Świnoujście, in Deutschland besser bekannt als Swinemünde, liegt zu etwa einem Drittel auf der Sonneninsel. Selbstverständlich konnte ich es mir daher nicht nehmen lassen, während meiner Reise nach Usedom einen kurzen Abstecher in unser Nachbarland zu machen. FIRST TIME in Polen! Von Bansin aus wanderte ich über die Kaiserbäder bis in die polnische Kleinstadt. Warum du das bei einer Reise nach Usedom auch machen solltest, zeige ich dir hier.

Okay, es nützt ja nichts, es jetzt schönzureden, denn du hast es sicher schon bemerkt: Die Sonneninsel Usedom hat dieses Prädikat während meines Besuchs beim besten Willen nicht verdient gehabt. Während es in Nordrhein-Westfalen zum Schmelzen warm war, hatte ich mir für die Fahrt an die Ostsee offenbar einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht, denn die meiste Zeit über war es grau, stürmisch oder ich wurde von bösen Gewittern überrascht. Nichtsdestotrotz konnte ich auf meiner „Wanderung“ (sagen wir „ausgedehnter Spaziergang“, denn von Bansin bis an den Hafen von Swinemünde sind es nur knapp über 10 Kilometer…) ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

Wie komme ich von Bansin nach Swinemünde?

…diese Frage war schneller beantwortet, als ich sie überhaupt stellen konnte, denn mit einem Blick auf die Karte war klar: Ich musste (vorerst) einfach nur der Strandpromenade folgen. Die drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck trennen insgesamt nur ca. 5 Kilometer voneinander. Wie es danach weitergehen sollte, wusste ich auch noch nicht so wirklich, denn auf dem Satellitenbild von Google sieht man entlang des Strandes nur ein riesiges Waldgebiet. Da ich mich nicht mit unnötiger Planung aufhalten wollte, latschte ich also einfach mal los und siehe da: Die Strandpromenade wird hinter Ahlbeck zu einem Weg quer durch den Wald, es ging also immer geradeaus. Aber nun nochmal von Anfang an…

Von meiner Unterkunft, der Pension Strandvilla Imperator, aus, schlenderte ich ein paar Meter durch den Sand – vorbei an Strandkörben und ein paar Familien, die auch bei recht kühlen Temperaturen tapfer eine Sandburg neben die Wellen bauten. Am liebsten wäre ich ja einfach weiter durch die Sandkörner gestapft und hätte den Ausblick auf das Meer und die Bäderarchitektur genossen. Meine Schuhe nervten mich dabei aber ziemlich, gefühlt hatte ich bereits einen eigenen Sandkasten mit an Bord. Den Weg barfuß fortzusetzen war aufgrund der Wetterlage wohl auch keine so gute Idee, also ging ich zurück zur Promenade und war gespannt, was mich dort wohl erwartete.

Ein Spaziergang durch die drei Kaiserbäder

Die Strandpromenade entlang der Usedomer Ostseeküste auf Höhe der drei Kaiserbäder empfand ich als herrlich unspektakulär. Du denkst, das beißt sich? Klingt negativ? Nein, ganz und gar nicht. So pompös manche der Villen auch sein mögen: Ich nahm sie schnell gar nicht mehr so wirklich wahr, denn während mir der Wind durch die Haare pustete, hier und da ein paar Straßenmusiker mit sanften Klängen spielten und ich einfach immer nur einen Fuß vor den anderen setzte, war ich vollkommen meditativ unterwegs.

Die Gesamtstimmung auf Usedom ist irgendwie unglaublich beruhigend, die frische Luft hat mich sofort vom Stress der letzten Wochen befreit und die Insel ist wirklich ein perfekter Ort zum Abschalten. Keine Ablenkung, keine Hektik – einfach nur eine Möglichkeit, die Seele baumeln zu lassen.

Die Grenzen zwischen den Kaiserbädern sind so fließend, dass ich kaum merkte, dass ich schon in Heringsdorf angekommen war. Zu meiner Linken stand eine Reihe kleiner, traditioneller Hütten – mein Großonkel hatte mir schon davon erzählt und meinte, ich müsse dort unbedingt ein Fischbrötchen essen. Hier gilt aber offenbar leider das Sprichwort „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, denn am Nachmittag stand ich vor verschlossenen Türen.

Also zog ich weiter und entdeckte wenige Schritte danach den Strandimbiss Zum Seebär, wo ich für 3,20 € ein Butterfisch-Brötchen zum Mitnehmen bestellte und mich damit ein paar Meter weiter auf einen Strandzugang setzte. Man, war das lecker, Butterfisch (also Buttermakrele) steht auf meiner Fisch-Hitliste ab sofort ganz weit oben!

