Eine Reise in den Senegal? Wie kommt man denn darauf? Diese Frage wurde uns immer wieder gestellt, bevor wir uns auf den Weg nach Westafrika gemacht haben. Ja, nun, ehrlich gesagt… Wir sind noch nicht einmal selbst darauf gekommen – wieso es uns trotzdem an die westafrikanische Küste gezogen hat und welche 20 Aspekte uns am meisten in Erinnerung geblieben sind, will ich dir nicht vorenthalten. Also: Brav weiterlesen, es folgt ein Sammelsurium aus Schockstarre, Überraschung und totaler Verwirrung, mit der wir in knapp zwei Wochen immer wieder zu kämpfen hatten.

Im Herbst erreichte mich die Nachricht einer Freundin: „Sag mal… Was machst du eigentlich Silvester? Ich hätte da eine ziemlich verrückte Idee“ – Eigentlich hatten wir schon halb zu einer Party zum Jahreswechsel in Hamburg zugesagt, aber das Codewort „verrückte Idee“ zieht bei mir immer. Meine Freundin war für Ende Dezember auf eine senegalesische Hochzeit eingeladen worden und brauchte mangels Partner noch dringend eine Reisebegleitung. Eigentlich hatte ich schon abgesagt, denn schließlich wollten wir im neuen Jahr unsere Weltreise starten, Silvester noch einmal in Deutschland feiern und ohne Simon feiere ich so große Sachen wie Weihnachten und Silvester sowieso aus Prinzip nicht.

Als ich meinem Göttergatten allerdings in der Mittagspause in einem Nebensatz von der Idee erzählte, war er es, der ohne Vorwarnung meinte: „Frag sie mal, ob ich auch mitkommen darf. Dann machen wir das!“ – So ganz verstand ich die Welt nicht mehr, denn bis vor Kurzem war er es noch, der schon allein beim Gedanken an Komfortverlust, fremde Kulturen und die Möglichkeit von Tropenkrankheiten zusammenzuckte. Ja, ganz offensichtlich hatte mein Mann mittlerweile auch das Abenteurergen in sich entdeckt und war bereit für unsere anstehende Weltreise.

Was genau wir letztendlich im Senegal erlebt haben, werde ich noch einmal in einem gesonderten Text festhalten. Was es an dieser Stelle gibt, sind aber erst einmal unsere ersten Gedanken aus einem Land, das bei uns in den Köpfen viel, viel Verwirrung zurückgelassen hat. Wir haben lange darüber nachgedacht, ob ich wirklich so frei heraus unsere schonungslosen Eindrücke beschreiben soll, denn wenn wir mal ehrlich sind, fällt die Liste dieses Mal deutlich negativer aus als die, die ich nach meiner Reise in den Iran geschrieben habe. Aber lies selbst:

1) Verkehrsregeln sind was für Anfänger

Nachdem ich den Verkehr in Städten wie Bangkok, Teheran und Marrakesch erlebt habe, war ich eigentlich der Meinung, mich würde dementsprechend nichts mehr schocken können. Außer vielleicht Indien, denn Delhi und Mumbai sind in meiner Vorstellung ein einziges Chaos. Nun ja, wie sich herausstellen sollte: All das, was ich im internationalen Straßenverkehr bisher erlebt habe, ist absolut gar nichts im Vergleich zum Senegal. Simon und ich hatten uns extra schon mal internationale Führerscheine besorgt, denn eigentlich sind wir verkehrstechnisch wirklich hart im Nehmen und weitestgehend krisenerprobt. Für unsere vierköpfige Reisetruppe (mein bester Freund und Travel Buddy Matze hatte sich uns auch noch angeschlossen) hatten wir uns also als Fahrer zur Verfügung gestellt.

Trotzdem wurde die Idee, sich einen Mietwagen zu nehmen, schon an unserem ersten Tag in Dakar wieder verworfen. Ich weiß gar nicht, wie man das beschreiben soll. Als Fußgänger hilft prinzipiell nur das Motto „gucken, beten, rennen“ und als Autofahrer braucht man sicherlich Nerven wie Drahtseile. Die Straße in die Stadt hinein besteht ausschließlich aus Stau – Verkehrsregeln scheint es keine zu geben. Statt zu blinken, hält man eine Hand durch das immer geöffnete Fenster und wedelt dem Rest der Welt geheimsprachenähnliche Bewegungen entgegen, die dann wohl so viel heißen wie „Ich bin der Nächste!“ oder „Wehe, du lässt mich nicht durch!“. In diesen Momenten hat man dann noch eine maximale Entfernung von einem Meter zum Auto vor einem und es verwundert fast schon, dass es trotz allem so verhältnismäßig selten zu Unfällen kommt.

