Schlangenbeschwörer, buntes Treiben auf dem Basar, anmutende Bauchtänzerinnen und fliegende Teppiche: Aladdin* ist vermutlich der Disney-Film, der mich schon in meiner Kindheit am meisten fasziniert hat. Mit 22 Jahren bin ich zum ersten Mal in den Orient aufgebrochen – zwar nicht auf einem fliegenden Teppich, dafür aber für nur 29,99 € One-Way. Vom südwestlichsten Punkt Deutschlands bis in den marokkanischen Norden sind es Luftlinie gerade mal etwa 2000 Kilometer. Und trotzdem landet man in einer ganz anderen Welt.

Wenn ich eins in meinem Spanisch-Studium gelernt habe, dann, dass Spanien das Tor zu Afrika ist. Kurzer Blick auf die Landkarte… ja, passt. 14 Kilometer von Tarifa bis an das marokkanische Festland, bei schönem Wetter und guter Sicht kann man locker das Stück Landmasse gegenüber erspähen. Trotzdem hatte ich keine konkrete Vorstellung davon, wie weit einem 14 Kilometer auf einmal vorkommen können. In insgesamt sechs Wochen habe ich fast ganz Marokko erkundet und halte fest: Wenn du möglichst nah an den Basar aus Aladdin rankommen möchtest und Kulturschocks kein Problem für dich darstellen… dann ist Marrakesch mit Sicherheit die beste Wahl!

Kann losgehen?

Bevor ich dich jetzt in die Welt des Orients entführe, noch kurz eine Anmerkung: Die, wie ich finde, ziemlich geilen Fotos dieses Beitrags kommen aus der Kamera von Matze, der mich in Marrakesch begleitet hat. Well done, Buddy – auch wenn Bilder die Faszination von Reisen leider nie zu 100% festhalten können… es kommt dem schon recht nahe.

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Hereinspaziert in die Souks der Medina

Das, was uns an Marokko so fasziniert, findet man am ehesten in oder um die Medina (Altstadt). Neben Fès, Meknès, Tétouan und Essaouira gehört Marrakesch zu den Städten, deren Medina von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Als Tourist tut man gut daran, sich eine detaillierte Großansicht der Unterkunftsumgebung einzupacken. Die meisten Hostels und Hotels übernehmen das netterweise für ihre Gäste, indem sie ausführliche Wegbeschreibungen online stellen oder sogar Wegweiser in den winzigen und extrem verwirrenden Straßen der Medina anbringen. Trotzdem kommt es Neuankömmlingen so vor, als wäre man einfach irgendwo in einem Labyrinth abgestellt worden.

Achtung vor Abzocke!

Solltest du also nicht ans Ziel finden, frag am besten einen Verkäufer oder auch andere Reisende – planlos durch die Gassen irren ist zwar ungefährlich, hat aber dummerweise meist zur Folge, dass ein selbsternannter Touristenführer auf dich aufmerksam wird. Möglichst nicht drauf eingehen, die Herren wollen oft ein maßlos überzogenes Honorar von 100 DH (10 €) – so viel verdienen hier manche der Arbeiter nicht mal an einem ganzen Tag! An den Türen der Unterkünfte sind es die Mitarbeiter schon gewohnt, die Gäste ab und an ins Innere „retten“ zu müssen, da auf dem Honorar beharrt wird und sich der freundliche Helfer in der Not oftmals als gar nicht mehr so freundlich herausstellt. Bist du dann aber endlich angekommen, erwartet dich im Bestfall ein Traum von Riad, wie zum Beispiel das Equity Point Hostel* mit Pool unter freiem Himmel.

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Einfach mal die Zeit vergessen

Wirst du sicherlich, wenn du dich zum ersten Mal auf den Weg machst, um die Medina zu erkunden. Und selbst als „alter Hase“ sehe ich vermutlich manchmal ziemlich dämlich aus, wenn ich gedankenverloren durch den Souk latsche, hier und dort mal abbiege und aus dem Staunen nicht rauskomme. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken! Ich werde dir jetzt hier eine kleine Geschichte erzählen, ganz wie in 1001 Nacht.

