Mit Chiapas war es mal wieder so, wie es auf Reisen ganz oft ist: Das Unscheinbarste, von dem man eigentlich am wenigsten erwartet, stellt sich als totales Highlight heraus. Nicht nur einmal standen wir mit offenen Mündern an einem Aussichtspunkt und konnten es nicht so ganz glauben, dass Mutter Natur einmal mehr so ein krasses Kunstwerk geschaffen hat. Auch wenn wir natürlich nicht jede Ecke des Bundesstaats zu Gesicht bekommen haben, möchte ich dir unsere absoluten Höhepunkte der Sehenswürdigkeiten in Chiapas vorstellen!

Da ist er also: der erste Blogartikel von unserer Weltreise. Sicher hast du darauf schon länger gewartet. Bisher vergeblich, das wissen wir beide. Ich könnte mich dafür jetzt entschuldigen, aber wenn wir mal ganz ehrlich sind… Nein, ich muss mich nicht entschuldigen. Vielmehr bin ich froh, jetzt hier auf der Terrasse in Puerto Escondido zu sitzen, aufs Meer zu blicken und mir heute Morgen ganz plötzlich gedacht zu haben: Jetzt ist es so weit. Heute habe ich Lust zu schreiben. Und es ist schön, dass das endlich wieder so ist, denn diese ganze Scheinwelt, die in sozialen Medien auf die Spitze getrieben wird, hat mich regelrecht in den Wahnsinn getrieben.

Nein, mein Blog soll keine Werbeplattform werden. Mein Blog soll keine Fahne im Wind werden, die nur das veröffentlicht, was andere Leute lesen wollen. Und vor allem soll mein Blog keine Pflichtveranstaltung werden, damit ich meine Brötchen bezahlen kann. Das ginge nämlich an der ursprünglichen Idee dieses Blogs vorbei. Und meine Brötchen kann ich glücklicherweise auch ohne Werbeplatzierungen und Verkaufsprovisionen von teils zweifelhaften Großkonzernen bezahlen. Ich schweife vom Thema ab. Ist aber auch egal, denn nachdem ich Social Media nun endlich vollständig abgesägt habe, bleibt mir nur mein eigener Blog, um dich bezüglich meines Innenlebens auf dem Laufenden zu halten. Und darum geht es hier ja eigentlich. So. Nun aber zu Chiapas, haha.

Sehenswürdigkeiten Chiapas: Highlights in Mexikos Süden

Hätte mich letztes Jahr jemand nach meiner Meinung zu Chiapas gefragt, hätte ich ihn sicher verständnislos angeguckt, verwirrt den Kopf geschüttelt und zugeben müssen, dass ich gar keinen Plan hatte, wo dieses Chiapas denn eigentlich liegen soll. Vermutlich hätte ich es nicht einmal Mexiko zugeordnet. Im Januar war ich dann schlauer – aber immer noch nicht überzeugt davon, mir diesen Bundesstaat unbedingt anschauen zu müssen. Dazu beigetragen hat der Lonely Planet, den ich in den letzten Wochen ständig verflucht und letztendlich in einem Hotel „vergessen“ habe.

Während ich mich generell vor jeder Reise gerne durch einen Reiseführer blättere, war ich dieses Mal total enttäuscht, denn unsere Meinung zu einem Ort war fast immer das komplette Gegenteil von dem, was uns die Lonely Planet-Autoren glauben lassen wollten. Seit wir jetzt einfach nur „der Nase nach“ und vollkommen planlos durch die Gegend reisen, haben sich die schönsten Augenblicke mal wieder ganz von allein ergeben. Und auch wenn es in den letzten Wochen eine Seltenheit war, wenn wir ausnahmsweise mal keine Probleme aus den Kategorien Gesundheit, Stromversorgung, Internetverbindung hatten, haben wir Chiapas zumindest für seine Natur ins Herz geschlossen.