Dakars Hauptstraße ausnahmsweise mal ohne Verkehrschaos

Gas geben und notfalls einfach quer über den Kreisel zu brettern, ist auch eine vielgenutzte Notlösung, um etwas schneller ans Ziel zu kommen. Auch außerhalb von Dakar ist das mit dem Verkehr so eine Sache. Waghalsige Überholmanöver der Fahrzeugführer, klappernde Autos, die jederzeit irgendwelche Teile der Karosserie verlieren könnten, und Tiere, die sich ganz plötzlich dazu entscheiden, mit der gesamten Großfamilie die Straße zu überqueren, sind nur einzelne Aspekte des Verkehrs im Senegal. Und dann gibt es natürlich auch noch die unglaublich gigantischen Schlaglöcher und die Straßenverkäuferinnen, die in den Dörfern Seile über die Straße spannen, damit man verunsichert abbremst und sich (so jedenfalls unsere Theorie) nach Möglichkeit spontan dazu entscheidet, 100 Kilo Erdnüsse kaufen zu wollen.

Grundsätzlich gilt in der Praxis nur eine einzige „Regel“, die dem Wahnsinn auf den Straßen Einhalt gebieten kann: Bei Huckeln auf der Fahrbahn muss man abbremsen. Nicht, weil das irgendeine Regel des Straßenverkehrs besagt, sondern weil man sich ansonsten gegebenenfalls das kostbare Gefährt ruiniert. Da wir bezüglich Personenschadensversicherungen nirgends eine entsprechende Auskunft für unser potenzielles Mietauto bekommen konnten, wurde die Idee also auf Eis gelegt. Viel zu heikel, denn wir konnten nicht zu 100% ausschließen, dass wir bei diesem Chaos nicht doch irgendwen totfahren würden…

2) Obst und Gemüse? Fehlanzeige, es gibt Fleisch und Reis.

Als Vegetarier hat man es als Globetrotter nicht immer so leicht. Schon auf dem Jakobsweg hatte ich für mich beschlossen, dass ich es zwischendurch durchaus mit meinem Gewissen vereinbaren kann, einen (nach Möglichkeit frisch geangelten) Fisch zu verspeisen, um nicht – überspitzt gesagt – irgendwann durch ausschließlichen Reis- oder Kartoffelkonsum bedingtem Skorbut zu sterben oder keinen Bock mehr aufs Weltentdecken zu haben, weil meine Ernährung langweilig eintönig ist. Im Senegal gibt es so gut wie kein Gemüse, und auch Obst ist Mangelware. Da in dem Land nicht viel wächst, sind große Teile importiert, was sich dann auch in den Preisen widerspiegelt.

Dementsprechend gibt es auch in traditionellen Restaurants und an Straßenimbissen fast ausschließlich Reis mit Sauce und Fleisch oder Fisch. Das einzige Gemüse, das wirklich immer verfügbar ist, sind Zwiebeln, die sich dementsprechend in wirklich JEDEM Gericht wiederfinden. Wenn man dann auf gefühlt einem halben Kilo Reis oder Nudeln die kleinen Gemüsewürfel an einer Hand abzählen kann, sitzt man mitunter vor seinem Teller und könnte heulen, weil sich die nächtlichen Träume bereits um abwechslungsreiches Thai-Curry und mediterrane Gemüsepfannen drehen.

3) Überall Ruinen? Egal, Hauptsache, die Moschee steht!

Eine Sache, die mir schon in vielen anderen Ländern aufgefallen ist: der extrem hohe Stellenwert der Religion, der mich manchmal einfach nur den Kopf schütteln lässt. Einerseits soll jeder glauben, was er oder sie möchte. Und vermutlich werde ich es nie nachvollziehen können, was genau man von so einer starken Religiosität hat. Auch wenn es ich es höchst befremdlich finde, will ich mir darüber eigentlich auch gar kein Urteil erlauben. Leben und leben lassen.

Andererseits muss ich gestehen, dass in mir manchmal eine extreme Wut hochkocht, wenn ich sehe, dass ganze Städte quasi in Trümmern liegen, weil das Geld fehlte oder es nicht genug Baumaterialien gab, aber gleichzeitig eine prachtvolle Moschee oder ein gigantischer Tempel in der Mitte thront, der alle Blicke auf sich zieht. Dreck, Verwüstung und Elend. Und mittendrin ein strahlendes Bauwerk, das sich jeglicher Rationalität entzieht. Mag sein, dass viele Menschen daraus so etwas wie Hoffnung ziehen. Auf mich wirkt es allerdings wie Hohn und Spott – im Kleinen in vielen senegalesischen Dörfern, in Perfektion in der hässlichen Metropole M‘Bour und natürlich auch in Dakar.

4) Na, sind wir denn hier in Frankreich?

Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Natürlich hat die lange Kolonialzeit im Senegal Spuren hinterlassen, die man auch heute noch an jeder Ecke sieht. Die Amtssprache ist Französisch, die großen französischen Supermarktketten haben sich in den Touristenorten ausgebreitet und der Senegal scheint für die Franzosen fast schon ein heiliges Urlaubsmekka zu sein, in das man fliegt, um einige gewohnte Annehmlichkeiten von zu Hause vor Ort zu haben, aber trotzdem eine exotische Fernreise gemacht zu haben.

