Vielleicht wirst du dich jetzt wundern, dass ich so einen Artikel veröffentliche, der zu 100% aus Negativität, Wut und purer Enttäuschung besteht. Ist eigentlich nicht meine Art, ich weiß. Und generell schreibe ich auch lieber über schöne Dinge, als meine Zeit damit zu vergeuden, blöden Dingen noch negative Energie hinterherzuschmeißen. Aber dieses Mal bin ich einfach SO angepisst, dass ich nur jeden davor warnen kann, einen Roadtrip mit Wicked Campers zu planen. Wie das Unternehmen uns unseren langersehnten Urlaub ruiniert, uns fast schon mutwillig in Gefahr gebracht und uns am Ende sogar noch für nicht erbrachte Leistungen hat draufzahlen lassen, erfährst du hier. Wicked Campers: Einmal und nie wieder!

Meine Freundin Denise vom Cake-Design-Blog La Torta di Denise und ich hatten uns bereits seit Monaten auf diese Reise gefreut. Seit wir uns bei einem Bloggertreffen in Köln endlich mal im echten Leben kennenlernen durften, stand für uns fest, dass wir mal zusammen losziehen wollten. Mich zieht es ja bekanntlich meist eher in wärmere Gefilde, aber genau aus dem Grund habe ich ihrem Schottland-Vorschlag direkt zugestimmt. Alles nördlich von Deutschland hat bei Simon nämlich lange Diskussionen zur Folge – warum also nicht mit Denise nach Großbritannien fliegen? Bisher hatte ich schließlich nur London zu Gesicht bekommen.

Wicked Campers Erfahrung: Die falsche Entscheidung

Es hätte alles so gut werden können. Unsere Reiseplanung war schnell erledigt und wir waren uns direkt einig: Zwei Nächte Edinburgh und danach ein 5-tägiger Roadtrip durch Schottland. Hoch zu den Highlands, ein bisschen durch den ein oder anderen Nationalpark wandern, die Natur genießen. Auf der ITB in Berlin hatten wir von Visit Scotland bereits zwei spezielle Pässe bekommen, mit denen wir einige Vergünstigungen und kostenlosen Eintritt zu mehreren schottischen Attraktionen erhalten sollten. Außerdem hatten uns andere Blogger schon tolle Tipps für Schottland gegeben. Wir freuten uns also wie Bolle auf unseren gemeinsamen Urlaub und mussten uns nur noch um einen Camper kümmern. In dem Moment konnten wir natürlich noch nicht ahnen, dass das alles aus dem letztgenannten Grund ins Wasser fallen würde…

In guter Erinnerung an meinen Roadtrip durch Südaustralien schaute ich direkt nach, ob es Jucy Campers wohl auch in Schottland gibt. Leider fiel das raus, denn die quietschgrünen Vans werden nur in Australien, Neuseeland und den USA vermietet. Also schauten wir uns weiter um und stießen auf Wicked Campers, deren schräge Designs wir irgendwie ganz lustig fanden. Die Webseite klang seriös, auf den Fotos sahen die Vans ganz gemütlich aus. Um auch wirklich auf der sicheren Seite zu sein, mieteten wir noch die All-Inclusive-Versicherung und zahlten für 5 Tage umgerechnet insgesamt 478 Euro – nicht gerade ein Preis, bei dem man mit „Wenn man nur so wenig zahlt, muss man doch wissen, dass das nicht taugen kann“ argumentieren kann, oder?

Die erste Ernüchterung kam schon am ersten Abend: Wir hatten Edinburgh verlassen, uns etwas die Umgebung angeschaut und waren bis nach Stirling gefahren, wo wir uns am nächsten Tag das Stirling Castle anschauen wollten. Unsere Einkäufe waren in der Küche im Kofferraum verstaut und wir suchten uns einen kleinen Stellplatz mitten im Nichts, um etwas zu kochen. Die Beschichtung blätterte uns schon aus dem Topf entgegen und als wir den Gaskocher anschmissen, stellten wir mit Schrecken fest, dass Wicked Campers uns eine fast leere Gasflasche überlassen und die angekündigte Ersatzkartusche vergessen hatte. Naja. Für einen Topf Reis hat es immerhin gereicht. Muss man die Sauce aus dem Glas eben unaufgewärmt drüberschütten…

