Nachdem wir uns am Vortag bereits die Externsteine, das Hermannsdenkmal und das Freilichtmuseum Detmold erwandert haben, steht für den nächsten Tag eine Wanderung von Detmold über Lemgo nach Bad Salzuflen auf dem Plan. Aber wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders – und zweitens: als man denkt. Heute erzähle ich dir daher, was wir auf unserer Wanderung in Lippe so erlebt haben. Und wieso wir die Strecke von Lemgo nach Bad Salzuflen letztendlich mit dem Bus gefahren sind.

„Aaaah, neeeeeein“, gebe ich nur von mir, als der Wecker morgens klingelt. Das kann doch nicht wahr sein. Schon so spät? Unser Bett im Detmolder Hof ist so gemütlich, dass wir Aufstehen nicht wirklich als erstrebenswerte Option ansehen. Vielleicht also einfach noch ein bisschen liegen bleiben?

„Sag mal, seid ihr Samstagabend nicht in Bad Salzuflen?“, kommt mir die Stimme meiner Mama in den Kopf. Während Simon und ich uns noch mindestens fünf Mal von einer Seite auf die andere drehen, überlegen wir bezüglich unseres Abendprogramms hin und her. Einerseits wollten wir die insgesamt knapp 30 Kilometer komplett wandern. Andererseits kriegen wir den Floh mit dem Kurparkfest in Bad Salzuflen nicht mehr aus dem Kopf.

Wandern in Lippe: Wenn sich Pläne spontan ändern…

Als wir etwas später leicht zerknautscht am Frühstücksbuffet sitzen und durch die Tageszeitung blättern, fällt die Entscheidung: Wir wandern wie geplant durch die Detmolder Altstadt und Richtung Lemgo. Startpunkt: das Residenzschloss in Detmold. Endpunkt: das Schloss Brake in Lemgo.

Danach nehmen wir den Bus, um nicht erst total spät in Bad Salzuflen anzukommen und noch fit sind, um uns die Stadt, den Kurpark und das Fest anzugucken. So weit, so gut. Also können wir es heute auch etwas entspannter angehen. Wir verkriechen uns nach dem Frühstück wieder in das unglaublich bequeme Bett, packen unseren Rucksack und machen uns gegen Mittag auf den Weg.

Gut gelaunt schlendern wir los. Die Füße fühlen sich wieder ganz akzeptabel an und wir starten unsere Wanderung in der Detmolder Altstadt, wo gerade ein kleiner Markt stattfindet. Detmold ist schon allein wegen der Architektur eine tolle Stadt, aber an diesem Samstagmorgen ist die Stimmung hier vollkommen ausgelassen, entspannt, idyllisch,… kurz: Sie passt zu unserem persönlichen Befinden und wir pfeifen fröhlich vor uns hin, während wir Hand in Hand Richtung Residenzschloss Detmold tapsen.

Dort angekommen, zeigt sich das Schloss ganz aktuell leider nicht von seiner besten Seite, denn es hängt eine dicke Wolkenschicht am Himmel und trübt das Gesamtbild ein bisschen. Hübsch ist es trotzdem und wir gucken uns das Gebäude und den kleinen Park aus allen Winkeln an, bevor wir Detmold allmählich Richtung Norden verlassen und gespannt auf den Schloss-zu-Schloss-Tag sind.

Auf den Spuren der Prinzen Story: Vom Residenzschloss Detmold nach Lemgo

Nachdem wir am Vortag mit dem X6 einem offiziellen Wanderweg gefolgt sind, latschen wir dieses Mal einfach grob in die richtige Himmelsrichtung und bahnen uns unseren Weg über die Wege, Straßen und Trampelpfade, die gerade am verlockendsten aussehen.

Der Weg aus Detmold heraus führt uns quer durch ein Wohngebiet, bevor wir einen Radwanderweg erreichen, der eine schöne Aussicht auf die umliegenden Felder bietet. Kühe, Getreidefelder,… und mittlerweile hat sich sogar die Sonne endlich wieder blicken lassen und verwandelt die Umgebung in einen Traum von Grün.

Die Sonne scheint uns ins Gesicht und wir wandern einige Kilometer geradeaus, bevor wir Richtung Lemgo abbiegen und auf einmal leicht verstört nach oben gucken: Über uns hängen dicke graue Wolken. Oh, oh. So war das aber nicht geplant. Wir haben (wie immer) keine Regenausstattung dabei und weit und breit ist keine Möglichkeit zum Unterstellen in Sicht. Nun ja. Ich kenne das ja schon von meiner Pyrenäenüberquerung. Schlimmer kann es sowieso nicht werden.

Schlachtplan: Schnellen Schrittes weitergehen und den Wolken hoffentlich entkommen. Wir haben Glück. Wir spüren zwar ein paar Tropfen auf der Haut, die Schlecht-Wetter-Front zieht aber netterweise in eine andere Richtung weiter.

Wandern in Lippe: Mittagessen in der Altstadt von Lemgo

Nachdem uns unsere bisherige Wanderung durch die Natur wirklich viel Spaß gemacht hat (und wir nach viel Hin und Her und entsprechender Diskussion dank Nachfrage bei Simons Oma auch noch herausgefunden haben, dass es sich bei diesen seltsamen Pflanzen mit erbsenartigen Schoten um Raps handelt…), werden wir mit dem Thema Langeweile auf die Probe gestellt.

Vom Ortseingang von Lemgo bis in die Altstadt folgen wir einer stinklangweiligen und nicht enden wollenden Straße. Die Ankunft in der Altstadt macht das aber direkt wieder gut, denn wir überqueren eine kleine Brücke und finden uns direkt inmitten von Fachwerkhäusern und anderen schnuckeligen Gebäuden wieder.