Gefühlt 99% der Reisenden kommen aus unserem Nachbarland im Westen und wir haben es tatsächlich geschafft, in fast zwei Wochen keine anderen Nationalitäten zu treffen (außer einer geführten Reisegruppe im Bandia-Reservat und den Deutschen, die eben auch auf der Hochzeit eingeladen waren). Fast alle Hotels und Restaurants, die einem gewissen Standard entsprechen, werden von ausgewanderten Franzosen (seltener auch Belgiern) betrieben, die bekanntlich sowieso auch nicht die besten Fremdsprachen-Profis sind. Für alle Nicht-Franzosen heißt das im Umkehrschluss: Wer kein Französisch spricht, ist ziemlich aufgeschmissen, denn mit Englisch kommt man nicht weit und die Senegalesen gehen fast schon davon aus, dass sie mit allen Touristen auf Landessprache kommunizieren können.

5) Ehrlich währt am längsten!

Eine Sache müssen wir den Senegalesen wirklich mal lassen: Sofern man sich nicht an den großen Touristenattraktionen herumtreibt, sind sie ausgesprochen ehrlich. Auf vorher ausgehandelte Taxi-Preise kann man sich im Normalfall genauso verlassen wie auf bestellte Shuttles, die einen irgendwo abholen oder sogar noch mit dem gesamten Gepäck im Auto irgendwo drei Stunden lang warten sollen, bis man die Attraktion, die mehr oder weniger spontan auf dem Weg lag, auch noch ausgiebig erkundet hat.

Am Lac Rose und an ähnlichen Touri-Bespaßungen muss man allerdings wirklich aufpassen und sich am besten schon vor der Anreise genau über alle Preise etc. informieren – wir sind den selbsternannten Guides nämlich direkt ins Netz gegangen, da man uns bereits am Parkplatz abgefangen und uns mit hanebüchenen Lügengeschichten à la „Das ist hier ein strenges Naturschutzgebiet und ihr dürft hier nicht ohne Guide spazieren gehen“ und „Es ist hier sehr gefährlich, einem Touristen wurde gerade neulich seine Kamera von einem der vielen psychisch Gestörten geklaut, die extra aus Dakar herkommen, um Menschen zu überfallen“ so lange verunsichert hat, bis wir dann doch Ja zu seiner abartig überteuerten Pirogenfahrt gesagt haben.

Ein typischer Blick aus dem Autofenster

6) Leben wie auf einer Mülldeponie

Vielleicht denkst du jetzt, ich übertreibe? Glaub mir, das tue ich nicht. Im Gegenteil. Noch nie in meinem Leben habe ich – abseits von einer Deponie – so viel Müll gesehen. Nirgends, in keinem Land, das ich je bereist habe. Wenn insbesondere in südeuropäischen oder asiatischen Ländern durchaus mal ganze Müllberge irgendwo in den Wald geschmissen wurden, fand ich das schon immer befremdlich und war der festen Überzeugung, das sei das absolute Ende der Fahnenstange. Aber nein, im Senegal sieht es tatsächlich überall so aus, wie man das sonst nur aus gruseligen TV-Dokumentationen über Armut in Afrika kennt. Und das, obwohl der Senegal durchaus noch eins der wohlhabenderen Länder auf dem afrikanischen Kontinent ist.

Egal, wo man hinschaut: Es türmt sich der Müll. In der Innenstadt wie außerhalb der Städte. Ein Bewusstsein für die Umwelt scheint es hier nicht (mehr?!) zu geben und die Flut an Plastik ist allgegenwärtig. Man braucht irgendwas nicht mehr? Wird einfach fallengelassen oder aus dem Autofenster geschmissen. Das lokale Verständnis des Adjektivs „schön“ scheint gänzlich anders zu sein als das, was wir aus Westeuropa gewohnt sind. Ein Restaurant in einer Wellblechhütte kann durchaus schon mal bunt gestrichen und mit dem Namen „La Belle Soirée“ (auf Deutsch „schöner Abend“) versehen worden sein.

Das schließt aber offenbar nicht aus, dass man dann auf einem Hocker zwischen stinkenden Müllhaufen sein Dinner zu sich nehmen muss, weil alles, was nicht unmittelbar zur Bewirtung gehört, nicht als zum Aufgabengebiet gehörend wahrgenommen wird. In den teureren Wohngegenden wird jeden Abend fleißig gekehrt – allerdings nur vor der eigenen Haustür, das ganze Plastik landet dann einfach vor der Bordsteinkante.

Noch schlimmer ist es nur bei Überlandfahrten, wenn man teilweise stundenlang aus dem Fenster gucken kann und nichts zu sehen bekommt außer Müll, der sich entlang der Straße türmt. Selbst am Strand sind nur ein paar Meter freigeräumt und hinter den nächsten Hügel oder das nächste Boot gekehrt, dass man beim Sonnenbaden und Cocktailschlürfen auf einer der Liegen nicht sieht, wie schrecklich es um einen herum aussieht…

Hin und wieder entdeckt man ein nettes Fotomotiv.

