Externsteine, Hermannsdenkmal, Wandern in OWL,… Die Liste mit Dingen, die ich in Ostwestfalen eigentlich noch machen wollte, ist lang. Sieben Jahre lang haben wir in Bielefeld gewohnt und letztendlich war es auch nach so vielen Jahren ähnlich wie nach meinen sechs Monaten in Paris: Man verlässt die Stadt irgendwann und hat manche Dinge einfach so lange aufgeschoben, bis es zu spät ist. Umso erfreulicher, dass ich vor ein paar Wochen unverhofft eine interessante E-Mail in meinem Postfach hatte…

Die Region Lippe wollte mich auf eine Wanderung schicken. Die meisten Kooperationsanfragen landen bei mir direkt in der Rundablage beziehungsweise werden mit einem freundlichen „Nein, danke“ beantwortet. Warum? Ich habe einfach gar keine Zeit für Pressereisen. Dieses Mal war mein Interesse aber sofort geweckt, schließlich hatte ich gerade ein paar Tage zuvor etwas über den Hermannsweg gelesen und mich geärgert, dass ich meine Heimat OWL nicht etwas genauer bereist habe, als ich noch dort gewohnt habe.

Außerdem: Seit wir unser Startup gegründet haben, ist die Freizeit recht knapp bemessen und ich verbringe viel zu viel Zeit an meinem Computer. Der Jakobsweg ist schon fast zwei Jahre her und eine weitere mehrwöchige Wanderung wird zeitlich vorerst auch nicht drin sein. Die Entscheidung war also schnell gefallen: Simon und ich packten unseren Rucksack und machten uns auf den Weg nach Horn-Bad Meinberg, dem Startpunkt unserer Wanderung durch Lippe und unseres Digital-Detox-Wochenendes.

Wandern in Lippe – Digital Detox in der Heimat

Die Lippe Tourismus & Marketing GmbH hat vor Kurzem eine interessante Doku über das Land des Hermann veröffentlicht: die Prinzen Story. In mehreren Staffeln zeigt Stephan Prinz zur Lippe seine Heimat und deren Vergangenheit. Die ersten fünf Sekunden der Falkenburg-Folge haben ausgereicht, um mich komplett von der geplanten Wanderung zu begeistern.

Endloser Wald, eine geheimnisvolle Ruine und alle Nuancen von Grün und Braun, die die Natur so zu bieten hat. In Gedanken stapfte ich direkt wieder in meinen Flip Flops durch die Weiten der spanischen Meseta. Vermutlich hat mich keine Reise so sehr nachhaltig geprägt wie der Jakobsweg. Oft reicht ein kleines Bild oder ein winziger Gedanke, um mich direkt wieder zu triggern.

Mit unserer Wanderkarte der Region Lippe und einem Picknick im Rucksack machten wir uns auf den Weg. Das Handy wurde bereits auf der Fahrt zum reinen Fotoapparat umfunktioniert, die mobilen Daten einfach mal ausgeschaltet. Digital Detox muss auch mal sein, die ständige Erreichbarkeit macht mich mit der Zeit nämlich wirklich mürbe. Und auch wenn Simon mich wegen meiner Telefon-Mail-WhatsApp-Jonglage scherzend schon immer gerne als „Kommunikationszentrale Caro“ bezeichnet, verzichte ich zwischendurch wirklich gerne auf jeglichen Kontakt zur digitalen Außenwelt. Nach einigen Wochen in der Großstadt freuten wir uns einen Ast, als wir am Bahnhof von Horn-Bad Meinberg die Wahl zwischen geschätzt fünfzig kostenlosen Parkplätzen hatten.

Der Plan: Am ersten Tag wollten wir von Horn bis Detmold wandern und auf dem Weg die Externsteine, die Falkenburgruine und das Hermannsdenkmal besichtigen. Für den zweiten Tag hatten wir eine Wanderung von Detmold über Lemgo nach Bad Salzuflen geplant. Letzteres wurde spontan noch einmal über den Haufen geworfen – dazu aber später mehr. Machen wir uns zuerst einmal gemeinsam auf den Weg…

Auf den Spuren der Prinzen Story – von Horn zu den Externsteinen

Es ist etwa halb zehn, als wir am Bahnhof von Horn-Bad Meinberg losstiefeln und Richtung Stadtzentrum schlendern. Als ich klein war, haben wir meine Oma hier mal besucht, als sie in Kur war. In meiner Erinnerung haben wir einen Nachmittag in einigen Geschäften und Cafés verbracht, aber danach sieht es hier wirklich nicht aus.

Der Ort ist ziemlich ausgestorben und beim einzigen Bäcker kaufen wir ein paar Brötchen für unser Picknick – aus Ermangelung an Baguette oder anderen spannenden Backwaren. Der Leerstand ist wirklich schade, denn Horn hat einige hübsche Fachwerkhäuser zu bieten und wirkt total idyllisch.