Unser Ziel in Lemgo ist eigentlich das Schloss Brake, aber als wir am Rathausplatz vorbeikommen, entscheiden wir uns spontan, doch erst einmal ein verspätetes Mittagessen zu uns zu nehmen. Nachdem ich kurz vor der Brücke noch zu Simon gesagt habe, dass ich noch gaaar keinen Hunger habe, knurrt mir fünf Minuten später so krass der Magen, dass dem nachgekommen werden muss. Und zwar sofort! Simon grinst sich einen. Jaja, immer das Gleiche mit Caro. Also schnell: Essen muss her! Wir setzen uns direkt am Rathausplatz ins Restaurant Stadtlicht und bekommen neben einem hervorragenden Service auch noch richtig gutes Essen, das uns unsere mittlerweile doch wieder ziemlich schmerzenden Füße für einen Moment komplett vergessen lässt.

Auf den Spuren der Prinzen Story: Das Schloss Brake und die Weserrenaissance

Bis zum Schloss ist es nur noch ein guter Kilometer und wir wandern endlich wieder durch ein komplettes Grün. Links und rechts sieht man fast ausschließlich Wiesen, Bäume, Büsche und Wildblumen. Wir erreichen das Schloss Brake, das im Stil der Weserrenaissance erbaut ist.

Theoretisch gibt es hier auch ein Museum über die Weserrenaissance, aber da wir bekanntlich eher nicht so die größten Museumsgänger sind, belassen wir es dabei, uns das Schloss, den Graben und das Wasserrad von außen genauer anzuschauen. Im Anschluss sind es nur noch wenige Meter, denn der Bahnhof Lemgo-Lüttfeld ist fast direkt um die Ecke. Dummerweise fährt die Eurobahn aktuell wegen Bauarbeiten nicht und wir müssen mit zwei verschiedenen Bussen nach Bad Salzuflen fahren.

Als wir endlich ankommen, ist es schon nach achtzehn Uhr. Wir checken im Best Western Plus am Ostertor ein und befinden uns somit wieder direkt im Ortskern. Nach kurzer Relax-Zeit auf dem gemütlichen Bett und einem kleinen Saunagang im hoteleigenen Wellnessbereich, ziehen wir los, um Bad Salzuflen genauer unter die Lupe zu nehmen. Bisher waren wir hier nur bei Geschäftskunden und haben entsprechend eigentlich nur Büroräume von innen gesehen. Höchste Zeit also, sich den Kneipp-Kurort endlich einmal richtig anzuschauen.

Wandern in Lippe: Ein entspannter Abend in Bad Salzuflen

Bad Salzuflen hat seinen Namen, oh Wunder, den salzhaltigen Quellen zu verdanken, die sich an diesem Ort befinden. Wir schauen uns die dreihundert Meter langen Gradierwerke an, aus denen früher Salz gewonnen wurde. Heute dienen sie nur noch den Kurgästen und generell Besuchern der Stadt zur Erholung. Und es stimmt: Wenn man sich der Mauer aus Schwarzdorn nähert, merkt man sofort den Umschwung der Luftqualität, denn die Sole, die sich auf diese Weise ausbreitet, befeuchtet die Atemwege. Wir atmen ein paar Mal tief ein und spazieren an der Wand entlang Richtung Kurpark.

Nun gut, im Vergleich zum bekannten Kurparkfest in Bad Oeynhausen ist es hier etwas langweilig. Der Altersdurchschnitt ist extrem hoch, einige Familien sind mit ihren Kindern hier. Jugendliche und junge Erwachsene? Fehlanzeige. Dafür gehen wir noch etwas durch den 120 Hektar großen Park, hören der Band zu und holen uns anschließend ein Eis.

Eine Sache dürfen wir auf jeden Fall nicht vergessen: Wir müssen uns unbedingt den Geysir anschauen! Wenn eine ostwestfälische Stadt es bei extra 3 schon tatsächlich in den „Irrsinn der Woche“ schafft, muss man schließlich unbedingt einen Blick erhaschen. Du weißt nicht, wovon ich rede? Schau selbst.

Digital Detox in Lippe: Ein Wochenende voller Erholung

Am Abend fallen wir müde ins Bett. Am nächsten Tag werden wir noch mit dem Bus und dem Zug zurück nach Horn-Bad Meinberg fahren müssen, um unser Auto abzuholen. Das ist der kleine Nachteil an einer Start-Ziel-Wanderung. Aber eines muss ich auf jeden Fall sagen: Uns macht es deutlich mehr Spaß, abends ein konkretes Ziel zu haben – und nicht bei einer Rundwanderung im Kreis zu latschen.

Wieder einmal sind wir positiv überrascht, wie viele schöne Ecken die Heimat manchmal zu bieten hat. Auch wenn wir nach wie vor gerne unterwegs sind… Nach den vielen Reisen der letzten Jahre können wir voller Überzeugung sagen: Es muss nicht immer Thailand, Australien oder Mexiko sein. Um eine tolle Zeit zu verbringen, die Seele baumeln zu lassen und bezaubernde Orte zu sehen, reicht es oft aus, einfach mal zu Hause vor die Tür zu gehen.

Transparenz-Hinweis: Vielen Dank an die Lippe Tourismus & Marketing GmbH, die uns bei dieser Wanderung mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung unterstützt hat. Wir durften diesen Ausflug komplett selbst planen und der Text gibt ausschließlich unsere eigene Meinung wieder.

Dir hat der Artikel gefallen? Dann sei doch so nett und teile ihn 🙂