…und so sieht es aus, wenn man ein paar Meter weitergeht.

7) „Ahhh, eine Mücke – wir werden alle sterben!“

Die Panik vor einer möglichen Malaria fing schon an, als wir bei der Tropenärztin saßen, die uns unmissverständlich klarmachte, dass wir auf gar keinen Fall ohne Malaria-Prävention in den Senegal reisen dürften. Die WHO und sämtliche Experten dieses Planeten seien sich einig darüber, dass das Land im Hinblick auf die Tropenkrankheit zu den gefährlichsten weltweit gehöre. Und dass wir als ansonsten ungeschützte Westeuropäer uns quasi sofort anstecken würden – denn selbst mit entsprechender Prophylaxe könne man sich (wenn auch deutlich unwahrscheinlicher) noch infizieren. Also fingen wir schon einen Tag vor der Abreise fleißig damit an, Tabletten zu schlucken.

Während 75% unserer vierköpfigen Reisegruppe wenig bis keine Nebenwirkungen von den Tabletten hatte, setzten mir die Dinger richtig zu. Bei über 30 Grad Außentemperatur saß ich am zweiten Tag unserer Reise während der senegalesischen Trauung auf einer der Kirchenbänke und hatte abwechselnd Gänsehaut (die nicht nur von dem unglaublich guten Gospelchor kam), Schüttelfrost und Hitzewallungen. Dazu noch Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme.

Glücklicherweise wurde das Ganze am dritten oder vierten Tag allmählich besser, denn ich war so sehr zum Malaria-Hypochonder geworden, dass ich es nicht wagte, die Tabletten abzusetzen. Einige andere Reisende hatten sich gar keine Prophylaxe besorgt und haben es auch überlebt. Trotzdem hat mich die ständige Suche nach Löchern im Moskitonetz, die exzessive Benutzung von Insektenspray und die nächtliche Mückenzerstörung im Zimmer mehr als nur wahnsinnig gemacht.

8) Bloß nicht zu viel nachdenken…

Für Grübler wie mich (und auch Simon) ist der Senegal nicht unbedingt das beste Reiseziel, denn man wird extrem häufig mit Situationen konfrontiert, die einen tief nachdenklich und oft auch ziemlich traurig machen. Man muss schon ein echt hartes Fell haben, wenn einen die bettelnden Kinder kalt lassen sollen, die einem des Öfteren nachgiebig an der Kleidung herumzupfen, oft viele Meter lang verfolgen und mit flehenden, traurigen Augen anschauen. Was hatte ich mir denn auch gedacht?

Da kommt man als wohlhabende Weiße in ein wirtschaftlich armes Land und wundert sich tatsächlich darüber? Eigentlich war es ja klar, aber der Kloß im Hals wurde davon trotzdem nie kleiner und manches Mal wäre ich am liebsten in Tränen ausgebrochen, wenn eine Gruppe Kinder alte Autoreifen oder gefährliche Obstmesser und Rasierklingen als einziges Spielzeug hatte und oft schon happy war, wenn man ihnen statt Geld ein paar Bananen geschenkt hat.

9) Und plötzlich sitzt man im Dunkeln

Wie sehr eine batteriebetriebene Taschenlampe manchmal von Vorteil wäre, wird einem erst bewusst, wenn man zurück ins Hotel kommt und der Strom sich in der Zwischenzeit ganz offensichtlich verabschiedet hat. Stromausfälle sind uns im Senegal zwar des Öfteren begegnet, dafür haben sie aber glücklicherweise nie sonderlich lange angehalten. Und da die Hotelbesitzer für solche Fälle durchaus gewappnet sind und ihr Equipment entsprechend angepasst haben, stand auch trotz teilweise verschollener Elektrizität immer ein warmes Frühstück auf dem Tisch – und ganz ehrlich: Dass WLAN und Co. konstant einwandfrei funktionieren, damit hatte von uns ja sowieso niemand gerechnet.

10) Oh, oh, lieber einen großen Bogen machen…

Ein Punkt, den ich am liebsten gar nicht in diese Liste aufgenommen hätte, denn ich muss mich bemühen, ihn so politisch korrekt zu formulieren, dass das, was ich eigentlich nur beschreiben möchte, nicht gänzlich falsch aufgefasst wird. Bei unserer Ankunft am Flughafen hat sich, ohne das wir das wollten, erst einmal ein flaues Gefühl im Magen breitgemacht. Warum? Nun ja, es war mitten in der Nacht, stockdunkel draußen – und wir die einzigen Weißen. Eine bei Dunkelheit dicht an dicht stehende Gruppe Schwarzer in Lederjacken hat bei Simon und mir traurigerweise eine Art Fluchtreflex zur Folge, der uns selbst fast schon peinlich ist.

