Vaduz. Wo war das noch gleich? Auch wenn ich schon in meiner Kindheit Königin der Hauptstädte war und meinen Länder-Atlas regelrecht auswendig gelernt habe – bei Vaduz musste ich bis vor Kurzem dann doch erstmal nachdenken. Praktisch also, dass uns unser Roadtrip auch ins Fürstentum Liechtenstein verschlagen hat. Wenn man einen Ort einmal bereist hat, vergisst man ihn nicht mehr so leicht. Wenn mich demnächst jemand fragt „Wo liegt eigentlich Vaduz?“, kann ich nur sagen „In Liechtenstein. Und es ist ziemlich schön dort!“

Nach unserem Aufenthalt in Basel setzten wir unseren Roadtrip fort und fuhren Richtung Bodensee. Ich habe beschlossen, diesen Teil unserer Reise einfach im Kurzformat mit in diesen Artikel aufzunehmen – denn es hat weiterhin so heftig geregnet, dass an Baden und Entspannung am Bodensee beim besten Willen nicht zu denken war und unsere Laune von Tag zu Tag schlechter wurde.

Was soll der Scheiß eigentlich? Immer wenn wir zu Hause in Bielefeld sitzen, die Wetterkarte angucken und es draußen wieder mal regnet, gibt es in Süddeutschland und den Nachbarländern eine dicke Sonne auf dem Bildschirm und schreit uns förmlich an „Pah, ihr Idioten, hier unten ist es schön!“ – natürlich nur dann nicht, wenn wir dort unseren Sommerurlaub verbringen wollen. In manchen Momenten fühlt man sich von der Welt einfach echt hart verarscht.

Rheinfall in der Schweiz – oder: „Lass‘ mal gucken, was das ist“

Wir waren auf dem Weg zum Bodensee, als die Wolkendecke uns ausnahmsweise mal verschonte und sich doch tatsächlich so etwas wie ein dünner Strahl Sonne bemerkbar machte. Der hielt zwar nicht lange an, dafür entdeckten wir aber ein Schild, das uns den „Rheinfall“ ankündigte. R(h)einfall? Naja, vielleicht lohnt es sich ja – Wasserfälle sind ja immer geil, also schauen wir einfach mal.

Beim Anblick der Parkplatzpreise (5 CHF für die erste Stunde, danach 2 CHF pro Stunde) wären wir am liebsten wieder umgekehrt, aber da trotz des schrecklichen Wetters unzählige Touristen anwesend waren, musste dieser ominöse Rheinfall wohl echt ziemlich cool sein. Wir Unwissenden hatten noch nie davon gehört – eine Bildungslücke?!

So. Spannung. Was erwartete uns da denn nun? Die meisten Leute hatten sich mit Regenjacken, Schirmen und Wanderschuhen gewappnet und ich schlurfte in T-Shirt und Flip Flops den Weg hinab. Und dann, ganz plötzlich: Wow. Anders kann ich es nicht beschreiben, denn der Rheinfall ist einfach spektakulär und in der Mitte gibt es sogar einen riesigen Felsen, den man besteigen kann. Hätte das Wetter mitgespielt, hätten wir uns die Felsenbootsfahrt für 20 CHF pro Person gegönnt, aber es hatte schon wieder angefangen zu regnen und ein dicker Nebel hing über sämtlichen potenziellen Foto-Motiven.

Rheinfall bei Regen: Das Beste aus dem Wetter machen

Also entschieden wir uns für eine Kurzwanderung im Regen. Rund um den Rheinfall ging es über Treppen und Brücken, vorbei am kleinen Schloss Laufen und schließlich mit dem Panoramalift zum Bootsanleger, von wo aus wir für 2 CHF pro Person wieder auf die andere Seite fuhren. Kleiner Hinweis am Rande: Der Panoramalift gehört (wie wir hinterher festgestellt haben) eigentlich zu dem kostenpflichtigen Pfad um das Schloss. Nun gut, wir outen uns als Aus-Versehen-Schwarzfahrer – wenn es ein nächstes Mal geben sollte, gehen wir aber lieber gratis außenherum, denn so spektakulär war der Aufzug jetzt nicht. Da würde ich mein Geld lieber in eine der Bootsfahrten investieren!

Auf dem Rückweg zum Auto wurden wir dann nochmal so richtig durchgeweicht und waren froh, dass wir auf der Weiterfahrt etwas trocknen konnten. Sitzheizung im August. Läuft. Der Bodensee sollte eigentlich eins der großen Highlights unseres Roadtrips durch den Süden werden – dummerweise war das Wetter aber so miserabel, dass wir ihn selbst von der Straße, die direkt dran vorbeiführt, oft nicht einmal richtig sehen konnten.

Dafür wurde aber das Hotel Paul’s in Widnau* zu einem unserer persönlichen Highlights: Für unsere normalen Hotel-Verhältnisse sind über 140 € für eine Nacht mit Frühstück verdammt viel Geld und die Erwartungen waren entsprechend hoch. Es war aber einfach von vorne bis hinten so perfekt, dass die Übernachtung jeden Cent wert war!

Bodensee: Flucht aus der Schweiz

Wie auch schon in Basel haben wir es tatsächlich geschafft, nicht ein einziges Mal in der Schweiz essen zu gehen. Wir sind einen Abend zum Seenachtfest in Konstanz gefahren (sehr empfehlenswert, trotz Matsch auf den Wiesen ein richtig tolles Festival mit spektakulärem Feuerwerk) und haben einen Abend im österreichischen Bregenz verbracht. Bei diesen Preisunterschieden zwischen der Schweiz und Deutschland/Österreich hätten wir theoretisch auch jeden Abend zig Liter Sprit verfahren können und hätten trotzdem noch gespart, haha.