Unsere Wanderkarte verrät uns glücklicherweise den richtigen Weg, denn die Schilder im Ortskern sind ziemlich verwirrend. Ein Teil davon steht definitiv in die falsche Richtung und generell kreuzen hier so viele Wander- und Radwege, dass man die vielen Symbole erst einmal auseinanderhalten muss. Wir folgen dem X6 und erreichen nach wenigen Kilometern die Externsteine.

Für 6 € pro Person kaufen wir ein Kombi-Ticket für die Steine und das Hermannsdenkmal und wagen den steilen Aufstieg über die Treppen. Die Aussicht von oben ist wirklich toll, aber auch der Blick von unten auf die Steine ist ganz schön faszinierend. Immer wieder krass, was es auch direkt vor der Haustür für tolle Naturschauspiele gibt!

Wandern in Lippe – von den Externsteinen zur Falkenburg

Auch hinter den Externsteinen folgen wir weiterhin dem X6 und sind gespannt auf die Ruine der alten Falkenburg, die mich schon in der Prinzen Story so in ihren Bann gezogen hatte. Wir gehen einige Kilometer durch den Wald und kommen an eine Gabelung, an der sich die ominöse Ruine angeblich befindet. Nach einer kurzen Suche finden wir den richtigen Pfad und steigen bergauf zur Ruine.

Das Wetter könnte kaum besser sein, denn die Sonnenstrahlen lassen das Grün der Wiese strahlen und wir setzen uns auf eine der Mauern, um unser langersehntes Picknick zu verputzen. Memo an mich selbst: Beim nächsten Mal keine eingelegten Weinblätter mitnehmen, denn die schmierige Packung durch den Wald zu transportieren, ist irgendwie keine so glorreiche Idee. Memo an Simon: Die Sonnencreme, die wir extra gekauft haben, nach Möglichkeit VOR der Wanderung in den Nacken schmieren, haha.

Auf den Spuren der Prinzen Story – von der Falkenburg zum Hermannsdenkmal

Wir nähern uns Berlebeck und werfen unsere Picknick-Abfälle aus Ermangelung einer öffentlichen Mülltonne in die Restmülltonne einer Wohnsiedlung. Der Rasenmäh-Roboter guckt uns tadelnd an. Man, was sind wir heute für Halunken, hehe. Wir steigen ein paar Treppen Richtung Adlerwarte Berlebeck hoch und freuen uns, dort endlich das Schild eines Cafés zu sehen.

Es ist echt ganz schön heiß und unsere Wasserflaschen sind bereits seit geraumer Zeit leer. Alle Einkehrmöglichkeiten, die wir auf dem Weg passiert haben, waren aktuell oder sogar dauerhaft geschlossen, und wir würden beim nächsten Mal definitiv noch mehr Wasser einpacken. Auch jetzt wieder stehen wir vor verschlossener Tür. Nur sonntags geöffnet. Na prima.

Die Adlerwarte und auch der benachbarte Vogelpark würden uns ebenfalls interessieren, allerdings haben wir nicht mehr allzu viel Zeit und räumen dem Freilichtmuseum in Detmold Priorität ein. Am Vogelpark werden wir getränketechnisch aber endlich doch noch fündig und setzen uns auf eine kühle Erfrischung neben eine riesige Voliere, die zum Café vor dem Park gehört.

Den Vögeln scheint die sommerliche Hitze offenbar auch zu gefallen, denn sie stürzen sich abwechselnd Hals über Kopf in ein kleines Wasserbecken, um sich zu erfrischen. Wir würden dem bunten Treiben gerne noch weiter zugucken, eisen uns aber letztendlich doch los und erreichen nach etwa einer Stunde das Hermannsdenkmal.

Das Denkmal sieht vom Fuße aus betrachtet schon sehr spektakulär aus, der Aufstieg lohnt sich unserer Meinung nach allerdings weniger – die Aussicht von den Externsteinen war definitiv schöner, auch wenn diese endlose Weite auf jeden Fall auch was hat. Rund um die Aussichtsplattform sind übrigens die Städte markiert, in deren Richtung man gerade blickt.

Quer durch die Geschichte – vom Hermannsdenkmal zum Freilichtmuseum

So halten wir uns auch nicht mehr allzu lange an dem Denkmal auf, denn wir müssen uns allmählich wirklich beeilen: Nach 17 Uhr bekommt man im Freilichtmuseum Detmold keinen Einlass mehr. Und so machen wir uns schnellen Schrittes auf den Weg (gar nicht so einfach, denn allmählich qualmen uns tatsächlich schon etwas die Füße…) und erreichen den Ticketschalter um 16:58 Uhr, als die nette Dame gerade schon all ihre Sachen in einen stilechten Flechtkorb gepackt hat und Feierabend machen möchte. Sie verkauft uns für 8 € pro Person die letzten Tickets des Tages und weist uns darauf hin, dass wir das Gelände bis spätestens halb sieben verlassen haben müssen.