Aber solche tuschelnden Gruppen waren es in Europa in der Vergangenheit oft, um die wir lieber einen großen Bogen gemacht haben. Wenn ich als Frau durch die Pariser Banlieue gegangen bin und nur in seltenen Fällen mal nicht angemacht wurde. Oder wenn man in Bielefeld auf dem Kesselbrink oder in Berlin im Görlitzer Park den Schritt beschleunigt, weil man sich ganz schön unwohl fühlt. Und dann kommt man in Dakar an und ist fassungslos über sein beschissenes Unterbewusstsein, das einen für den Bruchteil einer Sekunde wie einen Trottel dastehen lässt, weil man auf einmal tatsächlich einen Kloß im Hals hat. Wegen… ganz normalen Menschen, die man fälschlicherweise verdächtigt, nur weil das Hirn aus eigenen Erfahrungswerten ein Muster gebastelt hat.

Nein, selbst ich als weltoffene Reisende bin also scheinbar nicht gänzlich frei von Vorurteilen, obwohl ich es besser weiß. Genau darum war es mir auch wichtig, diesen Punkt hier aufzunehmen: weil unsere Politik in vielen Bereichen endlich anfangen muss, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen, um einen weiteren Rechtsrutsch in der Gesellschaft zu vermeiden. Denn: Wie muss es erst Menschen gehen, die es nicht besser wissen, weil sie noch nicht überall auf der Welt andere Nationalitäten kennenlernen durften?

Ein „modernes“ Wohngebiet in Dakar.

11) Keinerlei Sicherheitsbedenken

…und genau da kommen wir schon zum nächsten Punkt: Das Einzige, was im Senegal wirklich gefährlich ist, dürfte wohl der Straßenverkehr sein. Genau so schnell, wie wir bei der Ankunft am Flughafen ein flaues Gefühl im Magen hatten, genau so schnell konnten wir uns auch davon überzeugen, dass der Senegal ein ziemlich sicheres Reiseland ist. Egal wo wir waren, konnten wir eigentlich immer überall gedankenverloren durch die Straßen schlendern.

In den Hotels gab es meist keinen Safe, aber wir hatten auch nicht das Gefühl, dass ein solcher notwendig wäre. Genauso wenig wie übermäßige Vorsicht mit seinen Wertsachen. Im Prinzip konnten wir beim Thema „Sicherheitsgefühl“ nicht wirklich einen nennenswerten Unterschied zu Deutschland ausmachen – auch nicht in Ecken, die auf den ersten Blick etwas zweifelhaft wirkten. Wobei man hier natürlich sagen muss, dass wir darauf verzichtet haben, bei Dunkelheit durch die Straßen zu geistern.

12) Friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen

Eine Sache, die uns allen sofort positiv aufgefallen ist: das friedliche Miteinander der verschiedenen Religionen im Senegal. Obwohl in dem westafrikanischen Staat 95% der Einwohner dem Islam angehören, sind uns keinerlei Spannungen zwischen ihnen und den christlichen und jüdischen Minderheiten aufgefallen. Moscheen prangen hier genauso in der Landschaft wie Kirchen, auf Kopftücher (geschweige denn Vollverschleierung) trifft man nur sehr selten und generell scheint es kaum eine Rolle zu spielen, welcher Religion man denn nun angehört.

Klar, schon allein zahlenmäßig sind die Muslime natürlich stark überlegen – allerdings führt das in der Gesellschaft offenbar zu keinen größeren Problemen, denn man ist auch über die Grenzen der Religion hinweg befreundet, respektiert sich gegenseitig und löst kleine Schwierigkeiten ganz pragmatisch: Ob Speisen jetzt Schweinefleisch oder Alkohol enthalten oder halal sind, wird beispielsweise einfach mit einem Sternchen auf der Speisekarte vermerkt.

13) Und was machen wir jetzt den ganzen Tag?

Der Senegal wird in letzter Zeit immer häufiger als touristischer Geheimtipp gehandelt. Geheim vielleicht in dem Sinne, dass sich im Vergleich zu anderen Ländern noch nicht viele Touristen dorthin verirren. Und dass es gar nicht so einfach ist, Informationen zu finden, denn die wenigen Reiseführer, die es bisher gibt, sind auf Englisch oder Französisch verfasst, und auch das Internet bietet nicht gerade herausragend viele Infos. Der Lac Rose und die Sklaveninsel Gorée bei Dakar sowie das Reservat Bandia standen letztendlich auf unserem Plan, wovon uns allerdings nur Letzteres so wirklich vom Hocker gehauen hat.

Der angeblich rosafarbene See, der auf sämtlichen Fotos im Internet wunderbar gephotoshopped wurde, entspricht in der Realität nicht im Geringsten den Erwartungen, denn selbst zur angeblich besten Besuchszeit für den farblichen Effekt sah das Wasser eher ziemlich suppig aus. Die Farbe? Naja, maximal orange, eher grützig-braun. Zur Sklaveninsel Gorée sind wir gar nicht mehr gefahren, weil das nicht mehr so gut in unseren Plan passte. War ich jetzt aber auch nicht sonderlich traurig drum, denn laut der Einheimischen wird man dort als Tourist noch mehr genervt als schon am Lac Rose – außerdem rankt sich um die Insel mittlerweile das Gerücht, dass die Legende, dass Gorée Hauptumschlagplatz des Sklavenhandels war, mittlerweile widerlegt ist und nur noch für den Tourismus aufrechterhalten wird.