Vom Bodensee aus machten wir uns letztendlich auf den Weg nach Liechtenstein, wo wir noch einen Halt machen wollten, bevor es weiter nach Innsbruck ging. Wir hatten Glück: Es war Sonntag und das Parken war auf den öffentlichen Parkplätzen kostenlos. Also stellten wir unser Auto mitten im Zentrum der gut 5000 Einwohner zählenden Hauptstadt ab und machten uns zu Fuß auf den Weg, um das Fürstentum etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vaduz: Ausflug in die Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein

Als wir die Touristeninformation passierten, konnte ich nicht widerstehen und musste mich erstmal direkt zur neuen Fürstin Liechtensteins krönen: Vor der Tür stand ein riesiger Thron und das Pappkrönchen passte sogar halbwegs auf meinen Dickkopf. Es war also höchste Zeit, meine neue Hauptstadt ausgiebig zu erkunden. Drei Stunden stellten sich dafür als absolut ausreichend heraus.

Wo zieht es die neue Fürstin natürlich zuerst hin? Klar, zum Schloss. Dieses befindet sich etwa 120 Meter über der Hauptstadt und kann über einen Wanderweg erreicht werden. Freundlicherweise wird zu Beginn des Aufstiegs unmittelbar darauf hingewiesen, dass man das Schloss nicht besichtigen kann, da dort nach wie vor die Fürstenfamilie wohnt beziehungsweise es zumindest für wichtige Staatstreffen und Ähnliches nutzt. Und wer will schon gerne Massen an Touristen in seinem Wohnzimmer stehen haben?

Liechtenstein: Wanderung zum Schloss Vaduz

So wurde ich also wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nix Krönchen, nix Fürstin. Wir entschieden uns trotzdem für die kleine Wanderung und erreichten nach etwa einer halben Stunde das Schloss – ziemlich unspektakulär von der Straße aus, allerdings kamen wir unterwegs an vielen schönen Aussichtspunkten vorbei, von wo aus man einen herrlichen Blick über die gesamte Stadt hat.

Außerdem ist der Wanderweg zum Schloss Vaduz mit vielen Infotafeln gesäumt, auf denen man die Geschichte des Fürstentums nachlesen kann und interessante Facts erfährt. Wusstest du zum Beispiel, dass die Schweiz sich um die Grenzüberwachung Liechtensteins kümmert und nicht das Fürstentum selbst?

Deutlich schöner präsentiert sich das Schloss Vaduz aus der Ferne. Das konnten wir feststellen, als wir nach dem Abstieg zurück ins Stadtzentrum kamen und uns mit dem Citytrain Vaduz durch die gesamte Stadt kutschieren ließen – in gerade einmal 35 Minuten. Eigentlich bin ich kein großer Fan von solchen Attraktionen zur Touristenbespaßung. Aber hey, es schien ausnahmsweise mal die Sonne und nach unserer Mini-Wanderung waren wir ganz happy, einfach noch ein bisschen sitzen zu können und dabei auch noch den Rest der Stadt zu sehen.

Citytrain Vaduz: Touristenzug durch Liechtensteins Hauptstadt

Also kauften wir uns jeweils ein Ticket für 8 CHF (wir wollten unsere neu gewonnene Schwarzfahrer-Karriere schließlich nicht weiter fortsetzen…) und nahmen Platz – zwischen hauptsächlich Chinesen, die sich kein bisschen für die englischen Ansagen interessierten und die gesamte Fahrt über so laut redeten, dass wir kein Wort verstanden. Die Fahrt war trotzdem sehr schön und wir hielten zwischen Weinbergen, von wo aus wir dann endlich mal eine richtig hübsche Sicht auf das Schloss Vaduz hatten.

Nach der Fahrt im Citytrain Vaduz stellten wir fest: Wir hatten offenbar tatsächlich schon alles gesehen, was man in der winzigen Hauptstadt erkunden kann. Ein paar Museen hätte man noch besichtigen können – aber nichts lag uns ferner, als bei den endlich vorhandenen Sonnenstrahlen einen Nachmittag im Museum zu verbringen. Da die Gastronomie-Preise in Liechtenstein genauso exorbitant hoch sind wie in der Schweiz (schließlich wird hier sogar auch in der gleichen Währung gezahlt…), entschieden wir uns gegen ein üppiges Mittagessen und machten uns stattdessen auf die Suche nach einem Eis.

Vaduz: Auf der Suche nach dem besten Eis der Stadt

Kein einziges der Cafés sah diesbezüglich vertrauenserweckend aus, denn fast alle hatten nur Packungseis von den bekannten Größen der Eiscreme-Industrie im Angebot. Bei einem Spaziergang über den „Main Square“, den wir zuvor schon mit dem Citytrain Vaduz überquert hatten, sahen wir dann das kleine Eiscafé Dolce Vita, vor dem sich bereits eine Schlange gebildet hatte. 3,50 CHF für eine Kugel Eis? Nun ja. Wir hatten nichts anderes erwartet, suchten uns jeweils eine Sorte aus… und freuten uns, so lange gesucht zu haben, denn das Eis war wirklich extrem lecker!

Nach drei Stunden in Liechtensteins Hauptstadt schlenderten wir zurück zum Auto und setzten unseren Roadtrip fort. Unser kurzer Ausflug nach Vaduz hat sich definitiv gelohnt – auch wenn die Stadt nicht sonderlich spektakulär ist, macht es richtig Spaß, bei schönem Wetter durch die Straßen zu flanieren!

 

Du willst wissen, wie es weitergeht? Hier findest du den sechsten Teil unseres Roadtrips.

Warst du auch schon mal in Liechtenstein?

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