Gesättigt, glücklich und zufrieden saß ich auf den Holzplanken und blickte aufs Meer. Hmmm. Jetzt nochmal aufstehen und weitergehen? Mein Hintern schien mit den Brettern verwachsen, der sandige Untergrund gefiel mir äußerst gut und ich war neuerdings großer Fan davon, den dummen Möwen dabei zuzugucken, wie sie sich gegenseitig piesackten. Wie in allen Disney-Filmen steckt eben auch in Findet Nemo* eine ganze Menge Wahrheit.

Der größte Strandkorb der Welt in Heringsdorf

In meinem Usedom-Reiseführer* hatte ich vor meiner Fahrt auf die Insel schon gelesen, dass an der Seebrücke in Heringsdorf wohl der größte Strandkorb der Welt stehen soll. Ich hatte mir zwar nicht explizit vorgenommen, dem Weltrekordhalter einen Besuch abzustatten, aber als ich an der Seebrücke vorbeikam (an der man übrigens sehr gut Eis, Crêpes und Co. essen kann), war der Koloss mit Abmessungen von 6 x 4 x 3 Metern beim besten Willen nicht zu übersehen.

Zusammen mit einem alten, nostalgischen Kinderkarussell aus dem frühen 20. Jahrhundert zieht der Strandkorb auf dem Vorplatz alle Blicke auf sich und ist ein ziemlich cooles Fotomotiv. By the way: Später in Ahlbeck kam ich dann auch noch an dem vermutlich kleinsten Strandkorb der Welt vorbei. Aus Angst, ihn womöglich kaputtzumachen, habe ich mich aber lieber nur DAVOR gehockt, haha.

Auf dem Weg zur Grenze: Waldspaziergang nach Polen

Nachdem ich also auch Ahlbeck passiert hatte, verwandelte sich die Strandpromenade in einen saftig grünen Weg durch den Wald und es wurde noch ruhiger, als es auf den letzten Kilometern schon gewesen war. Ab und an überholten mich ein paar Fahrradfahrer oder ein einsamer Jogger. Hier und da ein paar polnische Wortfetzen, dann wieder vertrautes Deutsch. Ziemlich cool, dass man heutzutage einfach beliebig über die Grenze spazieren kann.

„Ey Grenze, wo bleibst du denn?“

Apropos Grenze: Ich war etwa 2 Kilometer auf dem Waldweg unterwegs, da überlegte ich allmählich, woran ich diese denn wohl überhaupt erkennen würde. Gespannt schaute ich mir jedes Hinweisschild am Wegesrand an. Okay, die waren alle noch auf Deutsch – oder manchmal zweisprachig. Aber huch. Da war sie plötzlich. Die Grenze. Absolut nicht zu übersehen. Und so stand ich gleichzeitig mit einem Bein in Deutschland, mit dem anderen in Polen. Cool.

Der Weg ging weiter. Noch ein ganzes Stück weiter. Übrigens: Solltest du auch mit meiner kleinen Wanderung liebäugeln… Vergiss auf keinen Fall, dich mit Mückenschutz einzureiben. Ich ziehe die Biester sowieso immer magisch an, hatte aber beim besten Willen nicht daran gedacht, dass ich dieses Mal hätte vorsorgen sollen. Aber klar: lauwarmes Wetter, viel Regen in den letzten Tagen, Wald… Nun ja, meine Beine waren schon lange vor der polnischen Grenze ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden.

Willkommen in Swinemünde

Irgendwann musste ich eine Straße überqueren und lief weiter geradeaus. Mit dem Bild der schönen Bäderarchitektur im Kopf kam ich schließlich am polnischen Teil der Promenade an. Hier sah man nun definitiv, dass man die Grenze passiert hatte: Die prächtigen Villen waren vielleicht irgendwann mal prächtig gewesen, auf der polnischen Seite aber ganz schön heruntergekommen. In den Seitenstraßen sah ich noch die ein oder andere stattliche Villa, der erste Eindruck waren aber eher dreckige Fassaden, eingeschlagene Scheiben und Graffiti-Schmierereien.

Doch… Moment, was war das? Von der anderen Straßenseite her blinkten mich bunte Lichter von Spielhallen-Zelten an und polnische Volksmusik dröhnte mir dumpf entgegen. Ohne es zu wissen war ich offenbar auch schon am sogenannten Polenmarkt angekommen. Ich kramte den einzigen 10-Zloty-Schein heraus, den ich zu Hause hatte finden können (Tipp für Weltenbummler: auf Hochzeitseinladungen den Spruch „Wir freuen uns über Geschenke in jeglicher Währung“ schreiben – das Einlösen macht echt Spaß, hihi), und kaufte mir erstmal eine Flasche Wasser gegen die große Dürre in meiner Kehle.