Ja, und sonst so? Nun ja, genau das ist das Problem. Das touristische Angebot des gesamten Landes ist nicht wirklich der Rede wert, die Strände sind verwahrlost und die karge Natur bietet abgesehen von der ein oder anderen Lagune auch nichts, was irgendwie interessant wäre. Ein Wohlfühlfaktor ist auch nicht aufgekommen, denn meist waren die Hotels die einzigen hübschen Oasen, in die man sich nach einem Spaziergang durch Staub, Müll und Ruinen flüchten konnte. Nicht so cool, wenn man sich auf das Afrika-Abenteuer gefreut hat und sowieso nicht gerne tagelang am Pool dem Nichtstun frönt. Eigentlich nicht so das Problem, denn im Normalfall stürze ich mich ja bekanntlich einfach in die Kultur und schaue mir an, wie die Einheimischen so leben. Aber auch das gestaltete sich schwierig:

14) Zweifelhafte Gastfreundschaft

Ich weiß, ich weiß. Das klingt hier alles echt nicht gerade positiv. Und es gibt sicher auch viele Leute, die für eine Reise in den Senegal eine Lanze brechen würden. Ich gehöre aber nicht dazu und fände es falsch, eine komplette Reise auf meinem Blog auszulassen, nur weil ich mal nicht amused war. Gut, kommen wir also zu der Sache mit der Gastfreundschaft. Ich bin ja ein breites Spektrum gewöhnt. Von Großstädtern in Europa, die meist ihr eigenes Ding machen und sich auch nicht sonderlich für Touristen interessieren, weil sie eben schon zum Alltag gehören – bis hin zu den Iranern, die am liebsten jeden Ausländer für immer bei sich aufnehmen würden und sich fast schon darum kloppen, es den Gästen so unvergesslich wie nur irgend möglich zu gestalten.

Bei unserer Reise in den Senegal war ich hingegen oft am Grübeln. Ist die Gastfreundschaft echt oder nur gespielt? Werden wir nur nett behandelt, wenn (beziehungsweise weil) wir dafür ja ordentlich Geld auf den Tisch legen? Das habe ich auch in Marokko häufig erlebt, mich aber trotzdem irgendwie nie unwohl deswegen gefühlt. Im Senegal hingegen kam ich mir ständig beobachtet vor, denn wir wurden manchmal doch ganz schön argwöhnisch gemustert, wodurch ich mich manchmal fast schon unerwünscht gefühlt habe. Außerdem kann ich jetzt endlich verstehen, was eine dunkelhäutige Freundin von uns damit meint, wenn sie sagt, dass es sie manchmal ganz schön nervt, dass sie in ihrer und unserer Heimat Deutschland ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht…

15) Moment mal… Echt jetzt?!

Was hingegen wirklich witzig war, waren diese Kleinigkeiten, die man sieht und nicht sofort einordnen kann. Vielleicht kennst du diese Situation auch? Du spazierst nichtsahnend durch die Straßen, nimmst irgendetwas aus dem Augenwinkel wahr und bleibst den Bruchteil einer Sekunde später verwirrt stehen, weil das, was du gerade gesehen hast, nicht in deinen bisherigen Erkenntnisradius passt. Auf den ersten Blick ein Fehler in der Matrix. Warum zur Hölle machen die das so, wie sie es machen? Manchmal sind andere Lebensweisen nur schwer zu verstehen, aber trotzdem akzeptiert man sie und verbucht sie in die Kategorie „Ich muss nicht alles verstehen“.

Im Senegal gehört es zum Beispiel zum Alltag, dass im Stau der Großstädte unzählige Straßenhändler herumschwirren, die einen mit überlebenswichtigen Dingen versorgen: mit Snacks, kalten Getränken, Stoßstangen. Stoßstangen? Ja, du hast richtig gelesen – und wenn du jetzt kurz komisch geguckt hast, kannst du dir sicher in etwa vorstellen, wie verwirrt waren, als so ein Verkäufer an unserem Taxi vorbeikam. Gut, bei dem Zustand vieler Autos ist das nicht sonderlich verwirrend, aber so eine Stoßstange to go ist eben doch mal was Neues.

Der Fahrer dieses Taxis könnte vielleicht sogar wirklich zuschlagen…

16) Wunschdenken vs. Realität

Eine Frage, die uns immer noch im Kopf rumspukt ist, warum so viele Senegalesen nichts machen, um ihre Situation zu verbessern. Ist das vielleicht auch einfach ein kultureller Unterschied, dass man manche Dinge einfach so hinnimmt? Oder sie vielleicht auch gar nicht wahrnimmt? Sicherlich könnte man da massenweise wissenschaftliche Studien zu heranziehen oder in Auftrag geben und ich möchte das auch gar nicht bewerten. Aber in den Augen eines Europäers passen viele Verhaltensweisen irgendwie nicht zusammen. Ganz offensichtlich wird der „westliche“ Wohlstand von allen Seiten bewundert. Wer es sich leisten kann, kauft sich teure Autos aus dem Ausland, hat die neueste Technik, baut sich ein Haus, das zwischen den vielen kleinen Häuschen komplett aus der Reihe fällt. Und auch die, die es sich nicht leisten können, scheinen zwar ihre Traditionen beibehalten zu wollen, sind aber trotzdem fasziniert vom modernen, globalisierten Leben des 21. Jahrhunderts.