Von den knapp fünf Millionen Einwohnern ist ca. eine Million indigener Abstammung und die Mexikaner bezeichnen den Bundesstaat gerne als die Region Mexikos, die zwar am meisten hat, aber gleichzeitig am ärmsten ist. Was genau das bedeutet, haben wir auch erst nach einer gewissen Zeit festgestellt. Wenn man einen Blick auf die unglaublichen Naturwunder und die optimale Fruchtbarkeit der Landschaft wirft, vergisst man fast schon die Unzufriedenheit der Einwohner mit der Politik, den jämmerlichen Löhnen und der stark verbesserungswürdigen Infrastruktur in allen Bereichen. Aber sieh selbst:

1) Cañón del Sumidero, der Grand Canyon Mexikos

Das absolute Highlight unserer Reise durch Chiapas war der Cañón del Sumidero, der vollkommen zurecht auch oft als „Grand Canyon Mexikos“ bezeichnet wird. Den „echten“ Grand Canyon in den Staaten kenne ich zwar bisher nur von Fotos, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der cooler wäre als die mexikanische Version. Ehrlich gesagt waren unsere Erwartungen nicht sonderlich hoch, denn wir hatten uns vorher noch keine Fotos angeguckt und Gerüchte gehört, dass der Cañón ein gewaltiges Müllproblem habe. Das können wir aber nicht bestätigen und wir waren total geflasht von den teils über 1000 Meter hohen Felswänden.

Obwohl man von San Cristóbal (wo wir uns einen Monat lang für einen Sprachkurs einquartiert hatten) aus unzählige Touren zum Cañón del Sumidero unternehmen kann, haben wir uns dafür entschieden, auf eigene Faust hinzufahren – schließlich hatten wir an den Wochenenden sowieso genug Zeit und mussten uns so nicht von Abfahrtszeiten und oft knapper Aufenthaltsdauer stressen lassen. Das können wir auch nur empfehlen, denn es war kinderleicht: Die Bootsanleger liegen in Chiapa de Corzo, einer kleinen Stadt zwischen Tuxtla Gutiérrez und San Cristóbal de las Casas.

Von Tuxtla aus kann man direkt ein Colectivo (Sammeltaxi) nach Chiapa de Corzo nehmen, von San Cristóbal aus nimmt man ein Colectivo Richtung Tuxtla und sagt dem Fahrer, dass man den Cañón de Sumidero besichtigen möchte – dann wird man an der Stelle an der Autobahn rausgelassen, wo die Colectivos Richtung Chiapa de Corzo kreuzen. Für Hin- und Rückfahrt haben wir so pro Person ca. 50 Pesos (etwa 2 Euro) bezahlt. Aussteigen kannst du direkt am großen Platz in Chiapa de Corzo und musst nur ein paar Minuten in südwestlicher Richtung zum Flussufer gehen, wo verschiedene Anbieter ablegen. Wir haben uns für eine knapp dreistündige Bootstour mit der „Sociedad Cooperativa Angel Albino Corzo“ entschieden, die pro Person 200 Pesos (etwa 9 Euro) gekostet hat und jeden Cent wert war. Ich will gar nicht wissen, was ein Äquivalent im Grand Canyon von Arizona kosten würde, haha.

Vor der Tour sollte man nochmal auf die Toilette gehen und sich mit Getränken eindecken. Gegebenenfalls auch mit Sonnencreme, denn nach der Fahrt durch den Cañón hatte ich auf dem rechten Oberschenkel einen perfekt designten roten Fleck – die Sonne knallt nämlich ganz schön vom Himmel. Kopfbedeckungen sind nur empfehlenswert, wenn man sie festschnüren kann. Die Boote machen ganz schön Speed (wir haben uns manchmal wie in einer Achterbahn gefühlt, Adrenalin pur) und Strohhüte bleiben zu 100% nicht dort, wo man sie haben will.

Ein weiterer Grund für eine individuell geplante Fahrt zum Cañón del Sumidero ist die kleine Stadt Chiapa de Corzo an sich. Dort gibt es zwar nicht viel zu sehen, aber man kann gut an den Verkaufsständen vorbeischlendern oder etwas auf dem großen Platz im Zentrum entspannen und ein Eis essen. Während der Eroberung der Spanier stürzten sich übrigens unzählige Frauen und Kinder des Stammes der Chiapa (nach denen die Stadt benannt ist) in den Cañón, um durch Selbstmord der Versklavung zu entgehen und lieber einen freien Tod als ein fremdbestimmtes Leben in Kauf zu nehmen. Wenn man das weiß, schaut man auf die endlos erscheinenden Felswände doch nochmal mit einem anderen Blick…

2) Ruinen von Palenque

Dass ich die Maya-Ruinen in Palenque doch noch zu Gesicht bekommen habe, habe ich eigentlich nur Simon zu verdanken, denn er hat darauf bestanden, dass wir uns die auch noch anzuschauen. Nach den Ruinen von Tulum (langweilig) und Ek Balam (richtig spektakulär) war mein Ruinen-Barometer eigentlich vorerst voll genug, aber ausgerechnet Simon, der normalerweise ein noch größerer Kulturbanause ist als ich es bin, wollte unbedingt noch ein paar alte Steine anschauen, haha.

