Du willst wissen, ob es sich lohnt, mit dem „Roten Blitz“ von Palma de Mallorca nach Sóller zu fahren? Wir waren uns anfangs ehrlich gesagt selbst nicht sicher, denn die Fahrpreise erschienen uns ganz schön hoch. Vielleicht war das Ganze ja auch nur ein Touristennepp und wir würden es am Ende des Tages bereuen, damit einen Urlaubstag verplempert zu haben? Als wir abends wieder den Bahnhof in Palma erreichten, waren wir uns einig: Die Fahrt war jeden einzelnen Cent wert und der Tagesausflug ein wundervoller Abschluss unserer Reise nach Mallorca!

Unsere Devise bei jedem Besuch auf Mallorca: tagsüber die Insel erkunden, abends am Ballermann feiern gehen. Nachdem wir bereits Palma besichtigt und das Hinterland der Platja de Palma erwandert hatten, stand noch ein letzter Punkt auf der diesjährigen To-Do-Liste. Gegen Mittag machten wir uns mit dem Bus auf den Weg in die Hauptstadt der größten Baleareninsel und suchten den Bahnhof, von wo aus der berühmte Tren de Sóller abfahren sollte.

Schon seit 1912 pendelt die alte Lokomotive zwischen Palma de Mallorca und Sóller und verspricht ihren Gästen während der Fahrt durch das Tramuntana-Gebirge grüne Landschaften, unzählige Bäume mit Zitrusfrüchten und einen spannenden Streckenabschnitt unter Tage. 1913 kam die erste elektrische Straßenbahnlinie hinzu, die seitdem Touristen vom Bahnhof in Sóller bis an den wunderschönen Strand von Port de Sóller bringt.

Facts, die du vor der Fahrt mit dem Tren de Sóller wissen solltest

Anfahrt zum Tren de Sóller:

Der Tren de Sóller fährt in Palma am Plaça d‘Espanya ab. Dort befindet sich auch der Bahnhof für die Metro und die Linien des Tren de Mallorca – nicht den gleichen Fehler wie wir machen: Das Abfahrtsgleis befindet sich nicht im Bahnhofsgebäude, sondern direkt nebenan im Freien (in der Carrer Eusebi Estada). Palma ist von allen größeren Orten sehr gut mit dem Bus erreichbar. Wer an seinem Urlaubsort keine Busverbindung hat oder einfach lieber mit dem Auto fährt, findet direkt am Plaça d‘Espanya ein Parkhaus mit Parkplätzen zu 1,80 € die Stunde.

Fahrzeiten des Tren de Sóller:

Von April bis Oktober fährt der Tren de Sóller sechsmal täglich von Palma nach Sóller (erste Abfahrt 10:10 Uhr, letzte Abfahrt 19:30 Uhr) und fünfmal täglich von Sóller nach Palma (erste Abfahrt 09:00 Uhr, letzte Abfahrt 18:30 Uhr). Von November bis März wird in beide Richtungen nur viermal täglich gefahren, die letzte Rückfahrt findet etwa eine Stunde früher als in den Sommermonaten statt. Achtung: Im Januar fährt der Tren de Sóller nicht! Die Straßenbahn zwischen Sóller und Port de Sóller ist ganzjährig im Halbstundentakt (von etwa 08:00 Uhr bis 19:30 Uhr, danach bis Mitternacht stündlich) unterwegs.

Den kompletten Fahrplan findest du auf der Internetseite der Eisenbahngesellschaft. Dieser kann allerdings je nach Fahrgastaufkommen allerdings spontan geändert werden – es lohnt sich also, den Tagesausflug nicht zu knapp zu planen. Wer am gleichen Tag hin- und zurückfahren möchte, kauft direkt ein Rückfahrticket für eine festgelegte Uhrzeit mit.