Aber: Irgendwie klappt das offenbar nicht so ganz mit dem Verstehen vom Zusammenhang zwischen Handeln und Wirkung. Ich weiß nicht, ob man im Senegal glaubt, in Europa sei der Wohlstand einfach so vom Himmel gefallen und jeder, der eben dort ist, schwimmt automatisch im Geld. Zumindest kam es mir oft so vor. Anders kann ich mir manch eine Verhaltensweise nicht erklären. Warum zum Beispiel hat man ein kleines, niedliches Restaurant in bester Lage, an dem so circa jeder Tourist des Landes irgendwann mal vorbeikommt (weil es ja eben nicht so viele Sehenswürdigkeiten gibt) – und kümmert sich dann nicht drum, dass es irgendwie attraktiv ist?

Ich kenne jedenfalls keinen Touristen, der auf einer Terrasse essen möchte, neben der sich in einem Meter Entfernung der Müll stapelt. Und statt einfach mal etwas aufzuräumen, sitzen die Besitzer selbst auf der Terrasse, haben ihre kleine private Mülldeponie ständig im Blick, drehen Däumchen und wundern sich, dass keine Gäste kommen. Und wenn eh keine Gäste da sind, muss man sich ja auch keine Mühe geben. Da schließt sich der Teufelskreis und die Abwärtsspirale nimmt halt so ihren Lauf. Einen sehr interessanten Reisebericht mit tieferer Recherche habe ich übrigens hier gefunden.

17) Damn, ist das teuer!

Machen wir es kurz: Eine Reise in den Senegal ist ein verdammt teurer Spaß. Während Dinge wie Taxi- und Busfahrten, einheimische Lebensmittel und alles, was man im Senegal eben klassisch im Alltag benutzt, für jemanden mit europäischem Geldbeutel ziemlich billig sind, sind die Preise der tourispezifischen Sachen ganz schön happig. (Gute) Hotels sind schnell ausgebucht und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage scheint so unausgeglichen, dass man für ein Doppelzimmer oder Bungalow (je nach Lage und Ausstattung) mit durchschnittlich 50 Euro pro Nacht rechnen kann. Manchmal ergattert man ein Schnäppchen für 30 Euro, weitaus häufiger zahlt man aber eher 60-80 Euro für eine Übernachtung.

Auch die Preise für Lebensmittel sind nicht ohne. Klar, solange man immer das isst, was die Senegalesen auch essen, ist es günstig. Aber das ist schnell extrem eintönig, denn meistens gibt es Reis mit extrem totgekochtem Fleisch. Da können die Einheimischen natürlich nichts für, denn sonderlich fruchtbar ist das Land nicht und das einzige Gemüse, was in rauen Mengen fester Bestandteil eines jeden Essens ist… sind Zwiebeln. In den großen Supermarktketten kosten die Importprodukte mitunter sogar deutlich mehr als in Europa. Die meisten Hotels unter französischer Leitung haben immerhin meist auch ein Restaurant inkludiert, in dem man dann für 10-15 Euro fürstlich speisen kann. Aber ganz ehrlich? Ich bin kein großer Fan davon, in meinem Hoteltempel zu sitzen und zu wissen, dass auf allen Tischen außerhalb unserer Unterkunft nur Reis, Zwiebeln und eventuell noch trockenes Hähnchen landen.

18) Bloß auf nichts verlassen!

Verlass dich auf irgendwas und du bist verlassen. Ein Sprichwort, das im Senegal ganz besonders viel Wahrheit beinhaltet. Und nein, ich denke gerade nicht an überzogene Luxusvorstellungen, denn wenn du meinen Blog schon länger liest, weißt du sicher, dass ich zwar gewisse Ansprüche habe, generell aber mit sehr wenig zufrieden bin. Im Senegal fährt man aber wirklich besser damit, wenn man sämtliche Erwartungen und Ansprüche ganz, ganz weit runterschraubt. Das fängt bei nie vorhandenem Wechselgeld und leeren Geldautomaten an und zieht sich so durch die Reise durch…

Du hast schon seit zwei Monaten eine Hotelbuchung? Nein, das bedeutet natürlich nicht, dass dein Hotel auch wirklich ein Zimmer für dich parat hat – kommt halt vor, dass die Buchung irgendwie verschollen ist und jetzt andere Gäste in dem für dich vorgesehenen Bett schlafen und sich lautstark im Pool vergnügen, während du irgendwo im Nirgendwo in der prallen Hitze stehst und hoffst, dass sich das Ganze noch als schlechter Scherz herausstellt.