Stell dir also vor…

Dein Weg beginnt auf dem Djemaa el Fna, dem zentralen Marktplatz von Marrakesch. Auf der riesigen Fläche tut sich noch nicht viel, gähnende Leere, egal wo du hinschaust. Während hier abends das Leben tobt, ist der berühmte Platz bis mittags häufig nahezu ausgestorben. Du bahnst dir deinen Weg zum Souk. Während du dich fragst, wie es die Verkäufer in den schmalen Gassen geschafft haben, ihre Ware in locker vier Metern Höhe aufzuhängen (und vor allem, wie sie diese wohl wieder herunterbekommen), lächelt dich ein alter Mann freundlich an und streckt dir eine frisch geschälte Kaktusfeige entgegen. Du bedankst dich, kramst einen Dirham aus der Tasche und möchtest weitergehen, als dich ein Mann von hinten an den Schultern packt. Empört guckst du ihn an, nur um kurz darauf festzustellen, dass er dich lediglich davor bewahrt hat, von einem Eselkarren überfahren zu werden.

Schnell stellst du bei deinem Bummel fest, dass die „Spezialpreise“, die dir die Händler machen, nicht sonderlich günstig sind. Glücklicherweise gibt es vereinzelt auch Verkaufsstände, an denen Preisschilder hängen, die den offiziellen Preis verraten, den auch die Marokkaner zahlen. Jackpot, dieses Wissen macht dich zwar noch nicht zum Verhandlungsprofi, gibt dir aber zumindest eine neue Basis, um dich bei den Händlern einem realistischen Preis anzunähern und nicht komplett über den Tisch gezogen zu werden.

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Obwohl auf dem Djemaa el Fna noch nichts los ist, herrscht im Souk schon das erste Gedränge. Streunende Katzen hoffen, dass bei einem der vielen Verkaufsstände etwas herunterfällt. Währenddessen probierst du dich so lange fleißig durch Datteln und andere Trockenfrüchte, bis du absolut nicht mehr weißt, welche du denn nun kaufen sollst. Du verfluchst das gute Frühstück aus deiner Unterkunft – schließlich bleibt kaum noch Platz für die vielen Leckereien, die die marokkanischen Patisserien an jeder Ecke verkaufen.

Wohlwissend, dass das Vorhaben „Ich schaue nur und nehme nichts mit“ gar nicht so leicht einzuhalten ist, schlängelst du dich weiter durch den Souk und lässt den Duft von leuchtendem Safran und weiteren Gewürzen, von bunten Badesalzen und Kosmetika in deine Nase strömen. An der nächsten Gabelung bist du kurz davor, schwach zu werden: farbenfrohe Schals und orientalische Lampen schreien dir ein aufforderndes „Kauf mich!“ entgegen. Wie gut, dass deine Route noch etwas länger ist und du partout nicht vorhast, irgendwelche neugekauften Schätze den ganzen Tag mit dir durch die Gegend zu tragen. So hast du nicht nur ein gutes Argument als Schutz vor den Händlern (und dir selbst, haha), sondern vor allem einen noch besseren Grund, um zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wiederzukommen.

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Ein Tag in Marrakesch

Mittlerweile steht die Sonne schon fast im Zenit und du ärgerst dich, dass du ausgerechnet die pralle Mittagssonne ausgesucht hast, um deine Sightseeing-Tour durch die Stadt fortzusetzen. Der Palast El-Badi bietet auf seinem gigantischen Innenhof kaum eine Möglichkeit, ein Stückchen Schatten zu finden. Trotzdem bist du fasziniert von dem uralten Bauwerk, dessen Ruine im Licht der Sonne rot leuchtet und dich an die Hitze erinnert, die drückend über der Medina liegt.

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Nachdem du dich schon gefreut hattest, im Bahia- und El-Badi-Palast, sowie in der Medersa jeweils nur 10 Dirham (1 €) Eintritt gezahlt zu haben, lässt dich dein nächstes Ausflugsziel schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Der botanische Garten des französischen Malers Jacques Majorelle steht, wie bei vielen anderen Marrakesch-Reisenden auch, ganz oben auf deiner Tagesordnung. Zwar ist besagter Maler vermutlich vielen überhaupt kein Begriff, allerdings ist es sowieso eine andere bekannte Persönlichkeit, die die Massen anzieht. Der Garten wurde nämlich von Yves Saint Laurent (dessen Asche übrigens im Rosengarten verstreut wurde) und seinem Lebensgefährten aufgekauft und in den 90er Jahren ausgiebig restaurieren lassen.