Preise für den Tren de Sóller:

Für einen Tagesausflug von Palma zum Port de Sóller empfiehlt sich das Kombi-Ticket: Dieses beinhaltet die Hin- und Rückfahrt zwischen Palma und Sóller im Roten Blitz und die Hin- und Rückfahrt zwischen Sóller und Port de Sóller mit der alten Straßenbahn und kostet aktuell 32 € (die Preise werden quasi jährlich erhöht). Eine einzelne Fahrt mit dem Tren de Sóller liegt aktuell bei 18 €, eine einzelne Fahrt mit der Straßenbahn bei 7 €.

Unser Ausflug mit dem Tren de Sóller

Gegen 12:30 Uhr erreichten wir das Abfahrtsgleis, an dem man natürlich auch allerlei Souvenire, Getränke etc. kaufen kann. Wir wollten den Zug um 13:30 Uhr nehmen, kauften die Kombi-Tickets für nur 30 € (es war witzigerweise der letzte Tag vor der diesjährigen Preiserhöhung) und entschieden uns dabei für die Rückfahrt um 18:00 Uhr, da wir nicht den allerletzten Zug zurück nehmen wollten – diese sind ja bekanntlich meist deutlich voller, weil alle irgendwie das Meiste aus ihrem Tagesausflug herausholen möchten.

Wie sich später herausstellte, wurde die Fahrt allerdings gestrichen, ohne dass wir vorweg davon erfuhren. Statt um 18:00 Uhr wurde unsere Fahrt mit der um 18:30 Uhr zusammengelegt, wodurch der Zug rappelvoll war.

Abfahrtsbereit – Es kann losgehen!

Da war der Zug endlich! Die alte Schmalspurbahn aus Holz näherte sich klappernd dem Bahnhof und ich vermisste augenblicklich solch anmutende Kleidung wie die, mit der Kate Winslet in Titanic das Schiff betritt. Wir stiegen ein und setzten uns auf die dicken, bequemen Ledersitze, machten es uns gemütlich und fühlten uns direkt in eine andere Zeit zurückversetzt. Und ich hatte immer noch kein historisches Kleid – so ein Mist!

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Der Streckenabschnitt von Palma nach Bunyola war noch nicht sonderlich spannend, denn wir klapperten erst einmal durch die Vororte von Palma de Mallorca. Dass die Landschaft bisher noch nicht besonders reizvoll war, machte uns aber nicht wirklich etwas aus: Der Wind pustete uns durch die Holzfenster, die wir bei der sommerlichen Juni-Hitze von etwa 35 Grad natürlich komplett geöffnet hatten, durch die Haare und wie fühlten uns wie bei einer dieser Fahrten im Freizeitpark, wo man durch irgendwelche Fantasiewelten kutschiert wird. Herrlich, um einfach mal an nichts zu denken.

Auf halber Strecke erreichten wir den Bahnhof von Bunyola, an dem aber kaum Passagiere ein- oder ausstiegen. Wir freuten uns auf die Weiterfahrt, denn nun wartete der Beginn des Tramuntana-Gebirges auf uns. Die Landschaft wurde immer grüner und es gab kaum einen Meter, der nicht mit dem strahlenden Gelb und Orange der mallorquinischen Zitrusfrüchte gespickt war.

Das Highlight: Als wir durch den Tunnel durch das Gebirge sausten, rappelte der Rote Blitz fast wie bei einer Achterbahnfahrt, es wurde ziemlich kühl und um uns herum blieb es für eine ganze Weile stockduster. Kennst du die Big Thunder Mountain-Achterbahn im Disneyland Paris? An die mussten wir direkt denken!

Weiter geht‘s mit der Tranvía nach Port de Sóller

In Sóller angekommen, mussten wir den Bahnhof verlassen und ein paar Meter weiter zur Haltestelle der Straßenbahn gehen. Diese kam kurz darauf, sah ähnlich aus wie unsere Eisenbahn und führte uns so eng durch die Innenstadt, dass man manch einem Café-Besucher fast den Kuchen vom Teller hätte stibitzen können.

Wie schön, dass die Spanier bei Sicherheitskonzepten nicht so überpingelig sind wie die Deutschen – sonst wäre es wohl kaum möglich gewesen, vorbeigehenden Menschen theoretisch eine High Five geben zu können. Wobei… Eigentlich konnten die Menschen gar nicht mehr gehen, denn oftmals mussten sie sich mit dem Rücken an irgendeine Mauer stellen, während die Straßenbahn geschätzt dreißig Zentimeter vor ihrer Nase vorbeifuhr. Mega lustig, haha.

Die Fahrt mit der Tranvía von Sóller nach Port de Sóller hat mindestens genauso viel Spaß gemacht wie die Eisenbahnfahrt vorher. Wir hatten im Vorfeld kurz darüber nachgedacht, zu Fuß bis Port de Sóller zu gehen und uns die 10 €, die das Kombi-Ticket mehr kostet als nur Hin- und Rückfahrt mit dem Roten Blitz, zu sparen.

Glücklicherweise haben wir das aber schnell als Schnapsidee verworfen, denn zu Fuß müsste man große Teile der etwa vier Kilometer langen Strecke an der riesigen, unschönen Hauptstraße entlanggehen. Außerdem hätte ich mich wohl tierisch geärgert, denn die Tranvía ist richtig schnuckelig und ich habe mich direkt in sie verliebt.

Ein Nachmittag in Port de Sóller

Mit der Straßenbahn ging es noch ein Stückchen an der Bucht entlang – dann waren wir an unserem Ziel angekommen. Die Anreise war wie im Fluge vergangen und wir freuten uns, dass später auch noch die Rückfahrt auf uns wartete. Vorher galt es aber, Port de Sóller zu erkunden, denn der Küstenort ließ uns leicht euphorisch werden: glasklares Wasser, mediterrane Häuschen an den Hängen der umliegenden Hügel, unzählige Schiffe im Hafen und eine Strandpromenade mit jeder Menge toller Geschäfte.

Tipps für Port de Sóller – What to do:

  • Im Restaurant Ca‘s Mariner das Tagesmenü bestellen: Hier gibt es leckere mallorquinische Spezialitäten (nicht sonderlich geeignet für Vegetarier) zu fairen Preisen. Kleine Warnung: „Frito Mallorquín“ besteht aus gebratenen Innereien – zum Glück habe ich das erst nach dem Essen festgestellt, sonst hätte ich mich niemals rangetraut. Ich muss aber gestehen: Scharf angebraten und mit viel frischem Gemüse schmecken Innereien gar nicht so übel. Auch wenn Simons Fisch doch mehr was für uns war, haha.
  • Sorbet von Sa Fàbrica de Gelats essen: Orangen- und Zitronensorbet, hergestellt aus den Zitrusfrüchten des Tramuntana-Gebirges. Ein wahrgewordener Eistraum. Beide schmecken extrem frisch und fruchtig und du darfst auf keinen Fall zurückfahren, ohne es probiert zu haben. Viele Restaurants (so auch das C‘as Mariner) servieren es in kleinen Bechern als Dessert, ansonsten kannst du es auch direkt in der Eisdiele in Sóller essen.
  • Mallorquinische Feinkost bei Fet a Sóller einkaufen: In dem Geschäft an der Promenade gibt es viele Spezialitäten aus der Region zu kaufen. Neben Salzen mit verschiedenen Aromen, Olivenölen und weißem Nougat mit Mandeln findest du hier auch noch allerlei andere leckere Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Oder eben einfach für dich selbst, hihi.
  • Durch die Bucht paddeln: Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit, um uns selbst ein Brett zu mieten. Beim nächsten Mal würde ich aber unbedingt ein Board von Sóller SUP ausleihen und durch das wunderschöne Wasser fahren. Für 15 € kann man sich eine Stunde lang (20 € für 2 Stunden) im Stand-Up-Paddling versuchen. Das Unternehmen bietet sogar Yogakurse auf dem SUP-Brett und viele spannende Ausflüge an.

 

Bist du auch schon mal mit dem Tren de Sóller gefahren?

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