Dein Flug sollte eigentlich nach Dakar gehen? Joa, tut er an sich auch, aber kurz vor der Abreise wird der neue internationale Flughafen in Thiès fertiggestellt und obwohl es noch so gut wie keine Infrastruktur gibt, wird alles dorthin verlegt. Wie man dann von dort aus nach Dakar kommt, ist halt sein eigenes Problem. Und wo der Mietwagen, den du eigentlich gebucht hattest, nun steht, das weiß auch keiner, denn die Station befindet sich ja am alten Flughafen und am neuen gibt es noch keine.

Genauso wenig kannst du übrigens erwarten, dass ein Restaurant mit Speisekarte auch wirklich die Speisen, die auf der Karte stehen, im Angebot hat. Am besten fragst du einfach, was es denn gibt, denn das spart viel Zeit. Ein fünfminütiger Wechsel aus „Ich hätte gerne XY“ und „Haben wir nicht“ kann mitunter ganz schön frustrierend sein. Außerdem kann es schon mal vorkommen, dass es an einem Sonntag generell keine Getränke mehr gibt. Ist ja schließlich Wochenende. Ach ja – wundere dich auch nicht, wenn du mit deinen Freunden beispielsweise die einzige Strandbar am angeblich geheimen Strand (der so geheim ist, dass er bei Google Maps verzeichnet ist) aufsuchst und kommentarlos drei Cola und eine Sprite auf den Tisch gestellt bekommst, obwohl du vier Cola bestellt hattest. Hattest du etwa erwartet, dass eine Strandbar die unglaubliche Quantität von vier Dosen Cola auf Lager hat? Also bitte…

19) Sextourismus im Senegal: Spiegelverkehrtes Thailand…

Dass Thailand schon seit Ewigkeiten der Sextourismus-Ruf verfolgt, ist ja nichts Neues. Dass der Senegal damit allerdings auch ein ernstes Problem hat, war mir bisher nicht bekannt. In manchen Hotels hing sogar ein Schild an unseren Zimmertüren – mit der Bitte um Verständnis, sollte es zum unwahrscheinlichen Fall einer nächtlichen Durchsuchung durch die Polizei kommen, weil es in der Vergangenheit häufig Probleme mit sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kam. Während sich in Thailand viele Männer Sex mit ihren (teilweise pervers) jüngeren „Freundinnen“ kaufen, scheint es im Senegal komplett andersrum zu sein.

Nicht nur einmal durften wir beobachten, wie sich Französinnen jenseits der 50 beispielsweise halbnackt auf ihrer Sonnenliege räkelten und ihre sehr viel jüngere, muskelbepackte senegalesische Urlaubsbekanntschaft, die sichtlich genervt und angeekelt wirkte, immer mal wieder begrapschten. Oder wenn ähnliche Paare durch den Supermarkt schoben und der männliche Part mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter ein paar Gegenstände in den Einkaufswagen lud. Scheinbar haben die Sextouristinnen im Senegal nicht einmal den Anspruch, dass ihre käuflich erworbene Eroberung zumindest so tut, als würde sie wirklich an ihr interessiert sein… Schrecklich.

20) Die Schere zwischen Arm und Reich

Und damit meine ich nicht nur die Moscheen, die an vielen Orten mit ihrer glanzvollen Pracht wie reiner Hohn wirken. In Dakar thront beispielsweise eine riesige Statue: Das knapp 50 Meter hohe und etwa 27 Millionen Dollar teure Monument de la Renaissance africaine wurde vom ehemaligen Präsidenten in Auftrag gegeben, der das Land Schritt für Schritt immer weiter von einer Demokratie entfernt hatte. Dass das unverhältnismäßige Mega-Bauwerk in Nordkorea hergestellt, häppchenweise in den Senegal transportiert wurde und sogar Kim Jong-il bei der feierlichen Eröffnung dabei war, sagt ja schon alles.

Wenn man dann ein paar Blocks weiter zwischen zerfallenen Häusern steht, die Statue von oben auf einen herabblickt, und man genau weiß, dass der Präsident mit seiner Familie in Saus und Braus lebt, fühlt sich vermutlich kein Afrikaner „stolz“ oder „unabhängig“, sondern eher ziemlich verarscht. Kein Wunder, dass die Bevölkerung heftigen Widerstand geleistet und das Bauwerk weitaus mehr Kritik als Begeisterung hervorgerufen hat.

Nein, für mich wird es so schnell vermutlich keine Rückkehr in den Senegal geben – auch wenn ich Orten, von denen ich nicht so überzeugt war, immer gerne eine zweite Chance gebe, glaube ich nicht, dass der Staat in Westafrika mein Herz noch gewinnen könnte. Lass dich aber bitte trotzdem nicht davon abhalten, das Land zu bereisen, wenn du es möchtest. Wie gesagt: Wie immer ist das hier nur mein persönlicher Eindruck und meine Meinung. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

 

Warst du schon mal im Senegal? Wie war es?

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