Auf dem Polenmarkt steppt der Bär

Aus zweiter Reihe animierte nun um 19 Uhr bereits ein DJ mit polnischen Hits im Helene-Fischer-Style zum Tanzen und einige junggebliebene Damen Ü40 schwangen begeistert das Tanzbein. Die Musik und der Ramsch an den Ständen passten gerade nicht sonderlich zu meiner aktuellen Stimmung, also marschierte ich strammen Schrittes runter zum Strand, wo mich nicht nur ein endloser Sandstrand, sondern auch ein netter Holzweg erwartete.

Eine Weile saß ich so auf diesem Treppchen und starrte aufs Meer. Der Himmel wurde immer dunkler und ich ahnte nichts Gutes. Bereits am Vormittag wurde ich Zeugin dieses Farbspektrums und kurz darauf mussten wir mit unserem Zeesenboot schleunigst zurück an Land, um uns vor den hereinbrechenden Wassermassen in Acht zu nehmen. Ich war ganz schön unmotiviert, mich wieder zu erheben, denn mein Platz gefiel mir ausgesprochen gut.

Glücklicherweise gesellte sich im selben Augenblick eine Gruppe junger Polen mit massenhaft Alkoholflaschen in Plastiktüten zu mir auf mein Treppchen. Normalerweise hätte ich wohl ein Gespräch begonnen und fleißig mitgetrunken, aber das passte gerade genauso wenig zu meiner Gesinnung wie der kitschige Polenmarkt nebenan. Gute Entscheidung: Ich schaffte es gerade noch so zu einem Hoteleingang, an dem ich mich unterstellen konnte, um nicht vollständig durchnässt zu werden.

Die Suche nach polnischer Hausmannskost

Gut, mit dem Leuchtturm sollte es an diesem Tag scheinbar nicht mehr klappen. Der Regen wollte partout nicht verschwinden. Als das Gröbste überstanden war, tapste ich los durch den benachbarten Park und kam schließlich am Hafen von Swinemünde an. Juchuuu, ein Fisch-Restaurant! Leider geschlossen. Dann eben Steak! Leider auch geschlossen. Genauso die Döner-Bude und die kleine Kneipe an der Ecke. Na, ist denn das die Möglichkeit? Swinemünde hat zwar nur etwas mehr als 40.000 Einwohner – aber abends um 20 Uhr sollte man doch wohl etwas zu essen bekommen?

Mitten in der verregneten, grauen Tristesse prangte dann plötzlich ein Schild: McDonald’s, 1,9 Kilometer. Nun fühlte ich mich wirklich verarscht. Wo war denn bitte die gute polnische Hausmannskost? Gerade als ich schon nicht mehr daran glaubte, fündig zu werden, stand ich vor dem Restaurant Magiczna Spizarnia. Ziemlich nass-klebrig setzte ich mich, wurde freundlich bedient, bekam endlich die langersehnte Hausmannskost und war im Foodporn-Himmel angekommen. Nice.

In Swinemünde kann man praktisch überall mit Euro bezahlen, bekommt dann eben einfach nicht den perfekten Wechselkurs. Ich bestellte also munter drauf los, bekam wie selbstverständlich eine kostenlose Vorspeise – bestehend aus frischem Brot, eingelegten Gurken und Schmalz – und orderte eine Mix-Platte Pierogi. Als die Kellnerin mich skeptisch anguckte, fragte ich vorsichtshalber, ob man die Reste notfalls wohl mitnehmen könne. Glücklicherweise konnte ich, denn von den zwanzig gemischten Pierogi (mein Favorit übrigens: Sauerkraut-Speck) schaffte ich nicht einmal die Hälfte und hatte noch zwei Tage später was zu futtern.

Ende gut, alles gut!

Für die riesige Portion und zwei Getränke zahlte ich gerade einmal 12 €. Da es mittlerweile fast 22 Uhr war, ging ich zurück Richtung Hafen, wo ich bei meiner Ankunft schon einen Taxi-Stand erspäht hatte. Die 18 € für meinen persönlichen Chauffeur waren gut investiert – bei diesem Dreckswetter musste ich nicht noch wieder 11 Kilometer nach Hause stapfen. Bei meinem nächsten Besuch in Swinemünde spielt das Wetter hoffentlich besser mit! Wiederkommen nach Polen muss ich unbedingt. Schon allein für den breiten Sandstrand und das unglaublich leckere Essen.

 

Warst du auch schon mal in Swinemünde?

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