Das hat sich als totaler Glücksgriff herausgestellt, denn die Ruinen von Palenque sind mindestens so interessant wie die von Ek Balam. Die Aussicht vom höchsten Punkt aus ist unbeschreiblich schön und die Anstrengung der vielen Treppenstufen war schnell vergessen. Generell muss ich sagen, dass die Ruinen von Palenque (und auch Ek Balam) sehr empfehlenswert sind, zumal man dort seine Ruhe hat und nicht Touristenmassen wie bei Chichén Itzá ausgesetzt ist. Vom Ortskern von Palenque kann man für 20 Pesos (etwa 1 Euro) pro Person mit dem Colectivo zur Zona Arqueológica de Palenque fahren, wo man ca. 30 Pesos (etwa 1,50 Euro) für den Nationalpark und 70 Pesos (etwa 3 Euro) für das Ruinengelände bezahlt.

3) Ecoparque Aluxes – Auffangstation in Palenque

Den Ecoparque Aluxes Palenque hatte ich gar nicht auf dem Schirm, war aber Feuer und Flamme, als unser Colectico-Fahrer dort ein paar andere Fahrgäste aussteigen ließ. Eigentlich besuche ich Zoos nur, wenn sie ausschließlich einheimische Tiere beziehungsweise Tiere in ihrer natürlichen Lebensumgebung beherbergen, aber beim Ecoparque Aluxes sieht das Ganze etwas anders aus: Dort werden nämlich unter anderem Tiere aufgepäppelt, die aus illegalem Tierhandel gerettet werden konnten, deren natürlicher Lebensraum zerstört wurde oder die krankerweise zuvor als Haustiere gehalten wurden.

Pro Person haben wir 150 Pesos (etwa 7 Euro) Eintritt bezahlt, man kann auch noch verschiedene Aktivitäten wie Bootsfahrten oder Nachtwanderungen aufbuchen. Wir sind letztendlich „nur“ durch den Tierpark geschlendert und waren hin und weg. Wäre es nicht irgendwann spät geworden, hätte ich noch stundenlang auf den Bänken sitzen und den Affen, Vögeln, Flamingos und vielen anderen Tieren in den riesigen und mit Liebe zum Detail gestalteten Käfigen zugucken können. Eine Sache konnte ich mir nicht verkneifen: Der Riesenschildkröte „Hallo“ zu sagen und für 50 Pesos (etwa 2 Euro) ein Foto mit ihr zu machen. Ich liebe Schildkröten und es war total spannend, der „Kleinen“ über Kopf und Panzer streicheln zu können.

4) Wasserfälle Agua Azul und Misol-Ha

Bei den Wasserfällen haben wir uns klassisch für eine Halbtagestour entschieden, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre das Ganze deutlich komplizierter geworden und die Touren kann man in so ziemlich jedem Hotel buchen (wir waren für umgerechnet etwa 25 Euro inkl. Steuern im Hotel Posada Aguila Real, was ich sehr empfehlen kann). Wir wurden um 12 Uhr mit einem bequemen, klimatisierten Van an unserem Hotel abgeholt und um 19 Uhr wieder zurückgebracht.

Die Zeit bei Misol-Ha war mit letztendlich nur 30 Minuten statt einer Stunde viel zu kurz, dafür hatten wir bei Agua Azul aber ca. 2 Stunden Zeit und bisher waren das sicher die schönsten Wasserfälle, die wir je zu Gesicht bekommen haben. Ein bisschen wie der Rheinfall in der Schweiz – nur in tropisch und ohne Regen. Die Tour hat pro Person 300 Pesos (etwa 13 Euro) gekostet und die Fahrt plus Nationalparkgebühren beinhaltet.

5) Berglandschaft bei San Cristóbal de las Casas

Einen ganzen Monat haben wir in San Cristóbal de las Casas verbracht, aber wie das oft so ist: Die schönsten Ecken haben wir erst auf den letzten Drücker zu Gesicht bekommen. Da wir unter der Woche meist mit unserem Sprachkurs, Arbeit und Magenproblemen ausgelastet waren, sind wir gar nicht so oft aus der Stadt rausgekommen, wie wir das eigentlich geplant hatten. An unserem letzten Abend waren wir aber noch einmal bis in die Puppen feiern und wurden am nächsten Tag vom Barkeeper in die Natur entführt.