Wicked Campers Erfahrungsbericht: Die erste und letzte Nacht

Am nächsten Morgen buchten wir direkt ein paar Hostelbetten für die kommenden Tage. Unsere Nacht im Wicked Campers Van war so schrecklich, dass wir uns das nicht noch einmal antun wollten. Wir hatten erst unmittelbar vor unserer Reise durch einen Zufall erfahren, dass die Wicked Camper keine Bettwäsche enthalten – davon waren wir bei der Beschreibung „Large comfy bed“ allerdings ausgegangen. Also froren wir und zogen uns alle Klamotten an, die wir in unserem Gepäck finden konnten. Die Idee, am nächsten Morgen warme Schlafsäcke zu besorgen, wurde aber auch direkt verworfen, denn das Bett war so weit entfernt vom Adjektiv „comfy“, dass wir Rückenschmerzen hatten und beschlossen, keine einzige weitere Nacht in diesem Gefährt zu hausen.

Trotzdem wollten wir uns davon unseren gemeinsamen Urlaub nicht vermiesen lassen und machten uns auf den Weg ins Zentrum von Stirling, wo wir ausgiebig frühstückten, durch die Stadt schlenderten und uns das wunderschöne Castle anschauten. Mittlerweile hatten wir uns mit dem Gedanken angefreundet, den Camper eben nur noch als Transportmittel zu benutzen und noch einmal für Unterkünfte draufzuzahlen. Da wussten wir aber natürlich noch nicht, wie schlimm der Tag noch werden würde. Zu deiner Info: Ich hatte den gesamten Ablauf direkt mit genauen Zeitangaben anhand von Chatverläufen und Anrufprotokollen dokumentiert, um das Unternehmen Wicked Campers unmissverständlich damit konfrontieren zu können. Aber dazu später mehr…

Wir fuhren auf die A9 Richtung Norden. Am Nachmittag wollten wir den Cairngorms National Park bei Aviemore besichtigen und anschließend weiter nach Inverness fahren. Als wir gerade am kleinen Städtchen Blair Atholl vorbeigefahren waren, gab der Camper den Geist auf. Nach gerade einmal 100 Meilen ging plötzlich das Radio aus und Denise grinste mich an und meinte, sie sei ja froh, dass es zumindest nur das Radio und nicht der Motor sei. Der legte seine Arbeit allerdings wenige Sekunden später auch nieder, begleitet von drei roten Warnleuchten. Wir schafften es gerade noch so, in die nächste Haltebucht zu rollen. Da war es 14:30 Uhr.

Wir riefen die „Road Assistance“ an, deren Nummer auf unseren Unterlagen stand. Die Dame am Telefon giftete mich an, dass sie mir nicht helfen könne, da sie nur für Buchungen zuständig sei und ich gefälligst den Techniker anrufen möge. Da ich davon ausgegangen war, dass ich aus Versehen die falsche Nummer gewählt hatte, versuchte ich es noch einmal – und wurde wieder angegiftet, Hilfe konnten wir hier offenbar nicht erwarten. Also bat ich Simon, von Deutschland aus (mit ordentlichem Internet) jemanden zu erreichen. Um 15 Uhr bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von einem Mechaniker, der uns mehrfach fragte, ob wir auch wirklich nicht vergessen hätten zu tanken. Äh, nein?! Genau genommen hatten wir gerade am Vorabend vollgetankt und waren seitdem ja bekanntlich nicht weit gekommen.

Trotz der drei roten Warnleuchten forderte er uns auf, den Wagen unter Anweisung selbst zu reparieren. Angeblich müsse man nur ein paar Drähte aneinanderhalten und immer wieder versuchen, den Motor zu starten. Die Frage nach einem Ersatzwagen wurde direkt verneint, die Frage nach der „Road Assistance“ ebenfalls, denn wir müssten es erst selbst probieren, fachmännische Hilfe könne erst in 90 Minuten da sein. Nach viel hin und her und schwitzigen Händen (ähm, schon mal zwei absolut unausgekannte junge Frauen an einen Motorraum gelassen?!) schafften wir es um 15:45 Uhr, den Wagen wieder in Gang zu setzen, zwei von den roten Lampen strahlten uns allerdings immer noch an.