Ich muss grinsen. Irgendwie haben wir immer ein Händchen für Last-Minute-Einlass. Wir erinnern uns noch gut an unseren Besuch im Alpenzoo in Innsbruck, bei dem wir uns den Zoo mehr oder weniger rennend angeschaut haben, um in wenigen Minuten noch alles zu sehen. Aber auch im Freilichtmuseum lohnt sich das: Wir schaffen zwar nur noch die Hälfte des riesigen Geländes, bekommen aber einen spannenden Einblick in das Leben unserer Vorfahren und haben die Möglichkeit, uns alte Mühlen und Höfe von innen anzuschauen.

Das Freilichtmuseum hat auf dem Gelände diverse alte Gebäude aufgebaut, die an anderen Orten komplett abgebaut wurden. So stehen wir also unter anderem vollkommen fasziniert vor einer kleinen Backstube, die ursprünglich mal in Frotheim (einem Ortsteil meiner Heimatstadt Espelkamp) stand.

In einem der Höfe stehen Simon und ich gemeinsam in einem winzigen Schlafzimmer und begutachten das Bett. Es wirkt gemütlich, aber irgendwie fast wie ein Kinderbett. Groß durfte man damals offenbar auf jeden Fall nicht sein. Generell lassen uns diese früheren Lebensumstände leicht schlucken: Wie es hier wohl gerochen hat, wenn man mit acht oder mehr Personen in so einem Hof gewohnt hat – und ein paar Meter weiter, quasi im Wohnzimmer, die Kühe und Schweine ihre Exkremente abgelassen haben? Einerseits fasziniert uns dieses einfache Leben, vielleicht romantisieren wir es auch ein bisschen. In Zeiten von ständiger Erreichbarkeit klingt es irgendwie verlockend, sich dem Ganzen heutzutage zu entziehen und sich mal wieder auf die Ursprünge zu besinnen.

Trotzdem könnten wir vermutlich nicht dauerhaft auf einen gewissen Komfort, an den wir uns über Jahre hinweg gewöhnt haben, verzichten. Ich stelle mir vor, wie ich mein Geschäft in einem der Plumpsklos erledigen muss, anschließend in meinem Wohnzimmer eine Kuh melke und Simon das Holz aufschichtet, statt einfach nur einen Knopf zu drücken. Ja, die Vorstellung hat irgendwie was. Gleichzeitig würde es aber auch einen extremen Verzicht bedeuten, denn das alles würde unglaublich viel Zeit fressen. Und Zeit ist in unserem stressigen Alltag leider sowieso ein knappes Gut.

Während wir über die Felder des Freilichtsmuseums wandern und ich an meine schmerzenden Füße denke, bin ich jedenfalls ganz froh, dass uns in der Detmolder Altstadt schon ein gemütliches Hotelzimmer erwartet. Mit fließendem Wasser, Elektrizität, einem XXL-Bett und einem Küchen-Team, das uns sogar unser Essen serviert.

Wandern in Lippe – vom Freilichtmuseum in die Detmolder Altstadt

Nachdem wir auch noch ordentlich Strecke im Freilichtmuseum gemacht haben, können wir es kaum noch erwarten, endlich in unserer Unterkunft anzukommen. Als wir vor der Eingangstür vom Detmolder Hof stehen, werfen wir zum ersten Mal an diesem Tag einen Blick auf den Schrittzähler: Ganze 27 Kilometer sind wir bergauf und bergab gewandert. Müde, aber überglücklich checken wir in unser Zimmer ein und ich bin vor allem happy, dass der Standard hier deutlich höher ist als in den meisten Herbergen auf dem Jakobsweg.

Okay, zugegeben: Wir sind ganz schön underdressed, als wir am Abend auf der Terrasse in der Detmolder Fußgängerzone sitzen und die exquisiten Speisen der kürzlich neu eröffneten Restaurantküche genießen. Vermutlich würden wir gerade doch eher in eine Wandererherberge passen, in der jeder genau weiß, dass man nach so einem Tag ganz sicher nicht mehr das Ausgehoutfit aus dem Rucksack kramt.

Aber wenn man nach einer anstrengenden Woche mal ein freies Wochenende genießen kann und montags direkt wieder arbeiten muss, darf es auch ein höherer Standard sein als ein Stockbett im Kloster. Und so freuen wir uns über eine riesige Badewanne, ein unglaublich bequemes Doppelbett und ein wirklich vorzügliches Abendessen – und auf den nächsten Tag.

Transparenz-Hinweis: Vielen Dank an die Lippe Tourismus & Marketing GmbH, die uns bei dieser Wanderung mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung unterstützt hat. Wir durften diesen Ausflug komplett selbst planen und der Text gibt ausschließlich unsere eigene Meinung wieder.

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