Für 70 Dirham (7 €, nicht unerhebliche Rabatte für Schüler und Studenten, Kinder unter 12 können ihre Eltern sogar kostenlos begleiten) erwartet dich ein farbenfroher Garten mit Kakteen und anderen Pflanzenarten aus aller Welt. Wo sich schon der Modeschöpfer seine Inspiration holte, setzt du dich unter Palmen auf eine Bank und genießt im langersehnten Schatten die Aussicht und ein gutes Buch.

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Der Abend kann kommen…

Da der Jardin Majorelle außerhalb der Medina liegt und es mittlerweile schon recht spät ist, fällt es dir nicht gerade leicht, einen Taxifahrer zu finden, der sein Taxameter anstellen möchte. Während du dich etwas vom Garten entfernst, um einen günstigeren Fahrpreis zu bekommen, entscheidest du dich dazu, die knapp 3 Kilometer einfach auch noch zu Fuß zu gehen. Nach einigen Minuten siehst du von Weitem die Koutoubia-Moschee, die als Kontrast zur Hauptstraße mit den vielen Autos und Kutschen vollkommen idyllisch im Dämmerlicht steht.

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Als du aus dem Staunen rausgekommen bist, drehst du dich um: Auf der anderen Straßenseite befindet sich schon der Djemaa El Fna und ist im Gegensatz zum Morgen kaum noch wiederzuerkennen. Du passt auf, nicht überfahren zu werden und überquerst die Straße. Auf dem Weg zum Platz werden dir alle paar Schritte diverse Hüte, Souvenirs und Kutschfahrten angeboten.

Während du am Vormittag gar nicht wusstest, wo du das viele Essen lassen sollst, merkst du auf einmal, dass dein Magen knurrt. Bei der Hitze hattest du überhaupt keinen Hunger und warst damit zufrieden, immer mal wieder eine neue Wasserflasche am Kiosk kaufen zu können. Offenbar kommst du gerade richtig, denn der Marktplatz zeigt erst zu dieser Uhrzeit, was er zu bieten hat. Für 4 Dirham (40 Cent) kaufst du deinen ersten frisch gepressten Orangensaft, lässt direkt nach dem letzten Schluck noch einmal nachfüllen und weißt jetzt schon: Orangensaft in einem deutschen Café wird leider nie wieder dasselbe sein.

Zeit für ein marokkanisches Abendessen

Bei der Nahrungssuche zeigt sich dir mit aller Kraft, dass du im touristischen Hotspot gelandet bist. Du lässt dich nicht beirren und findest die besten Stände, indem du schaust, wo die meisten Einheimischen sitzen. Aus den Grills schlagen Flammen Richtung Himmel, überall riecht es nach frisch gegrilltem Fleisch, Suppe und Tajine. Für wenige Euros bist du satt und zufrieden, als du, vorbei an Schlangenbeschwörern und Henna-Künstlerinnen, den Heimweg antrittst. Und dir nach einem spannenden Tag sicher bist, im Orient angekommen zu sein.

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Damit schließe ich das Märchenbuch.

Das Ganze ist jetzt natürlich etwas beschönigt dargestellt, denn trotz des orientalischen Zaubers muss ich sagen, dass Marrakesch einen auch schnell mit den Nerven ans Ende treibt: Die gestaute Hitze, die Hektik, die oft unnachgiebigen Versuche der Marokkaner, dir irgendwie das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Stadt war bei meinen Reisen nach Marokko immer mal wieder Knoten- und Ausgangspunkt auf meiner Backpacking-Route und jedes Mal habe ich mich riesig gefreut, wieder dort zu sein. Und mich nach ein paar Tagen genauso riesig gefreut, wieder zu fahren. Am liebsten übrigens vom Bahnhof aus, der insbesondere bei Dunkelheit absolut sehenswert ist!

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Wie findest du Marrakesch?

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