Der Mechaniker meinte allen Ernstes, wir sollten einfach weiterfahren. Sein scheiß Ernst? Ich will ja nichts sagen, aber auch wenn ich von Technik keine Ahnung habe, bin ich doch in der Lage, ein Handbuch zu lesen. Und bei besagten Warnlampen stand bei beiden, dass man die Fahrt sofort unterbrechen und eine Werkstatt aufsuchen solle. Da wir aber irgendwo im Nirgendwo waren und keine andere Wahl hatten, mussten wir zähneknirschend weiterfahren, denn die Road Assistance von Wicked Campers bestand darauf und weigerte sich, jemanden zu schicken.

Mittlerweile war es zu spät für unseren Halt im Cairngorms National Park, also entschieden wir uns, direkt weiter nach Inverness zu fahren. Nach nur 24 Meilen soff unser Motor allerdings um 16 Uhr wieder ab und Denise und ich waren uns einig, dass wir mit diesem Wagen keinen einzigen Meter mehr fahren würden. Vielleicht waren ja auch noch die Bremsen kaputt? Wer konnte das in dem Moment schon wissen – unser Leben wollten wir jedenfalls nicht aufs Spiel setzen. Wieder kontaktierten wir den Mechaniker, der weiterhin der Meinung war, man könne das ganze Problem in einem WhatsApp-Chat lösen. Es dauerte fast eine Dreiviertelstunde, bis sich jemand meldete, um sich nach unserem genauen Standort zu erkunden. Mittlerweile waren über zwei Stunden seit unserem ersten Anruf vergangen. In der Zeit hätte man vermutlich schon mal jemanden schicken können, 90 Minuten hin oder her.

Wicked Campers Erfahrung: Grottige Road Assistance

Wir warteten am Straßenrand. Und warteten. Und warteten. Unsere Mägen knurrten allmählich ganz gewaltig und wir plünderten eine Packung Kekse, die Denise glücklicherweise noch dabei hatte. Da unsere Gaskartusche ja von Anfang an leer war, konnten wir unsere Lebensmittelvorräte trotz angeblich toll ausgestattetem Camper nicht kochen. Um 17:25 Uhr, als der Mechaniker eigentlich schon längst da sein sollte, wurden wir erneut angerufen – nur um uns zu sagen, dass der Mechaniker noch 70 Minuten brauchen würde. 70 Minuten? Wollten die uns verarschen? Das klang ja so, als hätte man jetzt erst jemandem Bescheid gesagt! Um 18 Uhr klingelte das Handy wieder. Man wollte unsere Position wissen. Wie bitte? Die hatte ich doch schon um 16:40 Uhr als Google-Standort versendet! Um 18:15 Uhr rief uns wieder jemand anderes an und sagte, er würde 30 Minuten brauchen. Er kam um 19:25 Uhr an.

Der Mechaniker (scheinbar extern eingeschaltet) war der erste Mensch, der uns tatsächlich helfen wollte. Er wechselte den Keilriemen und bemerkte dabei, dass die gesamte Lichtmaschine kaputt war. Als ich ihm von unseren Reparaturversuchen erzählte, konnte er es kaum glauben, dass man uns tatsächlich mehr oder weniger gezwungen hatte, trotz Warnleuchten etc. weiterzufahren. Wirklich überrascht schien er allerdings nicht und meinte, dass es mit Wicked Campers immer wieder die gleichen Probleme gebe. Gemeinsam warteten wir auf den Abschleppdienst, der sich allerdings auch Zeit ließ. Der nette Mechaniker musste leider weiter und wir standen mitten im Nichts allein an der Straße. Wir hatten seit 10 Stunden nichts gegessen, es war arschkalt und wurde allmählich dunkel. Beste Voraussetzungen, um als junge Frau irgendwo am Straßenrand zu stehen. Naja, die vielen Moskitos zwangen uns so oder so ins Innere des Wagens.