Jhonatan hat dafür gesorgt, dass ausgerechnet unser letzter Tag in San Cristóbal, an dem wir eigentlich geplant hatten, nur noch im Bett zu chillen und auf den Nachtbus zu warten, zum besten des ganzen Monats geworden ist. Gemeinsam sind wir mit dem Taxi zu den Grutas del Mamut (80 Pesos, ca. 4 Euro) gefahren, wo wir noch einmal pro Person 20 Pesos (ca. 1 Euro) für das Gelände und die Höhle selbst bezahlt haben. Die Mammuthöhle ist wirklich spektakulär und die Augen brauchen erst einmal ein einen Moment, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben – beleuchtet ist hier nämlich nicht sonderlich viel und man muss gut aufpassen, wohin man tritt.

Nach dem Besuch der Höhle und einer ausgiebigen Wanderung durch die Berge, Korianderfelder und Co. wurden wir von ein paar Mexikanern auf der Ladefläche eines Transporters zurück nach San Cristóbal mitgenommen, was natürlich keinerlei deutschen Sicherheitsstandards entspricht, aber extrem lustig war. Mal wieder einen Punkt auf meiner Checkliste abgehakt – das wollte ich schon immer mal machen, haha. Ein wundervoller Ausflug in die Natur, den wir ohne die Bekanntschaft eines Einheimischen wohl nie gemacht hätten, denn die ganzen Touranbieter werben immer so stark mit dem Cañón und den indigenen Dörfern, dass man sich gar nicht mehr so richtig über andere Möglichkeiten informiert.

6) Indigene Dörfer San Juan Chamula und Zinacantán

Wo wir aber schon bei den indigenen Dörfern sind: Auch die solltest du nicht verpassen, denn der Halbtagesausflug nach San Juan Chamula und Zinacantán war richtig spannend und interessant. Man kann verschiedene Touren buchen, unter anderem auch kombiniert mit einem Ritt auf dem Rücken eines Pferdes. Wie intensiv Mundpropaganda aber ist, habe ich bezüglich meiner Wahl mal wieder feststellen können: Meine einzige Information war, dass ich morgens um 9 Uhr an dem Kreuz auf dem Platz der Kathedrale sein solle, um die beste Tour mitmachen zu können.

Also saß ich an einem Samstag (Simon hatte die Magenpest schon wieder ausgeknockt) um 9 Uhr auf den Steinen vor dem Kreuz und wartete. Auf was? Wusste ich auch nicht. Irgendwann setzte sich eine Engländerin neben mich und fragte, ob ich auch nach Chamula wolle. Nach und nach kamen immer mehr Touristen zusammen und auch die Tourguides ließen sich ein paar Minuten später blicken. Raúl und Raúl sind Vater und Sohn und veranstalten die vermutlich besten Touren nach Chamula und Zinacantán, wo sie schon seit Jahrzehnten Freunde und Bekannte haben und alles kennen wie ihre Westentasche. Papa Raúl leitet die Tour auf Spanisch, sein Sohn Raúl auf Englisch und die Infos sind Gold wert, wobei die Tour pro Person nur 250 Pesos (etwa 11 Euro) kostet.

In Chamula haben wir einen Einblick in die indigene Kultur einer komplett autonomen Stadt kennengelernt, die in der alten Kirche nun ihre eigene Religion auslebt. Ich kann das gar nicht alles in Worte fassen, wir haben so viel erfahren über die soziale Ordnung, das Familienleben, die Religion und vieles mehr, dass ich nur sagen kann: Mach die Tour unbedingt mit, du wirst es ganz sicher nicht bereuen, sondern mit vielen neuen und ungewohnten Eindrücken zurückkommen.

Auch sehr interessant: In Zinacantán durften wir den Frauen bei ihren Weberei-Arbeiten über die Schulter schauen, einen Blick in die Küche werfen und frische Tortillas probieren. An dem kleinen Verkaufsstand kann man die gewebten und bestickten Stücke aus Handarbeit zu sehr günstigen Preisen kaufen – der Gewinn bleibt komplett im Besitz der Frau, die das Kleidungsstück hergestellt hat, die Männer der Familie sind bei diesem kleinen Familienunternehmen komplett außen vor. Girlpower, ziemlich cool! Nun ja. Ich brauchte keine Klamotten, hätte ja auch gar nicht mehr in den Rucksack gepasst. Aber ich habe stattdessen einfach zwei Flaschen selbstgebrannten Pox gekauft, haha.

 

Was sind deine Highlights im Bundesstaat Chiapas?

Dir hat der Artikel gefallen? Dann sei doch so nett und teile ihn 🙂

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen