konnte ehrlich gesagt auch nicht viel damit anfangen, als ich das im Reiseführer gelesen habe.

Allerdings bekam der ganze Brauch eine für uns größere Bedeutung, als uns die liebenswerte Mama unseres Couchsurfing-Gastgebers in Ghalat verabschiedete: Schnell huschte sie zum Regal, zog einen schweren Koran hervor, stellte sich im Türrahmen auf Zehenspitzen und streckte die Arme nach oben, damit wir beim Verlassen des Hauses unter dem Buch hergehen konnten und für unsere weitere Reise gesegnet waren. Keine Ahnung, ob ich da jetzt so wirklich dran glaube – aber eine schöne Geste ist es allemal.

 

Warst du schon mal in Schiras? Was sind deine Highlights?

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