Um 20:45 Uhr war immer noch niemand da, was die Road Assistance statt mit einer Entschuldigung nur mit einem „That’s a shame“ per WhatsApp quittierte. Vorher wurde uns gesagt, dass der Abschleppdienst uns an unser Tagesziel Inverness fahren würde – nun aber hieß es, wir müssten wieder ganz zurück nach Edinburgh und den Camper ordnungsgemäß zurückgeben. Ordnungsgemäß zurückgeben? Ahhh, ich muss mich selbst jetzt beim Schreiben schon wieder zusammenreißen, keine Kraftausdrücke zu benutzen. Alternative? Gab es keine. Ah, doch. Wir hätten den Abschleppdienst nach Inverness umleiten dürfen, wenn wir die Abschleppkosten von ca. 500 Pfund selbst getragen hätten. Geht’s noch?

Es war 21:30 Uhr, als der Abschleppdienst endlich kam. 7 Stunden nachdem uns die Karre verreckt war. Der Fahrer war verwirrt und dachte, er solle uns nach Inverness bringen. Als wir ihm von der gegenteiligen Anweisung erzählten, rief er selbst bei Wicked Campers an. Ja, zurück nach Edinburgh. Da der Abschleppwagen aber in den Norden der Insel musste, gab es direkt das nächste Problem: Wir mussten den Camper auf dem Wagen sichern, nach Stirling fahren, dort den Camper auf einem anderen Abschleppwagen sichern und mit dem dann weiter nach Edinburgh fahren. Nach einer unglaublich unbequemen Fahrt kamen wir um 01:00 Uhr nachts wieder in der Hauptstadt an. Dort, wo zwei Tage zuvor alles begangen hatte. Es war Wochenende. Nicht gerade die beste Idee, um sich spontan eine Schlafgelegenheit zu suchen. Um 02:00 Uhr nachts lagen wir in einem total überteuerten Bett und konnten nicht glauben, wie man so sehr verarscht werden kann.

Wicked Campers Erfahrungsbericht: Entschädigung? Hoffnungslos!

Jetzt stellt sich die Frage, wieso ich diesen Artikel erst fast ein Jahr später schreibe, richtig? Nun ja. Ich habe dem Unternehmen die Chance gegeben, sich dazu zu äußern und uns angemessen zu entschädigen. Deren Vorschlag, vor der Garage im kaputten Camper zu schlafen („Das haben die Letzten auch gemacht“ – Aha. Interessant.) und am nächsten Tag einen Ersatz zu bekommen, hatten wir dankend abgelehnt, denn wir hätten frühestens am Mittag einen neuen Wagen bekommen, was sich nicht mehr gelohnt hätte für unseren Roadtrip. Außerdem waren alle Pläne und Termine geplatzt, wir hatten Geld in eine komplette Tankfüllung investiert und mussten neben der sauteuren Nacht in Edinburgh auch noch die Unterkünfte im Norden bezahlen, die wir nicht mehr stornieren konnten.

Wochenlang meldete sich niemand bei uns, Mails wurden einfach ignoriert. Erst als ich mit rechtlichen Schritten drohte, wurde uns auf einmal postwendend ein Angebot gemacht. Wir sollten den kompletten Mietpreis von 478 Euro zurückerstattet bekommen. Das war zwar unserer Meinung nach nicht wirklich angemessen, aber besser als nichts – also stimmte ich zu. Das Formular, das ich „nur noch schnell unterschreiben“ sollte, stellte sich allerdings als mehrseitiger Vertrag heraus, bei dem ich mich zur absoluten Verschwiegenheit bereiterklären sollte. Bei einer Vertragsstrafe in 5-stelliger Höhe. Den Mund lasse ich mir aber ganz sicher nicht verbieten! Daraufhin schalteten wir den Europäischen Verbraucherschutz ein, der sich monatelang bemühte, ein Ergebnis zu erzielen.

Das Ergebnis: Wicked Campers hielt es nur für nötig, mit einem „Sie hat ja den Ersatzwagen abgelehnt“ zu antworten, danach auch die Verbraucherschutzzentrale gekonnt zu ignorieren und immer mal wieder negative Facebook-Bewertungen verschwinden zu lassen. Was bleiben würde, wäre nur, wirklich rechtliche Schritte einzuleiten. Aber ganz ehrlich? Das ist mir die Mühe und die Nerven nicht wert. Schade ums Geld. Schade vor allem um unseren Urlaub. Aber ich bin nur froh, dass uns nichts passiert ist. In einen Wicked Campers setze ich jedenfalls nie wieder einen Fuß!

 

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